
Ein Smartphone mit gesprungenem Display, ein Toaster, der streikt oder ein Fahrrad, das seit Monaten ungenutzt im Keller steht. Vieles landet heute schneller auf dem Wertstoffhof als in einer Werkstatt. Genau hier setzt die Landeshauptstadt mit ihrer neuen Initiative „Stuttgart repariert“ an. Ziel ist es, das Reparieren im Alltag wieder selbstverständlicher zu machen und den Zugang zu passenden Angeboten deutlich einfacher zu gestalten.
Herzstück der Initiative ist eine neue Internetplattform mit einer digitalen Reparaturkarte. Dort sind mehr als 25 Repair Cafés, Werkstätten und spezialisierte Reparaturbetriebe in Stuttgart verzeichnet. Wer ein Smartphone, Fahrrad, Elektrogerät oder andere Alltagsgegenstände instand setzen lassen möchte, findet dort passende Anlaufstellen.
Ergänzt wird das Angebot durch eine umfangreiche Mediathek mit Anleitungen zur Selbstreparatur sowie Podcast, Video und Buchempfehlungen rund um das Thema Reparieren.
Parallel dazu geht das mobile Repair Info Hub auf Tour durch Stuttgart. Die mobile Station wurde selbst aus geretteten Materialien und wiederverwendeten Holzbrettern gebaut und ist im Sommer auf Veranstaltungen und Flohmärkten unterwegs.
Besucher können ihr Wissen bei einem Repair Quiz testen und Preise gewinnen. Ab Herbst kann das Repair Info Hub kostenlos von Schulen, Unternehmen, Organisationen oder Kirchengemeinden ausgeliehen werden. Für den Transport steht ein E Bike bereit.
Die Stadt verweist dabei auf das große Potenzial des Reparierens. Jede erfolgreiche Reparatur spart im Durchschnitt rund 98 Kilogramm CO? ein. Gleichzeitig werden wertvolle Rohstoffe geschont und häufig auch die Haushaltskasse entlastet. Gerade bei vielen Elektrogeräten lohnt sich ein zweiter Blick, bevor sie entsorgt werden.
Das zeigt auch der Blick auf den Elektroschrott in Stuttgart. Rund 2.000 Tonnen Elektrogeräte sammelt die Abfallwirtschaft Stuttgart jedes Jahr ein. Nach Einschätzung der Stadt könnte etwa jedes zweite Gerät noch repariert werden.
Deshalb informieren künftig auch die fünf Wertstoffhöfe verstärkt über Reparaturmöglichkeiten. Die Kampagne ist Teil der städtischen Kreislaufwirtschaftsstrategie, zu der auch Sharing Angebote, eine Bibliothek der Dinge sowie Nachbarschaftsreparaturzentren gehören.
Rückenwind erhält das Thema auch auf europäischer Ebene. Mit dem neuen Recht auf Reparatur werden Hersteller künftig verpflichtet, für ausgewählte Produkte wie Smartphones oder Waschmaschinen Reparaturen zu angemessenen Preisen anzubieten und Ersatzteile länger bereitzustellen. Die Umsetzung in deutsches Recht erfolgt bis Ende Juli 2026.
Mit „Stuttgart repariert“ entsteht damit ein stadtweites Netzwerk aus Werkstätten, Repair Cafés, digitalen Angeboten und Informationsaktionen, das den Weg zum Reparieren deutlich einfacher macht. Oft braucht es nur wenige Handgriffe, damit aus einem vermeintlichen Fall für den Wertstoffhof ein Gegenstand wird, der noch viele Jahre im Einsatz bleibt.

Facts
Projekt: Stuttgart repariert
Angebote: Digitale Reparaturkarte, Repair Cafés, Werkstätten, Selbstreparatur Tipps und Mediathek
Repair Info Hub: Im Sommer auf Veranstaltungen unterwegs, ab Herbst kostenlos ausleihbar
Ziel: Ressourcen schonen, Elektroschrott vermeiden und Reparaturkultur stärken
