Stuttgart-West: Ex-Move Factory verschwindet für Neubau Augustenhöfe

Yellow excavator on a rubble-filled demolition site beside a row of apartment buildings.

Seit Wochen hallt ein metallisches Hämmern durch den Block zwischen Augustenstraße, Reuchlinstraße, Hasenbergstraße und Reinsburgstraße. Wer hier wohnt, kennt das Geräusch inzwischen auswendig. Es klingt, als würde irgendwo permanent eine Altglastonne entleert werden. Von morgens bis abends frisst sich schweres Gerät durch Stahl, Beton und Mauerwerk. Die ehemalige Move Factory verschwindet Stück für Stück aus dem Stadtbild.

Lange stand der markante Gebäudekomplex im Herzen von Stuttgart-West leer. Nun ist der Abriss in vollem Gange. Wo einst trainiert, geschwitzt und Kurse besucht wurden, liegen heute Berge aus Ziegeln, verbogene Stahlträger und zerlegte Hallenkonstruktionen.

Die Baustelle wirkt wie ein aufgeschlagenes Skelett aus Stahl und Beton. Große Hallendächer sind bereits geöffnet, Tragwerke hängen teilweise noch in der Luft, während sich die Abrissbagger durch das Gelände arbeiten.

Construction site with a partially demolished building, exposed steel framework, rubble, and graffiti on a white wall under a clear blue sky.

Besonders eindrucksvoll wirkt dabei eine riesige Innenwand, auf der noch immer Graffiti und Botschaften aus vergangenen Jahren zu sehen sind. Sie gehören zu den letzten sichtbaren Spuren eines Ortes, der lange keine Funktion mehr hatte und dennoch Teil des Quartiers geblieben war.

An seiner Stelle sollen nun die „Augustenhöfe“ entstehen. Geplant ist ein hochwertiges Wohnensemble in direkter Nähe zur Karlshöhe. Gartenwohnungen, großzügige Etagenwohnungen und Penthouseflächen sollen hier künftig neue Bewohner anziehen. Die Vermarktung setzt auf hochwertige Ausstattung, Energieeffizienz und eine der begehrtesten Wohnlagen der Stadt.

Open-wall construction site with a blue scissor lift on the right, rubble in the foreground, and apartment buildings in the distance.

Damit stellt sich eine Frage, die in Stuttgart-West inzwischen fast reflexartig auftaucht, sobald ein größeres Grundstück frei wird: Für wen wird hier eigentlich gebaut?

Die Entwürfe versprechen großzügige Wohnflächen, viel Licht und private Freiräume. Dass Wohnungen in einem solchen Projekt nicht im unteren Preissegment landen werden, dürfte niemanden überraschen. Stuttgart-West gehört seit Jahren zu den Stadtteilen, in denen freie Flächen zur Ausnahme geworden sind und Neubauten entsprechend hohe Preise erzielen.

Die Augustenhöfe sind dabei kein Einzelfall. Direkt gegenüber, rund um Merlin und Italo Disco, sind in den vergangenen Jahren bereits mehrere Neubauareale aus dem Boden gewachsen, Stichwort “West Living”. Hinterhöfe wurden neu geordnet, Gewerbeflächen verschwanden, hochwertige Wohnungen zogen ein. Wer durch diesen Teil von Stuttgart-West läuft, kann die Metamorphose des Quartiers beinahe hausnummernweise verfolgen.

Balcony of a white apartment building with a dark banner reading 'Wohnungen zu verkaufen' against a clear blue sky.

Interessant dabei: Nicht alle neu entstandenen Wohnungen sind bislang belegt, deuten Call to Action-Banner und namenlose Platzhalter-Klingelschilder am Eingang an. Selbst in einer der begehrtesten Lagen der Stadt scheint der Markt nicht jede neue Premiumadresse sofort aufzusaugen – die Preise sind einfach zu krass. Das macht die Entwicklung der Augustenhöfe umso spannender.

Gleichzeitig zeigt der Abriss die Dynamik eines Viertels, das sich permanent verändert. Ehemalige Gewerbeflächen verschwinden, Hinterhöfe werden neu geordnet, Baulücken geschlossen. Zwischen Gründerzeitfassaden, Altbauwohnungen und kleinen Betrieben entstehen immer wieder neue Wohnprojekte. Die Augustenhöfe sind das nächste Kapitel dieser Entwicklung.

Back alley construction scene with a white trailer, a white van, a yellow waste bin, and scattered wooden planks under a bright blue sky.

Noch dominiert allerdings nicht die Architektur der Zukunft, sondern der Sound des Rückbaus. Solange die Abrisszangen in Stahlträger beißen und Lastwagen Schutt aus dem Innenhof fahren, bleibt die Baustelle selbst das prägende Geräusch des Quartiers.

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