Stuttgart 21: Die schwebende Bahnhofsdirektion am Hauptbahnhof

Stuttgart 21 ist dieser eine Dauerzustand, den man hier längst nicht mehr erklärt, sondern erlebt. Gebaut wird I M M E R. Ob jemand sagen kann, wann alles fertig ist, spielt dabei keine Rolle mehr. Entscheidend ist, dass wir in Stuttgart weiterhin gerne mit dieser Baustelle drangsaliert werden.

Und mittendrin steht ein Bauwerk, das selbst für Stuttgart 21 fast schon poetisch wirkt: die schwebende Bahnhofsdirektion, vielen noch bekannt als “Rocker-Gebäude”.

Im Zuge von Stuttgart 21 wird der Hauptbahnhof bekanntlich um 90 Grad gedreht und vom Kopfbahnhof zum Durchgangsbahnhof umgebaut. Damit der neue Bahnhof mitten in der Stadt an die bestehenden Strecken angeschlossen werden kann, wurde unter Stuttgart ein ganzes Tunnelsystem angelegt.

Einer dieser Tunnel führt vom künftigen Hauptbahnhof aus nach Norden und kreuzt dabei einen Ort, an dem man eigentlich nicht einfach vorbei bohren kann: genau, die Ex-Bahndirektion.

Das denkmalgeschützte Gebäude bringt rund 15.000 Tonnen auf die Waage. Ein klassisches Aus-dem-Weg-räumen kam also nicht infrage. Stattdessen entschieden sich die Ingenieure für eine Lösung, die irgendwo zwischen Präzision, Geduld und sehr viel Vertrauen in Technik liegt.

Die Bahnhofsdirektion wurde untergraben und während der Arbeiten von Stützen und hydraulischen Pressen getragen. Das Haus schwebte faktisch über der Baustelle, millimetergenau kontrolliert, permanent überwacht, wie ein rohes Ei behandelt.

Unter diesem schwebenden Koloss entstanden die Tunnelröhren, die heute ein Teil des neuen Bahnknotens sind. Erst nachdem die Arbeiten abgeschlossen waren, wurde das Gebäude ebenso vorsichtig wieder abgesetzt.

Die schwebende Bahnhofsdirektion ist damit eines dieser Bauwerke, die man leicht übersieht und die doch viel (wahnsinniges) über dieses Projekt erzählen. Sie steht für den unfassbaren technischen Aufwand, den Stuttgart 21 betreibt, für den Willen, Bestehendes nicht einfach zu opfern, sondern mitzunehmen, auch wenn es kompliziert (und sehr viel teurer) wird.

Ob der neue Bahnhof irgendwann komplett in Betrieb geht, bleibt weiterhin eine Frage für spätere Kapitel. Sicher ist nur: Unter Stuttgart wird weiter gegraben, über Stuttgart weiter diskutiert und mitten in der Stadt steht ein Haus, das einmal in schwebender Lage war.

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