
Wenn auf dem Wasen die Pegel steigen und sich die Dynamik verdichtet, verschieben sich oft auch Grenzen. Alkohol, Enge, Gruppendruck und enthemmte Situationen erzeugen eine Gemengelage, in der gerade Frauen deutlich häufiger mit Übergriffen, Belästigung oder Unsicherheiten konfrontiert sind. In dieser Diskurslage ist die „Wasenboje“ keine Randnotiz, sondern ein zentraler Baustein im Sicherheitskonzept des Stuttgarter Frühlingsfests.
Schutzraum im Ausnahmezustand
Zum Start des Frühlingsfests am 18. April richtet die Stadt Stuttgart erneut diesen „Safer Space“ ein. Die „Wasenboje“ bietet Mädchen, Frauen und allen, die sich entsprechend identifizieren, eine geschützte Anlaufstelle mitten im Festgeschehen. Der Container steht in unmittelbarer Nähe zum Deutschen Roten Kreuz und zur Wasenwache und ist täglich ab 15 Uhr geöffnet.
Betreut wird der Raum von speziell geschulten, ausschließlich weiblichen Fachkräften. Sie greifen ein, wenn Situationen kippen. Dazu zählen sexuelle Belästigung, Grenzüberschreitungen, psychische Krisen oder Orientierungslosigkeit durch Alkoholkonsum. Die Schwelle ist bewusst niedrig gehalten. Unterstützung gibt es ohne bürokratische Hürden und ohne lange Wege.
Konkrete Hilfe statt abstrakter Konzepte
Die „Wasenboje“ funktioniert als direkte Intervention im dichten Gefüge des Wasens. Frauen können sich hier zurückziehen, stabilisieren, beraten lassen oder schlicht Abstand gewinnen. Gleichzeitig werden ganz praktische Probleme gelöst, etwa wenn das Handy nicht mehr funktioniert oder der Heimweg unklar ist.
Neu in diesem Jahr ist die mobile Komponente. Mitarbeiterinnen sind zu bestimmten Zeiten auch auf dem Gelände unterwegs. Diese aufsuchende Präsenz wirkt präventiv, da kritische Situationen früher erkannt und entschärft werden können, bevor sie eskalieren.
Etablierter Bestandteil der Sicherheitsarchitektur
Seit der Einführung beim Cannstatter Volksfest 2023 hat sich die „Wasenboje“ fest im Sicherheitskonzept verankert. Mehr als 1.000 Frauen haben das Angebot bereits genutzt. Diese Zahl zeigt, dass der Bedarf real ist und die Struktur greift.
Getragen wird das Projekt von der Stabsstelle Kommunale Kriminalprävention sowie der Abteilung für Chancengleichheit der Stadt Stuttgart. Damit wird Schutz nicht nur als abstrakte Zielgröße formuliert, sondern konkret im Stadtraum umgesetzt.
Erreichbarkeit während des Frühlingsfests
Die „Wasenboje“ ist während der gesamten Festzeit täglich ab 15 Uhr geöffnet. Zusätzlich sind die Mitarbeiterinnen telefonisch unter 01522-4863125 erreichbar.
Weitere Informationen gibt es unter wasenboje.stuttgart.de
