
Es ist Hochsommer. Die Sonne knallt. Irgendwo schmilzt ein Eis. Und Stuttgart macht, was Stuttgart eben macht: Die Stammstrecke wird gesperrt. Wieder. Zum fünften Mal. Mehr Tradition als RB Leipzig. Sommerferienmodus heißt hier: Schienenersatzverkehr, Umwege, neue Routinen, altes Leid, bald vielleicht UNESCO Welterbe. Also alles, SEV & Stammstreckensperrung.
Was offiziell nach Bauarbeiten klingt, ist längst Ritual. Eine Tradition. Ein Running Gag mit Realitätsbezug. Die Stammstreckensperrung hat sich ins kollektive Gedächtnis der Stadt eingebrannt. Sie ist Sommerhit, Anti-Event, urbane Meditation.
Denn hier, in dieser Stadt zwischen Baustelle und Bratwurst, zwischen Bahnchaos und Boomviertel, gehört es einfach dazu, sich jeden Tag ein bisschen zu quälen. Der Mensch will Hürden. Stuttgart liefert. Die Stammstreckensperrung ist kein Problem. Sie ist Identität. Und 2025 macht man’s wieder. Aus Nostalgie. Weil es so schön ist.

Was da eigentlich gemacht wird? Keiner checkt’s. Bisschen ordentlicher, neue „Schwabstraße“ und „Feuersee“ in einer mittelmäßigen Typo anschrauben, einmal durchwischen? Technik, die angeblich neu ist und keiner sieht? Egal. Nächstes Jahr nochmal, das ist jetzt schon sicher, 2027 evt. auch.
Die Leute sind sauer und gleichzeitig süchtig. Sie lieben es zu hassen. Sie schimpfen und steigen ein, in den SEV. Nehmen die Herausforderung an wie einen sportlichen Wettkampf. Sommer in Stuttgart ist nicht Ibiza. Es ist VVS-Stress mit Stil.
Stammstreckensperrung ist ein bisschen Selbstgeißelung, ein bisschen Performance-Kunst. Nur echt mit Schweiß, Verspätung und Google-Maps-Tab im Anschlag. Willkommen im Sommer 2025. Same procedure. Same Chaos. Same Love.

