
Es ist das Thema der Woche in Stuttgart. Für manche ein FAUSTSCHLAG ins Gesicht, für andere lediglich die Bestätigung dessen, was sie seit Jahren vermuten. Stuttgart 21 soll nach aktuellen Recherchen und Medienberichten wohl erst Ende 2031 vollständig in Betrieb gehen. Sechzehn Jahre nach Baubeginn. Mehr als zwei Jahrzehnte nach den ersten großen Versprechen.
Was einst als Vorzeigeprojekt für Deutschland angekündigt wurde, entwickelt sich immer stärker zu einem der spektakulärsten Infrastruktur-Fiaskos der Republik.
Passend dazu widmet sich der SWR mit einer neuen Dokumentation einem Projekt, das seit Jahren zwischen Zukunftsversprechen, Baustellenrealität und immer neuen Terminverschiebungen pendelt. Die SWR Story „Stuttgart 21 – verplant, verbaut, verschoben“ ist ab sofort in der ARD Mediathek abrufbar.
Im Mittelpunkt stehen neue Recherchen des SWR, die eine weitere Erklärung für die jüngsten Verzögerungen liefern könnten. Demnach sollen im Zuge der Arbeiten am neuen Bahnknoten Kabel und Kabelschächte in großem Umfang fehlerhaft verlegt worden sein.
Insider sprechen von mehr als 1.000 Kilometern Kabel, die teilweise wieder ausgetauscht werden müssten, damit das hochkomplexe digitale Bahnsystem überhaupt funktionieren kann.
Die Folge: Eine Eröffnung des Tiefbahnhofs noch in diesem Jahrzehnt wird immer unwahrscheinlicher. Nach den Recherchen des SWR gilt inzwischen Dezember 2031 als frühester realistischer Termin.

Die Dokumentation zeichnet dabei nicht nur die technischen Probleme nach, sondern blickt auf die grundsätzliche Frage, wie ein Projekt dieser Größenordnung immer wieder neue Verzögerungen produzieren konnte.
Im Fokus stehen die Digitalisierung des Bahnknotens, die Einführung des europäischen Zugleitsystems ETCS, Planungsfehler, Kostensteigerungen und die komplizierte Wechselwirkung zwischen Infrastruktur, Technik und politischem Erwartungsmanagement.
Besonders eindrücklich wirkt die Perspektive jener Menschen, die die Folgen täglich erleben. Ein Lokführer schildert den Alltag auf einer Strecke, die sich dem Stuttgarter Bahnknoten nähert. Signalstörungen, Wartezeiten vor freien Gleisen und die Grenzen einer Infrastruktur, die seit Jahren zwischen Bestand und Zukunft festhängt, gehören für viele Fahrgäste längst zur Routine.
Die Dimensionen des Projekts sind dabei gewaltig. Offiziell werden die Kosten von Stuttgart 21 derzeit mit rund 11,5 Milliarden Euro angegeben. Rechnet man die zahlreichen Folgeprojekte hinzu, kommt die SWR-Recherche auf ein Gesamtvolumen von rund 25 Milliarden Euro.

Für Stuttgart besitzt die Geschichte inzwischen eine zusätzliche Ebene. Jede weitere Verzögerung verschiebt nicht nur die Eröffnung des Bahnhofs. Auch die Entwicklung des Rosensteinquartiers, eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands, rückt damit weiter in die Zukunft. Wo einst Wohnungen, Parks und neue Stadtquartiere entstehen sollten, bestimmen weiterhin Gleisanlagen, Bauzäune und Provisorien das Bild.
Wer verstehen möchte, warum Stuttgart 21 auch sechzehn Jahre nach Baubeginn noch immer die Schlagzeilen dominiert, dürfte in dieser SWR-Dokumentation reichlich Stoff finden. Die Geschichte eines Projekts, das einst als „Neues Herz Europas“ oder “bestgeplantes Projekt” angekündigt wurde, entwickelt sich zunehmend zu einer maximalen Blaupause über die Grenzen von Planung, Großprojekten und politischen Versprechen.
SWR Story: Stuttgart 21 – verplant, verbaut, verschoben – ab sofort in der ARD Mediathek (oder unten)
