Stuttgart 21: Die nächste Doku über die Never Ending Story

Construction site with tall yellow cranes over a fenced area and curved glass structures under a cloudy sky at sunset/sunrise.

Stuttgart 21 ist längst ein eigenes Genre. Baustelle, Politikum, Milliardenprojekt, Stadtgeschichte und Dauerbegleiter einer ganzen Generation. Am 28. September widmet sich ARD History mit „Stuttgart 21 – Die Jahrhundertbaustelle“ erneut dem Tiefbahnhof und seiner inzwischen über 30 Jahre langen Geschichte.

Schon wieder eine S21-Doku also. Aber bei einem Projekt, das immer neue Termine, Kostenstände und technische Probleme produziert, geht der Stoff ganz offensichtlich nie aus.

Die 60-minütige Dokumentation von Helmar Büchel und Michael Fräntzel fragt noch einmal grundsätzlich, warum Stuttgart 21 überhaupt gebaut wurde, weshalb sich das Projekt derart in die Länge zieht und wie aus den ursprünglichen Planungen eines der teuersten Infrastrukturprojekte Deutschlands werden konnte.

Der neue Hauptbahnhof wird auch 2026 nicht eröffnet. Inzwischen gilt Ende 2031 als frühestmöglicher Termin, selbst dann soll das Gesamtprojekt noch nicht vollständig abgeschlossen sein. Als Gründe werden Probleme bei Digitalisierung, Tunnelbau, Brandschutz, Fluchtwegen und Verkabelung genannt.

Die Doku beziffert die Kosten für das Kernprojekt aktuell auf 14,5 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den verbundenen Bahnprojekten im Umland stehen demnach 25,4 Milliarden Euro im Raum.

Zwischen Kelchstützen und Kostenexplosion

Unter der Erde entstehen mit den markanten Kelchstützen jene Bilder, mit denen Stuttgart 21 seit Jahren als architektonisches Großprojekt erzählt wird. Über der Erde bleibt der Hauptbahnhof für Reisende ein Dauerprovisorium mit Umwegen, Sperrungen und wechselnden Wegeführungen.

Zu Wort kommen Gegner und Befürworter des Projekts. Hannes Rockenbauch und Boris Palmer kritisieren Wirtschaftlichkeit, Planung und politische Entscheidungen. Günther Oettinger und Wolfgang Schuster stehen weiterhin für jene Perspektive, die im neuen Durchgangsbahnhof langfristige Vorteile und städtebauliche Chancen sieht.

Interessant wird die Dokumentation auch durch Stimmen aus der Deutschen Bahn. Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn zeigt sich weiterhin überzeugt vom Projekt, während der frühere Bahnmanager Thilo Sarrazin von erheblicher interner Kritik berichtet.

Deutlich äußert sich zudem die aktuelle Bahnchefin Evelyn Palla. Die Konzernrevision habe gravierende Defizite bei Planung, Steuerung und Risikomanagement festgestellt. Das bisherige Projektmanagement habe für ein Vorhaben dieser Größenordnung nicht ausgereicht.

30 Jahre und noch immer kein Ende

Natürlich führt die Doku auch zurück zu den großen Konfliktlinien von Stuttgart 21. Seit 2009 wird montags demonstriert, der Schwarze Donnerstag vom 30. September 2010 gehört zu den einschneidendsten Momenten der jüngeren Stuttgarter Stadtgeschichte.

Das Projekt wurde weitergebaut, die Debatte blieb. Und genau darin steckt die eigentliche Geschichte von Stuttgart 21. Der Bahnhof wächst sichtbar seiner Fertigstellung entgegen, während sich der endgültige Abschluss immer weiter nach hinten verschiebt. Neue Termine ersetzen alte, Kosten steigen, technische Probleme kommen hinzu. Und am Ende steht immer die Frage: Wird der Geilbahnhof jemals eröffnen?

Stuttgart 21 – Die Jahrhundertbaustelle

Ausstrahlung: 28. September 2026, 23:50 Uhr
Sender: Das Erste
Dauer: 60 Minuten
Streaming: am selben Tag vorab in der ARD Mediathek
Autoren: Helmar Büchel und Michael Fräntzel

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