Der gute Jaytext hat die Tage dieses Buch im GV-Gebrauchswarenvermittlungstelle Stuttgart e.K. aka der Antiquitäten-Laden in der Silberburgstraße entdeckt und gemeint, da war die Stuttgarter Detektiv-Legende Rainer Eitel drin. Erst vor ein paar Wochen haben wir der charmanten Detektei in der Paulinenstraße eine kleine Hommage gewidmet.
Ja und haste es gekauft, schreib ich zurück? Nee, war im zwei Euro zu teuer. Ja wieviel hat es denn gekostet? Zwei Euro. Oh Mann! Argument: Wären der Gädt und Willi Weber ebenso drin, allein für die zwei Typen wären auch noch zwei Euro zuviel. Kein schlechtes Argument.
Dafür hat mir eine Schatzkarte zum Glück gemailt: “Wenn man reinkommt gehts rechts in einen Raum in dem die Bücher und LPs sind. Hab das Buch gleich rechts von der Tür in Hüfthöhe geparkt.”
Gestern hingeradelt. Reingegangen. Schon 1000 Mal daran vorbeigelaufen. Oder vorbeigerannt. Die Silberburg war früher mein Weg zu Skatebox und später mal ne beliebte Joggerroute. Hart krasser und vor allem sehr großer Laden. 1100 QM steht auf der Seite. Denkt man gar nicht, wenn man davor steht, aber das glaub ich jetzt sofort.
Ein wahnsinniges Labyrinth aus verschlungenen Räumlichkeiten, von außen vermutet man das gar nicht, hab mich verlaufen und dann kein Netz mehr, ich konnte kein Instagram-Bild von meiner bedrohlichen Situation posten und es wurde immer dunkler draußen, aber dann kam Woodkid auf einem Einrad vorbeigeritten und hat mich mit einem Seil aus neuen Koze-Liedern aus dem Laden gezogen und im Sutsche noch ne Pommes-Schranke ausgegeben. So ähnlich war´s glaub, auf jeden Fall ein Paradies für Kinder zum Verstecke spielen.
Verstecke spielen muss der Rainer auch manchmal, 20 Stunden hinter dem Busch hocken ohne zu pinkeln, erfährt man in dem Kurztext über ihn aus dem Sammelband aus dem Jahr 1992, als die Welt noch in Ordnung war und die Winter nur zwei Wochen gingen und Stuttgart sowieso noch 7000 war. Jaytext hat nicht gelogen, das Buch war wie auf der Karte eingezeichnet versteckt.
Und jetzt Vorhang auf für den guten Rainer und alles über den Beruf des Detektivs, der natürlich nie so ist wie wir uns das immer vorstellen oder uns einst das Yps-Heft erzählen wollte. Danke Jaytext.


(Größer wird´s schöner)
Stuttgart West: Antiquitäten in der Silberburgstraße
Die Silberburgstraße zieht sich durch den Westen wie ein Band aus Altbau, Cafés und kleinen Läden, die sich dem schnellen Durchlauf entziehen. Dazwischen sitzt dieser Antiquitätenladen, der sich nicht erklären muss. Ein Raum voller Dinge, die schon mehrere Leben gesehen haben und jetzt hier zusammenkommen.
Beim Eintreten verschiebt sich die Wahrnehmung. Holz, Glas, Metall, alles in Schichten. Möbel mit Gebrauchsspuren, die nicht kaschiert werden. Vitrinen, Lampen, Bilderrahmen, einzelne Fundstücke, die sich nicht sofort einordnen lassen. Kein durchkuratierter Showroom, eher ein organisches Gefüge, das sich über Jahre aufgebaut hat.
Antiquitäten Stuttgart bekommt hier eine eigene Lesart. Nicht geschniegelt, nicht museal, sondern nahbar. Man bewegt sich zwischen den Objekten, entdeckt Details, verliert kurz die Zeit. Die Dinge tragen ihre Geschichte offen, ohne große Erzählung. Genau darin liegt der Reiz.
Der Laden funktioniert auch als Gegenpol zur Gegenwart draußen. Während die Stadt weiterzieht, bleibt hier ein anderer Rhythmus bestehen. Ein kleines Habitat für Sammler, Neugierige und alle, die ihre Einrichtung nicht aus dem Katalog ziehen wollen. Stuttgart West zeigt sich an solchen Orten von seiner präzisen Seite.
Wer in Stuttgart Antiquitäten sucht, findet hier keine schnelle Lösung, sondern Auswahl mit Charakter. Man muss schauen, vergleichen, vielleicht auch wiederkommen. Die Stücke stehen nicht für sofortige Entscheidungen, sondern für einen Prozess.
Die Silberburgstraße liefert damit einen weiteren dieser leisen Klassiker. Kein großes Schild, kein Auftritt, der sich in den Vordergrund drängt. Einfach ein Laden, der da ist und genau deshalb wirkt. Ein Kuriositätenkabinett im besten Sinne, eingebettet in den Westen, der solche Orte immer noch zulässt.


gern geschehen. freue mich, dass du den bücherschatz gehoben hast. zur zeit dreht sich ja hier bei ktv erfreulich viel um bücher 😉 schönes plakat übrigens!
danke für den tipp.. kannte ich noch gar nicht!
den laden, das buch, rainer eitel? 😉
den laden.
dann viel spass, da kann man sich drin verlieren.
Super Stöber-Laden, habe dort neulich eine Erstpressung von Prizessin Stephanies Debut-LP “Irrisistable” für sage und schreibe 1,20 Euro erstanden!
haha cooool! man hab ich die damals mit 8 oder so angehimmelt: prinzessin und sängerin in einem! mein damaliger berufswunsch…
Da kommt meine halbe Einrichtung her – also die schöne. 🙂