
Wer die Volkshochschule Stuttgart am Rotebühlplatz betritt, verlässt für einen Moment die vertraute Geometrie der Innenstadt. Treppen steigen über mehrere Ebenen, Gänge verzweigen sich, Brücken überspannen offene Räume, irgendwo taucht eine weitere Galerie auf und nach einigen Richtungswechseln beginnt die eigene Orientierung langsam zu zerinnen. Die VHS besitzt eine Architektur, die sich erst beim Durchqueren erschließt – oder auch nicht.
Das Treffpunkt Rotebühlplatz gehört seit Jahrzehnten zum Inventar der Stuttgarter City. Hinter seiner markanten Fassade liegt ein weit verzweigtes Gefüge aus Kursräumen, Sälen, Treppenhäusern, Galerien und Verbindungsgängen. Wer hier zum ersten Mal Raum 3.17 sucht, bekommt nebenbei eine kleine Lektion in räumlicher Wahrnehmung.
Das Innere folgt keiner unmittelbar lesbaren Dramaturgie. Ebenen schieben sich übereinander, Treppen wechseln die Perspektive, Sichtachsen brechen ab und öffnen sich einige Meter später wieder. Beton, Glas, Geländer und offene Flächen bilden eine eigentümliche Architekturkulisse, irgendwo zwischen Bildungszentrum, begehbarem Puzzle und städtischem Labyrinth. Manchmal scheint der gesuchte Kursraum nur eine weitere Treppe entfernt, manchmal hat das Gebäude andere Pläne.
In diesem architektonischen Geflecht zirkuliert seit Jahrzehnten ein ziemlich großer Teil Stuttgarts. Menschen lernen Sprachen, diskutieren Gesellschaft, beschäftigen sich mit Kunst, Gesundheit, Beruf oder digitalen Themen und verschwinden anschließend wieder in einem der zahlreichen Gänge.
Generationen von Stuttgarterinnen und Stuttgartern haben hier Kurse besucht, Vorträge gehört, Prüfungen geschrieben und vermutlich mindestens einmal den falschen Gebäudeteil und Raum erwischt.
Gerade darin liegt eine besondere Qualität des Hauses. Draußen ziehen Rotebühlplatz, Stadtbahn und Cityverkehr vorbei, innen entfaltet sich eine eigene Topografie aus Wegen, Zwischenräumen und Ebenen. Die VHS ist Bildungsort und zugleich ein architektonisches Kuriositätenkabinett mitten in Stuttgart, vertraut und rätselhaft zugleich.
Man kommt mit einem Kursplan hinein und geht mit einer kleinen Vermessung des Hauses wieder hinaus. Und wer auf Anhieb den richtigen Raum findet, kennt entweder die VHS sehr gut oder besitzt einen bemerkenswerten Orientierungssinn.





Fazit: Wenn man da drin irgendwo falsch abbiegt, wird man als Fritty Bar oder Wasen-Maiskolben wiedergeboren, also let’s try. Vesper nicht vergessen. Alle Infos und Kurse hier.
