
Es ist wieder GEILDORF, liebe VINO-Fans aller Generationen. Das Stuttgarter Weindorf ist eröffnet und innerhalb weniger Minuten fusioniert die komplette Stadt zu einem einzigen großen Weinglas. Gen Z, Millennials und Boomer sitzen plötzlich auf denselben Bänken, stehen an denselben Theken und bestellen dieselben Viertele, während die Kohle LOCKER sitzt wie die eine oder andere Rolex am Handgelenk.
Donnerstag, 20. August, erster Abend beim Stuttgarter Weindorf 2026, und schon gegen halb acht ist klar, dass sich die Innenstadt für die nächsten Wochen wieder komplett verschiebt Richtung Sternzeichen ZU VINO SAG ICH NIE NO.

In der Kirchstraße stehen die Lauben dicht an dicht, vor den Ausschänken bilden sich kleine Menschentrauben, auf den Bänken bleibt kaum ein Platz frei und zwischen Marktplatz und Schillerplatz bewegt sich Stuttgart in jenem gemächlichen Strom, der entsteht, wenn niemand wirklich irgendwo hinmuss, außer natürlich zur Reservierung.
Die Leute sind NATÜRLICH wieder NEIGFAHRA aus allen Himmelsrichtungen der Metropolregion, aus Esslingen, Ludwigsburg, Böblingen, dem Remstal und vermutlich noch weiter draußen. Hoffentlich haben sie einen Parkplatz im DoQu-Parkhaus gefunden, wir beten für alle. Reminder: Es gibt eine Stadtbahn in Stuttgart.

Von der vielbeschworenen Krieeeese in DEUTSCHLAND und natürlich in STUTTGART ist jedenfalls absolut nichts zu sehen. Die Lauben sind brechend voll, die Tische belegt, vor den Eingängen wird gewartet, auf den Rathausstufen sitzen die ersten mit Glas in der Hand und am Schillerplatz wird es so eng, dass sich die Wege zwischen den Lauben irgendwann fast von selbst sortieren.
Natürlich dauert es trotzdem keine halbe Stunde, bis der erste Gastronom das komplette Elend der Veranstaltung skizziert. Die Standmieten seien viel hoch, sogar auf dem Wasen sei es günstiger, wirtschaftlich mache man das Weindorf ohnehin kaum, nur fürs Prestige!
Dann zimmert er noch diesen Premiumsatz zwischen platzender Laube, Vino-Standleitung und schwer schuftenden Mitarbeiter.innen auf das Kopfsteinpflaster des Schillerplatzes:
„Aufm Weindorf gewinnsch kein Krieg!“
Im Sinne von: Das rechnet sich eh nicht.
Gut.
Das ist vielleicht die reinste Form schwäbischer Gastronomieökonomie. Geschäft bis Anschlag und gleichzeitig das Gefühl, kurz vor dem Ruin zu stehen.

Weiter durch die Kirchstraße. Bei Inge’s Laube stehen Schupfnudeln, Käsespätzle, Bratwurst und Rote auf den Tafeln, zwischen den Holzbauten hängen Lampen, Weinflaschen wandern über die Theken, Servicekräfte schlängeln sich zwischen Tischen durch und die Fassaden der Innenstadt bilden wieder dieses eigentümliche Bühnenbild, das es nur hier gibt.
Am Marktplatz liegt das Rathaus über den Lauben, auf dem Schillerplatz stehen Altes Schloss, Fruchtkasten und Stiftskirche rund um ein ziemlich dichtes Geflecht aus Holz, Stoffdächern, Bänken, Blumen, Gläsern und Menschen.

Auf dem Schillerplatz wird die Szenerie noch dichter. Vor Schmücker’s OX stehen Gruppen mit Gläsern, beim Lieblingsplatz wird fotografiert, zwischen Weinlauben, Süßwarenständen und Schokofrüchten fließt die Menge weiter Richtung Altes Schloss.
Und natürlich sind auch die ersten Trachten wieder da, Lederhose, Dirndl, Dirndlrock, schön eintragen am 20. August. Der süddeutsche Trachtenkalender kennt inzwischen offenbar keine Schonzeit mehr. Danke Cannstatter Wasen und Bayern für alles.
Businesshemd, Trikot, Kleid, Lederhose, alles sitzt also nebeneinander, sofern überhaupt noch eine Bank frei ist und alle vergessen mal ein paar Stunden lang, dass STUTTGART VIELLEICHT DAS NÄCHSTE DETROIT WIRD oder was man alles mit der Abfindung anstellen könnte.
Gottes REBENSAFT verrichtet zuverlässig seine Arbeit in den Helm hinein, es ist eng, oft sehr teuer (ein Paar berichtet von 70 Euro für zwei Gläser Wein, eine Flasche Wasser, 1x Maultaschen und 1x Bubenspitzle), stellenweise eine absurde Aufführung und ja, vielleicht auch ziemlich schön.
Aber: Aufm Weindorf gewinnsch kein Krieg.

FACTS: Stuttgarter Weindorf 2026
Termin: 20. August bis 5. September 2026
Jubiläum: 50 Jahre Stuttgarter Weindorf
Ort: Marktplatz, Schillerplatz und Kirchstraße, Stuttgart-Mitte
Öffnungszeiten: Sonntag bis Mittwoch 12 bis 23 Uhr, Donnerstag bis Samstag 12 bis 24 Uhr
Veranstalter: Pro Stuttgart e.V.
Eintritt: frei, einzelne Konzerte und Sonderformate kostenpflichtig
Angebot: Württemberger Weine, Stuttgarter Weingüter, schwäbische Küche, regionale Spezialitäten, Süßwaren und unterschiedliche Gastro-Konzepte
Programm: Konzerte, Weindorf-Treffs, Traubenpressen, Weinproben, Chöre, Familiensonntage und Sonderaktionen
Besonderheit 2026: Regional-Zertifizierung für Speisen sowie zahlreiche Programmpunkte zum 50. Jubiläum
Anreise: zentral in der Innenstadt, gut erreichbar über Schlossplatz, Rathaus, Charlottenplatz und Stadtmitte
