ToY Stuttgart stellt legendäre Afterhour nach 17 Jahren ein

(Pita in Paris) 

Das war eine jener Meldungen, die sich am Freitagmittag wie ein dumpfer Basslauf durch die Stuttgarter Clubszene geschoben haben. Das ToY beziehungsweise das City Department hat auf Facebook das Ende seiner legendären Afterhour angekündigt. Kommenden Donnerstag, am 9. Mai, drehen sich dort zum letzten Mal bis in den Mittag hinein die Platten für die letzten Tänzer der Nacht.

Nach über 17 Jahren verschwindet damit ein Stück Stuttgarter Nachtkultur aus dem Stadtbild. Eine Institution, die irgendwo zwischen Eskalation, Sonnenaufgang und Espresso ihr eigenes Habitat geschaffen hatte. Während draußen schon wieder der Berufsverkehr über den Charlottenplatz strömte, liefen im ToY noch die letzten Tracks durch den Nebel der Nacht. Stuttgart hatte viele Rituale. Die Afterhour im ToY gehörte dazu.

In der Stellungnahme spricht das Team offen über den zunehmenden Druck durch Behörden und Polizei. Man stehe im Fokus ständiger Kontrollen und Beanstandungen, heißt es dort. Besonders betroffen sei die bundesweit bekannte Afterhour gewesen, die an Wochenenden und vor Feiertagen regelmäßig bis in die Mittagsstunden lief.

Die Nachricht markiert einen weiteren Einschnitt für die Stuttgarter Clubszene, die seit Jahren zwischen Auflagen, Verdichtung und nächtlicher Regulierung navigieren muss. Clubs wie das ToY waren nie bloß Orte zum Feiern. Sie funktionierten als Resonanzraum für eine Generation, die elektronische Musik nicht als Event verstanden hat, sondern als sozialen Energiestrom.

Dass ausgerechnet eine der langlebigsten Afterhours der Republik nun endet, wirkt wie ein weiteres Kapitel jener Stuttgarter Gegenwart, in der Subkultur immer häufiger mit Verwaltungsvokabular kollidiert. Das ToY war dabei nie geschniegelt oder austherapiert. Der Laden hatte Kanten, Geschichte und eine eigene Dramaturgie aus verschwitzten Morgenstunden, flackernden Lichtkegeln und diesem schwer erklärbaren Gefühl, dass die Nacht noch nicht vorbei sein darf.

Am Donnerstag läuft die letzte Afterhour. Ein letzter Vormittag zwischen Kickdrum, Melancholie-Melange und kollektivem Durchhalten. Stuttgart wird danach wieder ein kleines Stück anders aussehen.

5 replies on “ToY Stuttgart stellt legendäre Afterhour nach 17 Jahren ein”
  1. says: Naddi

    Das ist doch so dämlich…

    nur weil man nen Ameisenhügel zerstört,
    sterben doch die Ameisen nicht.
    Die bauen sich nen neuen Hügel,
    nisten sich irgendwo anders ein
    und wenn du Pech hast, sind sie schon
    in deiner Küche!

    Das ist keine Lösung,
    das ist Verdrängung des Problems!

    Zeit mal wieder aktiv zu werden…

  2. says: ernie

    auch wenn ich es natürlich traurig finde wenn Clubs geschlossen werden – beim Toy wundert mich da gar nichts. Die Afterhour dort war so ziemlich die heftigste mir bekannte Veranstaltung in Stuttgart. Mit ~75% Wahrscheinlichkeit wurde man von irgendeinem aggressiven Idioten dumm angemacht, mit 50% Wahrscheinlichkeit wurden einem die Drinks geklaut. Und als Frau alleine in den Laden zu gehen war schon immer Irrsinn, was da mit KO-Tropfen u.Ä. abging ist echt nicht mehr schön, das ist einfach nur widerlich und kriminell. Dennoch bin ich da immer wieder mal reingestolpert, was will man auch machen wenn das Climax schließt…

  3. says: Naddi

    Ja ernie, aber für solche Leute brauchste halt auch ne Party, sonst gehen die in die anderen Clubs…

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