Stadt Stuttgart meldet Rekorddefizit von 711,7 Millionen Euro

Bird's-eye view of a hilly city with red-tiled roofs, green trees, and a distant industrial skyline on the horizon.

Stuttgart beendet das Haushaltsjahr 2025 mit einem Defizit von 711,7 Millionen Euro und damit mit dem höchsten Minus der Stadtgeschichte. Gegenüber dem Vorjahr hat sich das Ergebnis um rund 700 Millionen Euro verschlechtert, im Vergleich zum Rekordüberschuss von 2023 beträgt die Differenz rund 1,5 Milliarden Euro.

Die Hauptursachen liegen auf beiden Seiten des Haushalts. Nach den außergewöhnlich starken Jahren 2022 und 2023 sind die Nettoerträge aus der Gewerbesteuer 2025 auf 732 Millionen Euro gesunken, gleichzeitig wachsen die laufenden Kosten weiter. Seit 2021 sind die ordentlichen Aufwendungen der Stadt um rund 1,2 Milliarden Euro beziehungsweise 34 Prozent gestiegen, vor allem durch höhere Personal, Sozial und Sachausgaben.

Damit konnte Stuttgart seine laufenden Ausgaben im zweiten Jahr hintereinander nicht vollständig aus den eigenen Erträgen finanzieren. Auch Mittel für Investitionen werden derzeit nicht aus dem laufenden Betrieb erwirtschaftet.

Für 2026 rechnet die Verwaltung mit einer weiteren Verschlechterung um 22,5 Millionen Euro gegenüber der bisherigen Planung, der Zahlungsmittelfehlbetrag aus der laufenden Verwaltung könnte auf 614,5 Millionen Euro steigen.

Die im Haushalt vorgesehene Kreditermächtigung von 649 Millionen Euro musste bislang nicht genutzt werden. Das liegt allerdings auch daran, dass Investitionen langsamer umgesetzt wurden als geplant. Für den Haushalt ist das kurzfristig eine Entlastung, für die Stadtentwicklung bleibt es ein Problem, denn verschobene Projekte verschwinden nicht und werden im Zweifel später teurer.

Eine Stadt wie Stuttgart kann (NATÜRLICH) nicht einfach auf Pause drücken. Schulen, Kitas, Straßen, Brücken, öffentlicher Verkehr, Verwaltung, Kultur, Sicherheit und soziale Infrastruktur müssen jeden Tag funktionieren – bzw. besser werden.

Gleichzeitig stehen große (Prestige)Projekte im Raum, von der Opernsanierung bis zur Zukunft der Schleyer-Halle, die viel Geld kosten und trotzdem nicht beliebig vertagt werden können. Bei der Oper können weitere Verzögerungen zusätzliche Baukosten von rund 50 Millionen Euro pro Jahr verursachen, bei der Schleyer-Halle wird deshalb bereits geprüft, ob privates Kapital einen Teil der Belastung übernehmen kann.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wo Stuttgart sparen kann, sondern wie die Stadt wieder verlässlich Einnahmen erzielt und notwendige Investitionen finanziert. Dazu gehören neue Modelle mit privaten Partnern, eine stärkere Nutzung von Fördermitteln durch Bund und Land, eine klügere Bewirtschaftung städtischer Grundstücke und Gebäude sowie klare Prioritäten bei Projekten, die für den Alltag der Stadt unverzichtbar sind.

Das Rekorddefizit verlangt eine nüchterne Neuordnung des Haushalts. Stuttgart muss Ausgaben kontrollieren, zusätzliche Einnahmen erschließen und gleichzeitig verhindern, dass zentrale Aufgaben liegen bleiben. Denn eine Großstadt spart sich nicht aus ihren Pflichten heraus, sie muss jeden Morgen wieder funktionieren.

Facts: Stuttgarter Haushalt 2025

Defizit: 711,7 Millionen Euro
Einordnung: Höchstes Defizit der Stadtgeschichte
Veränderung zu 2024: Rund 700 Millionen Euro schlechter
Differenz zu 2023: Rund 1,5 Milliarden Euro
Gewerbesteuer 2025: 732 Millionen Euro netto
Anstieg der Aufwendungen seit 2021: Rund 1,2 Milliarden Euro beziehungsweise 34 Prozent
Prognose 2026: Weitere Verschlechterung um 22,5 Millionen Euro
Zahlungsmittelfehlbetrag 2026: Voraussichtlich 614,5 Millionen Euro
Kreditermächtigung: 649 Millionen Euro, bislang nicht genutzt
Große Aufgaben: Schulen, Kitas, Verkehr, Infrastruktur, Opernsanierung, Schleyer Halle

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