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Hypecheck: Lana Del Rey
Am 3. Feb 2012, 09:00 Uhr von Setzer
Muss jetzt auch mal sein. Kessel.tv greift ein ins allgemeine Inflationär-Gehype um Lana Del Rey. Die Frau ist ja gerade mehr da als der Wulff und der “Russenwinter” zusammen. In aller Munde.
Das ist auch gleich das größte Problem von Lana Del Rey, der stattlich oberbelippten Bumsliesel-Fantasie vieler geiler Säcke mittleren Alters und notgeiler Hipster. Kaum einer erinnert sich aber an die Lieder der flotten Millionärstochter aus London, wenn die dann nach dreieinhalb Minuten vorbei sind. Eventuell noch Chris Isaak, den man manchmal fast brüllen hört: “Hömma, war das nicht gerade schon wieder eine Idee von mir?”.
Isaak wiederum wäre zu Recht sauer. Klaut Lana Del Rey nicht nur seine eh schon zweitverwerteten Lieder, sie stiehlt ihnen auch noch den letzten Funken Sex. So wie Twilight es mit den Vampiren gemacht hat. Wirklich miese Nummer: schön in den Hals beissen um Mitternacht, aber ansonsten – wie JayVee meinte – bloß nicht reinstecken. Mieser Deal. Nicht nur für den rechtschaffenden Vampir von nebenan.
Mein alter Zivi-Kollege Achim hätte gesagt: “Die sollte lieber Pornos drehen.” Kurz sacken lassen. Nee, wollen wir auch nicht. Es würde schon etwas helfen, würde sie nur aufhören, ständig so viel Müll zu erzählen, “Ruhm ist widerlich” zum Beispiel. Es würde ihre ärgerlich mittelmäßige Platte “Born To Die” ein Stück weit erträglicher machen.
Wenigstens die paar Meter bis zum Sportheim um die Ecke. Die älteren Herren dort werden sicherlich ganz kringelig werden vor Erotigg und so – Hotpants, Chucks und das Rumfummeln auf der Motorhaube. Da wäre sie dann auch bei der richtigen Zielgruppe: zu doof zum illegal downloaden, wie damals die Frauen bei Norah Jones. ‘Schuldigung. Das hat Stern damals wirklich geschrieben. Egal, wird sich tierisch verkaufen.
Lana Del Rey wirkt wie eine, die das iPhone anderer Leute mit Hipstamatic fotografiert. Damit’s wenigstens ein bisschen “vintage” aussieht. Ansonsten dreht sich da alles im Kreis, leider nicht, weil sie so gut ist, sondern, weil’s so verflucht durchschaubar, bösartig berechnend und oft auch sehr langweilig bis einfältig ist.
Die Jungs im Sportheim sind allerdings meine Freunde und Lana Del Rey versucht diese ehrenwerten Herren zu verarschen. Auch mit diesem ständig etwas angefickten Blick und dem tiefgründig dunklen Getue. Sexistisch? Ja. Sie singt Lieder für die kleinen Klischees vom Leben und glaubt tatsächlich, all’ diesen untervögelten Männern und verwirrten Mädchen, die eine Identifikationsfigur suchen, würde dieser himmelschreiende Bockmist tatsächlich auf die Sprünge helfen.
Faktencheck: “Blue Jeans”, ist ein super Lied. Das weiß eben auch Chris Isaak, bei dem hieß das damals “Wicked Game” und sogar benebelte Finnen wie Ville Valo fanden das spitze. “Video Games” ist auch ein Kracher. Bleib ich dabei. Aber Dreck wie “National Anthem” wäre aber selbst Pink oder Katy Perry zu blöd gewesen und Moloko kennen wir auch. “Kinda Outta Luck” ist wirklich auch sehr ärgerlich, wird sogar von Minute zu Minute schlimmer.
Lana Del Rey hat manchmal die Tiefe einer Foto-Depesche auf tumblr und wirkt wie eine, die beim Existenzialisten-Stammtisch mit dem Starbucks-Becher reintippelt und “Carpe Noctem” säuselt. “Carpe Diem” wiederum sei das Arschgeweih unter den Lebenmottos, hab’ ich kürzlich auf Facebook gelesen.
Wenn das alles etwas Gutes hat, dann dass Fiona Apple bald eine neue Platte rausbringen will. Hab’ ich auch gelesen. Das ist dann auch das beste was man über Lana Del Rey sagen kann. Außer vielleicht noch: “Born To Die” wäre eine super Single mit drei Liedern geworden.
Ansonsten: spitzen Platte, wenn man Musik nicht sonderlich gut leiden kann. Soll lieber was Gescheites lernen, etwas Nachhaltiges. Singen zum Beispiel oder was mit Medien und so, bei letzterem hat sie ja sehr viel Übung.
LANA DEL REY, “Born To Die” (Universal)
NACHTRAG: Bei David Letterman war ihre Performance nicht ganz so grausam wie bei Saturday Night Live.
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Yes, we Cann
Am 2. Feb 2012, 09:00 Uhr von Setzer
Vollgut: Stuttgart zur Primetime ohne Prügel, ohne VfB und ohne Bahnhof. Das muss aber bitteschön in die richtigen Hände gelegt werden. Super Adresse: Carmen Mioska von den Tagesthemen. Die finde ich spitze. Obwohl sie eigentlich Caren Misoga heißt. Fiel mir auch nur zufällig auf. Sie sieht immer ein bisschen aus, als würde sie etwas wissen, das sie in zehntausend kalten Wintern nicht verraten würde. Auch nicht wenn man ihr den Sendeplatz von Günther Jauch geben würde. Noch besser finde ich sie, seit sie die Band Hüsker Dü in einer Talkshow erwähnt hatte und dass sie bei denen mal auf einem Konzert war. Solchen Leuten kann man im Normalfall vertrauen.
Ach, egal jetzt. In den Tagesthemen musste sie am Dienstag was anderes sagen: “Integration”. Das TV-Lieblingsthema, wenn Wulff gerade keinen Blödsinn macht, die Klum keine Pressemitteilung schreibt, Heesters schon wieder nicht aufersteht, keine Atomkraftwerke durchschmoren oder halt einfach sonst nix los ist.
Als Beispiel dafür wurde – Anlass war der Integrationsgipfel in Berlin – dann gleich ein Beitrag aus Stuttgart Bad Cannstatt gesendet. Musterbeispiel, laut den Tagesthemen, wenn’s um Integration geht. Bericht war super. Wie immer wurde da mit aller greifbarer Arroganz genau das Gegenteil betrieben: “Hey Ausländer! Und wie läuft’s so mit der Integration? Merkste schon was?”. Hier geht’s zum Beitrag, startet bei 4:10.
Gut, aber wenigstens wissen wir jetzt, dass das Cann (“Intergrationshilfe aus Stahlbeton”, yeah), das Jugendhaus in Cannstatt 13,5 Mio. Euro gekostet hat, Startschwierigkeiten hat und dass jeder Dritte der circa 70000 Einwohner in Cannstatt Migrationshintergrund hat (die Frisur von Timo Gebhart nicht mitgerechnet). Kann man ja immer mal brauchen. Vielleicht fragt der Jauch ja mal nach so was.
Wem’s nicht so dringend mit den Infos ist, der kann’s bei Bedarf auch wie der Tatort Ermittler aus Wien machen: “Das musst du Dir mal rausgoogeln lassen”, sagte Harald Krassnitzer jüngst zu Gottschalk, in dessen neuer Stammelshow. Jetzt ist auch mal wieder Schluss mit Fernsehschauen. Lieber raus gehen in kurzen Hosen und FlipFlops. Achso, Sonntag gibt’s wieder einen Wiener Tatort mit Moritz Eisner und seiner Co-Ermittlerin Bibi Fellner. Die wiederum finde ich mindestens so toll wie die Miosga.
Ich lass mir jetzt mal gescheit einen rausgoogeln und dann Flipflop und so.
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Merkel tritt zurück
Am 31. Jan 2012, 09:00 Uhr von Setzer
Kurzer Nachzügler: vergangenen Freitag hat die Stuttgarter Zeitung online und äußerst exklusiv vermeldet “Merkel tritt zurück” –
leider nurganze 15 Minuten lang. Stimmte natürlich nicht. Das war eine technische Panne mit dem neuen Redaktionssystem.Stelle mir das so vor: einer tippte die Headline und um zu zeigen, wie geil – und vor allem wie schnell – das jetzt mit der neuen Technik funktioniert, den Content online zu stellen, landete das Ding prompt auf der Homepage. Die restlichen 15 Minutes of Fame waren wahrscheinlich mit sehr viel Rumbrüllen, Achherrjeh, Ohgottogott und Hihi gepflastert.
Kenn’ ich, hab ich bei PRINZ auch mal gemacht und ein Festival angelegt mit den Ramones in Originalbesetzung, Slayer, Dead Kennedys, Madonna, Depeche Mode und als Local Support Gerd Rube. Dufte dann aber nicht auf “Online” klicken.War ziemlich verboten. Mich hat’s trotzdem im Finger gejuckt. Bei mir fand das Ding auf dem Schlossplatz statt. Beginn 17 Uhr, Eintritt frei, bin ja kein Arschloch. Wäre garantiert voll geworden.
Hier gibt’s den Spiegel-Online Artikel, zu Angela Merkel, die natürlich munter weiter tritt. Hier ist das Statement von der Stuttgarter Zeitung.
Hoffentlich kein Versehen: Monty Python drehen wieder einen Film. Hoffentlich eine Ente: Lothar Matthäus bekommt eine Doku-Soap auf Vox.
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Tod online
Am 19. Jan 2012, 14:59 Uhr von Setzer
Lieber keine Witze über den Tod machen. Der Drecksack kommt meistens ja eh irgendwann und klopft einem nachträglich auf die Finger. Klar, auslachen funktioniert auch sauber oder wenn er vor der Tür steht, muffelig anraunzen und sagen: “WTF?! Hättste ruhig vorher IMen können, Spaten. Bin gerade megabusy, muss noch achtmal “Somebody I Used To Know” posten. Schau im Herbst nochmal rein, Torfnase.”
Die gute alte …But Alive-Nummer geht natürlich auch immer: “Klar kannst Du Dich mal melden, halt nur nicht bei mir”. Der Tod ist und bleibt eine Frage der Lebenseinstellung.
Wer sich mit dem Drecksack richtig auseinandersetzen möchte, kann sich jetzt locker bei Stuttgart Gedenkt, dem neuen Trauerportal der Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung, einloggen. Da gibt’s wirklich alles rund um die größte Spaßbremse des Lebens.
Funktioniert so: “Hier können Sie nach Verstorbenen suchen, an sie erinnern und gemeinsam mit anderen Menschen trauern. Sie können kondolieren, Ihre Anteilnahme bekunden und eine Gedenkkerze anzünden. Zudem finden Sie eine Reihe von Trauersprüchen, Vorschläge für Beileidsbekundungen, Danksagungen und Trauerkarten und Ratgeber für diese schwierige Lebenslage.”
Wer eine Todesanzeige in einer der beiden Zeitungen schaltet, kann sich lockerflockig online ins Trauerportal einloggen. Die virtuelle Gedenk-Kerze gibt’s für schlappe 99 Cent.
Aber mal ehrlich: mit Premium Membershit für 30 Euro geht da natürlich wesentlich mehr: Die Kerzen sind da kostenlos und heiße Features wie Fotoalben, Videoseiten, Kondolenzbuch, Musik und Co. können ebenfalls gleich angelegt werden. Ich warte jetzt schon gespannt auf die erste GEMA-Klage wegen Urheberrecht bei irgendwelchen Liedern.
Die Trauerseite sieht derweil ein bisschen aus wie eine Mischung aus MySpace- und Facebook. Hoffentlich ohne Statusmeldungen, außer man ist halt Zombie. Dann geht das schon, beziehungsweise gehört
zuzum guten Ton.Ohne Traueranzeige in den einschlägigen Zeitungen liegt der Spaß übrigens bei 60 Euro. Für den Fall einer Wiederauferstehungsnummer, posthumem Ärger oder kurzer Trauer: die Kündigungsfrist beträgt drei Monate vor Ablauf des ersten Jahrestags, formlos: “Sorry, ist auferstanden. lol. xoxo. *voll freu*, Eure Maria”.
Trotzdem: Premium-Membership muss sein. Die Toten milde stimmen. Und außerdem will man sich ja nix nachsagen lassen.
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Hallo Frau Dr. Eisenmann,
Am 21. Dez 2011, 10:35 Uhr von Setzer
ich kenne Sie nicht persönlich. Deswegen möchte ich Sie weder angreifen, noch beleidigen. Im Gegenteil: ich bin mir fast sicher, dass Sie ein guter Mensch sind. Klar, kurz vor Weihnachten nehme ich so was im allgemeinen Besinnlichkeitstaumel oft auch vorschnell an. Da freu ich mich ja schon, weil Jon Bon Jovi doch nicht tot ist. Aber bei ihnen bin ich mir irgendwie sicher: Sie sind okay. Deswegen wende ich mich auch an Sie. Auch weil ich sonst nicht weiß, wohin mit meinen Fragen.
Ich bin mir auch sicher, dass Ihr Job als Kulturbürgermeisterin nicht das rosarote vom Ei ist. Hört sich garantiert viel leichter an als es ist. Ständig will einer Geld von ihnen: Schretzmeier, Gauthier, die Typen von irgendwelchen Kleinkunstbühnen, von den Großen auch und so weiter. Scheissjob, oder? Immer wieder zum Kassenwart dackeln und ein paar Groschen loszueisen, der rollt wahrscheinlich schon mit den Augen, wenn Sie ins Büro kommen.
Warum freuen sie sich da nicht über solche Leute wie Peter Reinhardt, Nanno Smeets und Jan Drusche? Das sind sehr nette Leute, ich kenne die. Die machen da in aller Ruhe einen Laden, “Die Röhre” heißt der. Die wollen gar kein Geld von ihnen, keine Subventionen, nur ein Dach über dem Kopf, sie bezahlen sogar Miete.
Reinhardt, Drusche und Smeets lassen in ihrem Laden oft Bands spielen, getanzt wird da auch, Leute unterhalten sich, trinken, manche gründen dort noch an der Bar Bands, andere dürfen mit ihren Popelbands sogar dort auftreten, manche wollen nur dort auftreten und in ganz Europa kennen Leute Die Röhre. Der sturzbesoffene Sänger einer schwedischen Deathmetal Band meinte mal zu mir: “Say ‘Hi’ to Nanno”, dann fiel er um und ein Amerikaner sagte vor ein paar Jahren sinngemäß, ich solle den Club grüßen. Als ob man Gebäude grüßen könnte. Geht natürlich nicht. Ich weiß das, weil ich kürzlich vor dem Rathaus stand und “Hallo! Geht’s noch?!” gesagt habe. Da kam nix zurück. Auch deswegen schreibe ich Ihnen.
Worauf ich raus will: toller Laden und wertvoll, diese Röhre. Früher haben die dort fünf Mark Eintritt für die Disco verlangt. Als ein Punker mal drei Mark hinlegte und fragte, ob das eventuell reiche, da grummelte Peter Reinhardt: “Hmm, des isch a bissle dürftig.” Dann hat der Typ einfach die restlichen zwei Mark aus der Tasche geholt. DAS ist Pädagogik.
Mal unter uns: Ein Großteil der Leute, die ihren Kollegen schwer auf den Sack gehen, sind von der Straße weg, gerade weil sie in Clubs wie der Röhre rumhängen. Ist doch mit dem Rocker 33 auch nicht anders, oder mit diesen Existenzgründern im H7, die Ihnen sonst milchkaffeeschlüfend die Plätze im Loungecafé wegblocken würden. Dach über den Kopf und aufgeräumt.
Ich weiß schon, dass Ihnen die Hände gebunden sind. Dieser Grube nervt mega, oder? Mehdorn war ja schon schlimm. Ständig zeigen diese Stoffel mit dem Finger irgendwo drauf und brüllen “Will ich haben”. Gerade ihrem Chef Wolfgang macht das schwer zu schaffen, ich sehe das. Unter uns: Er schaut wirklich nicht gut aus und redet manchmal wie im Fieber. Burnout wahrscheinlich. Geht gerade um. Der sollte wirklich in den Urlaub, bevor er noch aus Versehen den Flughafen in eine Tiefgarage verlegt, damit man oben geiler shoppen kann. Und jajajajaja, ich weiß, dass die Röhre ein Furz, Peanuts, nichtig und nix im Vergleich zur Dimension dieses Bahnhofs ist. Aber sie ist mit all’ ihrer Abgefucktheit ein schöner Ort. Leute fahren da freiwillig hin. Jede Woche. Manche sogar mit der Bahn.
Wissen sie, ich bin ja tatsächlich der Meinung, dass Stuttgart weder tot, noch langweilig ist. Sie werden mich diesbezüglich nie jammern hören. Ich bin sogar so naiv, laut zu sagen, dass ich Stuttgart liebe. Und dass die hiesige Subkultur der toughste Motherfucker weit und breit sein muss. Wer soviel einsteckt, wie die Leute hier und trotzdem weitermacht – der muss stark sein. So wie A Boy Named Sue.
Den Leuten ständig Stecken in die Speichen werfen ist trotzdem eine miese, gar charakterarme Geschichte. Theodor Heuss Straße, Theaterhaus, Staatstheater, Rampe, Rosenau – das ist alles wichtig für die Kultur einer Stadt. Punkrock, Drum’n'Bass, Hardcore, Dubstep, Rock’n'Roll, Elektro, HipHop, Metal und Co. aber ebenso. Vielfalt, das ist der Schlüssel. Und: Hand aufs Herz. Ihre national erfolgreichen Künstler sind doch größtenteils Leute aus eben diesen Szenen. Wie stehen die denn jetzt da?
Ab und an kommen diese Künstler in andere Städte und möchten denen was Schönes erzählen und eine lange Nase drehen, wenn die dort doof rumkichern: “Hihihi. Stuttgart”. Wenn Sie so weiter machen, dann müssen die sich dort den Mund bald fusselig reden. Und ehrlich: Ich habe auch keine Lust, jedes Mal nach Esslingen, Schorndorf – oder gottbewahre Karlsruhe – zu fahren, wenn ich eine tolle Band sehen will.
Bin verzweifelt und mit mit meinem Latein am Ende: Letzte Woche habe ich sogar Christian und Bettina Wulff angerufen. “Na, Lust auf ein Wochenende, so actionyeahmäßig, ein bisschen um die Blöcke ziehen? Könnt bei mir auf der Couch schlafen. Jägi in der Röhre geht auf mich”, habe ich amigomäßig gesagt. Christian meinte nur: “Äh, klar. In euren Clubs rumzuhängen ist mittlerweile wie Vorverkaufstickets für eine Beerdigung zu kaufen. Kackstimmung, alle sind mies drauf. Steck’s Dir in Haare, Bro”, hat er gemeint. Ich sagte “Schmieren, Christian. Das heißt schmieren.”
Okay, Frau Eisenmann, ich falle jetzt mit der Tür ins Haus: Wen müssen wir schmieren, wieviel würde das ungefähr kosten, dass ihre Kollegen die Leute endlich in Ruhe lassen? Oder könnten Sie sich eventuell dazu durchringen, mal auf den Tisch zu hauen und ihren Chef volle Kanne anzubrüllen? Oder sich vielleicht wirklich für adequate Alternativen stark machen? Oder den Leuten wenigstens menschenwürdig Zeit zugestehen, bevor Sie die auf die Straße setzen? Wie in aller Welt, sollen die Weihnachtsgeschenke shoppen, wenn sie ihr Mobiliar über die Stadt verteilen müssen und keine Ahnung haben, wo sie von nun an arbeiten sollen?
Man muss das Kunst- oder Kulturverständnis der so genannten Szene ja nicht selbst gut finden, aber wenigstens tun die etwas dafür, dass wir hier noch ein bisschen gerner leben. Die machen was. Die engagieren sich. Vom Figurentheater bis zum Kleinveranstalter, Beleuchter und Tontechniker. Grube will nur, dass die Leute wegfahren. Machen sie was, bitte.
Liebe Grüße und Frohe
WeihanchtenWeihnachten,
Ihr Michael
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Super, Sale
Am 26. Nov 2011, 14:04 Uhr von Setzer
Kreuzle ist gemacht. Abgegeben in der Eberhardtstraße. Jetzt fehlt nur noch ein Bilderrahmen für Le Postwurfsendung vom OB. Vielleicht hat’s ja was Schickes am Sonntag beim Flaming Star X-Super-Sale im Zwölfzehn. Kuchen, Kaffee, Kleider, in denen ich wahrscheinlich fragwürdig aussehe und Kinderbespaßung gibt’s auf jeden Fall. Bilderrahmen wäre halt super.
Wenn nicht, gehe ich zu Motörhead in die Schleyerhalle und brülle rum wie der größte Grasdaggl. Hört da eh keine Sau. Weil Motörhead immer zweimal lauter sind als alle anderen. Wein hat Lemmy jetzt auch im Angebot. Prost. Mahlzeit.
FLAMING STAR, X-Mas-Super Sale, 14-19 Uhr, im Zwölfzehn, Paulinenstr. 45
MOTÖRHEAD, Schleyerhalle, 20 UhrKeine Kommentare -
Best of 2011: Schuster, der Analogspammer
Am 25. Nov 2011, 13:10 Uhr von Setzer
(Foto: freundlicherweise von jemandem zur Vefügung gestellt, der nur darauf bestand, nicht namentlich erwähnt zu werden.)
“Schuster, bleib’ bei deinen Leisten”. Den Spruch kennt jedes Kind, nur unser Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster hat’s vergessen. Mit seinem offenen Brief zur Volksabstimmung geht er annähernd jedem auf den Sack, der bei “drei” nicht den Briefkasten zugeklebt hat. Mit dem Charme des dümmsten Staubsaugervertreters unter Gottes Sonne schert Schuster alles über einen Kamm. Das wiederum kann man nur mit seiner Frisur bringen. Hat auch gleich ein Bild von sich im Briefkopf anbringen lassen. So sex-sells-mäßig.
Kurz einen Oli Kahn raushauen: “Da ist das Ding”, Teil 1 und Teil 2
Morgen haue ich dem Briefträger erstmal die Mütze vom Kopf und sage “Welchen Teil von ‘Keine Werbung einwerfen’ haben Sie denn eigentlich nicht verstanden?”. Und bevor er “Was?!” sagen kann, leg’ ich nach wie Muhammad Ali. “Das gilt auch für diese dämliche JA Broschüre vergangene Woche.”
Bemerkenswerter ist
sein Briefseine Wurfsendung zur Volksabstimmung dennoch: eine ganze Stadt wird für doof verkauft. Befürworter, Gegner, Unentschlossene und auch die, denen Stuttgart 21 gleisbreit am Arsch vorbeigeht. Dank Analogspammer Dr. Wolfgang Schuster ist Stuttgart wieder eins. Alles Idioten, deshalb gibt’s Bullshit für alle: Horrorszenarien undLügenHalbwahrheiten für die, die “JA” ankreuzen wollen. Billigromantik, fromme Wünsche,LügenHalbwahrheiten für die, die bitteschön “NEIN” ankreuzen sollen.Hab gleich mal einen Freund angerufen: “Nee, ist deine Entscheidung am Sonntag. Wenn Du JA ankreuzt bekommste Genitalherpes und Mundgeruch, bei NEIN zieht eventuell Scarlett Johansson bei Dir ein. Deine Sache, echt. Ich, also ich, red’ Dir da nicht rein.”
Man kann Dr. Wolfgang Schuster nicht mal billigste Meinungsmache vorwerfen, selbst das bekommt jeder mit zwei Promille besser hin auf Facebook. Aber dieser Brief beleidigt nicht nur die Intelligenz von jedem Bürger, der sich in den vergangenen Jahren auch nur vier Minuten lang auf irgendeine Art und Weise mit Stuttgart 21 beschäftigt hat, sondern besonders die, die auf die Straße gegangen sind, sich in der Eiseskälte die Füße in den Bauch gestanden haben, ob Pro oder Contra.
Natürlich will der Häuptling damit die Unentschlossenen ernten. Die Annahme allerdings, deren Unentschlossenheit läge daran, dass sie derart doof wären, dass erst Schusters Milchmädchen-Mathekurs sie auf Kurs bringt, ist schlichtweg arrogant. Wer mit irgendeinem seiner Argumente bei einer Diskussion aufschlägt, fliegt selbst beim Pro 21-Stammtisch hochkant raus. Schneller als man “Strassbuhrr” sagen kann.
Demnächst bei der Kessel-Weihnachtsfeier schreiben wir auch einen Brief an die mündigen Bürger der Stadt und tun so, als ob sie allesamt ungelenkiger als Oettinger und dümmer als der Feldweg vorm Haus der Katzenberger wären. Dann legen wir noch ein paar Halbwahrheiten, etwas Polemik, Marketing und keine Argumente bei. Inhalt? Kein Plan, irgendwas mit Party, Turnschuhen, Pferden oder Frisuren. Schaffen wir schon. Haben wir drauf.
Hab’ eben schon mal bei der Post angerufen, Preischeck – unsere Portokasse ist schließlich auch nicht das Rosarote vom Ei. Wir haben ja Kriese und so. Mein Gemeinschatskundelehrer Herr Schneiders meinte früher übrigens mal, “Krise” dürfte man nur mit “ie” schreiben, wenn’s eine sehr große wäre. Here we go nochmal: Kriese.
Egal, Schuster hat 130 000 Euro für 370 000 Briefe gezahlt, stand in der Zeitung. Nach Bahnberechnungen sind das 12 Cent pro Brief, unabhängige Quellen sprechen von 14 Cent und die verschissenen Miesepeterpillemannsausackwutbürger behaupten doch glatt: 35 Cent pro Brief. Schöner Mist, können wir uns alles nicht leisten und bis Thorsten die Briefe aufm Fixie ausgetragen hat, wird wahrscheinlich schon der Flughafen getunnelt.
Mein Stofftiger Tieschäh meinte: “Alter, der Brief liest sich wie der von einem, der sagen will ‘Ich habe so viel Mist gebaut, mich kann nur noch retten, dass dieser Bahnhof gebaut wird. Sonst geh ich als Lachnummer in die Geschichte ein und bin weg vom Fenster wie der Mappus.’” Tieschäh hatte schon immer einen Hang zum Drama.
Doch unsterblich hat sich Dr. Wolfgang Schuster längst gemacht. Denn über
diese Stuttgart 21 Werbebroschürediesen Brief wird noch gesprochen werden – egal, welches Ergebnis die Volksabstimmung auch bringen mag. Achso, morgen rufe ich noch bei “Kretschmer” an und frage: “Warum schreibst Du mir eigentlich nicht?”. Ich Duze ihn einfach.42 Kommentare »


















