
In Bad Cannstatt wurde im Frühjahr 2025 ein Abschnitt der König-Karl-Straße neu organisiert. Zwischen Mercedesstraße und Wilhelmsplatz ist seitdem eine Fahrspur als Umweltspur ausgewiesen. Sie steht ausschließlich Bussen, Taxis und Radfahrern zur Verfügung. Ziel des Verkehrsversuchs war es, den öffentlichen Verkehr zu stabilisieren, den Radverkehr sicherer zu führen und Konflikte auf engem Raum zu reduzieren.
Klarere Aufteilung, weniger Konflikte
Vor der Umstellung war insbesondere der Bereich rund um den Tunnel unter den Bahngleisen ein neuralgischer Punkt. Radfahrer und E-Scooter bewegten sich auf schmalen Flächen gemeinsam mit Fußgängern, während Busse im Stau standen. Die neue Spur schafft hier eine eindeutige Trennung der Verkehrsarten. Der Radverkehr erhält eine eigene Linie im Straßenraum, der öffentliche Nahverkehr wird weniger ausgebremst.
Diese Neuordnung wirkt wie eine präzise Justierung im Verkehrsgefüge. Der Raum wird nicht erweitert, sondern anders verteilt.
Deutlicher Rückgang bei Unfällen
Ein zentrales Ergebnis des Verkehrsversuchs zeigt sich bei der Verkehrssicherheit. Der zuvor bekannte Unfallschwerpunkt im betroffenen Abschnitt wurde entschärft. Seit Einführung der Umweltspur sind keine Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern oder Fußgängern registriert worden. In den Jahren davor kam es dort regelmäßig zu Kollisionen, insbesondere beim Abbiegen und in den Engstellen.
Die Maßnahme greift damit direkt in ein konkretes Problem ein und reduziert Risiken im Alltag spürbar.
Stabiler Verkehrsfluss trotz weniger Autospuren
Die Umwidmung einer Fahrspur hat keine grundlegenden Verwerfungen im motorisierten Verkehr ausgelöst. Die Verkehrsmenge bleibt auf vergleichbarem Niveau, auch in den Hauptverkehrszeiten kann der Verkehr abgewickelt werden. Einzelne Rückstaus entstehen weiterhin an Knotenpunkten, insbesondere im Zusammenspiel mit abbiegendem Verkehr.
Für den öffentlichen Nahverkehr ergibt sich eine spürbare Entlastung. Busse kommen zuverlässiger durch den Abschnitt, was sich positiv auf die Taktstabilität auswirkt.
Akzeptanz im Alltag
Die anfängliche Skepsis gegenüber der Umweltspur hat im Verlauf des Verkehrsversuchs abgenommen. Rückmeldungen aus der Bevölkerung zeigen, dass sich die Maßnahme im Alltag etabliert hat. Die Nutzung der Spur ist klar verständlich, die neue Verkehrsführung wird überwiegend eingehalten.
Damit entwickelt sich die Umweltspur von einem Pilotprojekt zu einem Baustein im städtischen Mobilitätskonzept.
Ausblick: Weiterdenken im Netz
Diskutiert wird bereits eine Ausweitung der Umweltspur in Gegenrichtung. Hintergrund ist die Hauptradroute 1, die in diesem Bereich bislang keine durchgängige und komfortable Führung aufweist. Eine Erweiterung könnte diese Lücke schließen und die Verbindung durch Cannstatt stärken.
Fazit
Die Umweltspur in Bad Cannstatt zeigt, wie sich bestehender Straßenraum gezielt neu organisieren lässt. Ohne zusätzliche Flächen zu schaffen, verbessert sie Sicherheit und Zuverlässigkeit im Verkehr. Der motorisierte Verkehr bleibt funktionsfähig, während Busse und Radfahrer profitieren.
Ein sachlicher Eingriff mit klarer Wirkung, der zeigt, wie Stuttgart seine Mobilität Schritt für Schritt weiterentwickelt.
