
Die Stadt Stuttgart wird im Schwabtunnel keine Umweltspur einführen. Nach umfassender Prüfung sieht die Verwaltung von dem geplanten Verkehrsversuch ab. Ausschlaggebend sind die prognostizierten Auswirkungen auf das umliegende Straßennetz und die angrenzenden Wohnquartiere.
Deutliche Verkehrsverlagerung erwartet
Der Vorschlag sah vor, den Schwabtunnel in Fahrtrichtung Stuttgart-West ausschließlich für Linienbusse und den Radverkehr freizugeben. Der allgemeine Kfz-Verkehr hätte die Röhre in dieser Richtung nicht mehr nutzen dürfen.
Nach Auswertung der Modellierungen wäre es dadurch zu einer Verlagerung von rund 5.600 Fahrzeugen pro Tag gekommen. Diese zusätzlichen Verkehre hätten sich auf verschiedene Ausweichrouten verteilt und dort zu erheblichen Mehrbelastungen geführt. Mehrere Knotenpunkte wären an ihre Leistungsgrenzen geraten. Auch in Wohnstraßen wäre mit deutlich mehr Verkehr zu rechnen gewesen.
Neben der quantitativen Mehrbelastung wurden auch qualitative Effekte betrachtet. Dazu zählen steigende Lärm- und Abgaswerte sowie Einschränkungen für den Linienbusverkehr. Die Verwaltung kommt zu dem Ergebnis, dass die Maßnahme nicht in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Zweck steht.
Rechtliche Voraussetzungen nicht erfüllt
Ein Verkehrsversuch unterliegt denselben rechtlichen Anforderungen wie eine dauerhafte Maßnahme. Er muss geeignet, erforderlich und verhältnismäßig sein. Nach Prüfung dieser Kriterien wurde entschieden, dass die Voraussetzungen für eine Umweltspur im Schwabtunnel nicht gegeben sind.
Bestehende Maßnahmen bleiben
Unabhängig von der Entscheidung zur Umweltspur wurden bereits Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit umgesetzt. Seit Herbst gilt im Schwabtunnel Tempo 30. Zusätzlich wurden Fahrradpiktogramme aufgebracht und reflektierende Markierungsnägel in der Mittellinie installiert. Beim Überfahren erzeugen diese ein akustisches Signal.
Erste Erhebungen zeigen messbare Effekte. Eine abschließende Evaluation ist bis Mitte 2026 vorgesehen. Ergänzend werden weitere Verbesserungen für den Radverkehr auf den Zufahrten, unter anderem ab dem Erwin-Schoettle-Platz sowie entlang der Rotebühlstraße, geprüft.
Ein viel genutzter Verkehrsraum
Der Schwabtunnel wird täglich von rund 12.000 Kraftfahrzeugen und mehr als 1.100 Radfahrenden genutzt. Die Entscheidung gegen eine Umweltspur ist damit auch eine Abwägung zwischen Verkehrswende und Quartiersschutz. Die Stadt setzt vorerst auf punktuelle Sicherheitsmaßnahmen statt auf eine grundlegende Umwidmung der Fahrspur.
