Stuttgart hat seine Mythen. Und dann gibt es dieses Werk, das zwischen Präzision, Erinnerung und Ingenieurskunst zirkuliert: das Stellwerk S von Wolfgang Frey.
Anfang des Jahres blieb man hängen bei Pretend It’s a City. Fran Lebowitz spaziert durch ein New Yorker Stadtmodell und legt mit jedem Schritt eine neue Perspektive frei. Der Gedanke lag nah, so etwas müsste es doch auch in Stuttgart geben.
Gibt es. Und es trifft einen auf eine eigene, sehr präzise Weise.
Stuttgart im Modell, verdichtet und lesbar
Vier Quadratkilometer Stuttgart, übertragen in den Maßstab 1:160, gebaut auf rund 200 Quadratmetern. Wolfgang Frey hat fast 30 Jahre an dieser Anlage gearbeitet. Allein, mit einer Konsequenz, die heute fast archaisch wirkt.
Das Modell zeigt Stuttgart, wie es einmal war und in Teilen noch durchscheint. Der alte Güterbahnhof ist erhalten, dort wo heute neue Stadtstrukturen dominieren. Der Bonatzbau des Hauptbahnhofs steht vollständig, inklusive Nord- und Südflügel.
Das Stellwerk S funktioniert wie ein urbanes Archiv. Es macht Stadtgeschichte sichtbar, nachvollziehbar und überraschend greifbar.
Ein Werk zwischen Verlust und Rettung
Nach dem Tod von Wolfgang Frey im Jahr 2012 geriet die Anlage aus dem Blick. Sie lag eingelagert in einem Keller, fragile Substanz, langsam dem Verfall ausgesetzt. Stuttgart stand kurz davor, dieses außergewöhnliche Stück eigener Geschichte zu verlieren.
Mit Rainer Braun aus Herrenberg kam die Wende. Er übernahm die Anlage und initiierte gemeinsam mit dem Modelleisenbahnclub Herrenberg den Wiederaufbau. Schritt für Schritt, mit technischem Know-how und einem klaren Bewusstsein für den Wert dieses Projekts.
Heute ist ein großer Teil wieder zugänglich. Die Stuttgarter Innenstadt steht erneut, detailgenau, strukturiert, mit einer Tiefe, die man so selten sieht.
Herrenberg als aktueller Standort
In Herrenberg ist das Stellwerk S erstmals öffentlich zu sehen. Die Anlage hat dort eine neue Bühne bekommen und öffnet sich für Besucherinnen und Besucher.
Der Blick auf das Modell ist mehr als reine Betrachtung. Es entsteht ein Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen gebauter Realität und Miniatur. Stuttgart wird lesbar, Schicht für Schicht.
Perspektive Rückkehr nach Stuttgart
Aktuell gewinnt das Thema wieder Dynamik. Im Zuge neuer Standortdiskussionen in Stuttgart steht auch eine mögliche Rückkehr der Anlage in die Stadt im Raum.
Das wäre mehr als ein Ortswechsel. Es wäre die Rückbindung eines zentralen Erinnerungsstücks an seinen Ursprung. Ein starkes Signal für den Umgang mit Stadtgeschichte und kulturellen Artefakten.
Stuttgart neu sehen
Das Stellwerk S ist kein Nischenprojekt. Es ist ein präzises Modell urbaner Identität. Ein System aus Details, Strukturen und Erinnerungen, das Stuttgart in einer eigenen Klarheit zeigt.
Wer sich darauf einlässt, sieht diese Stadt anders. Verdichtet, nachvollziehbar und mit einem Blick für das, was war und noch immer wirkt.

ich bin etwas enttäuscht…..die damals 1987 von meinem Vater weggeworfene Zigarettenkippe bei Schwab- Ecke Bebelstraße hat er nicht berücksichtigt. Könnte man sich ja schon bisschen Mühe geben!
hahahaah! yeah! 🙂