
Den ganzen Tag die Frage: Wohin heute Abend? Pures Erlebnis ohne Menschenmassen oder Sonnenfinsternis Stuttgart Doku oder beides? MAL SCHAUEN.
Los gegen 18 Uhr zu Fuß die Hasenbergsteige hoch bis zur Hasenberg-Plattform. Die erste Mutter mit Kindern hat ihre Decke bereits ausgebreitet, ein anderes jüngeres Paar kommt ebenfalls gerade an, Witzchen erst mal alle Liegen aka Bänke reservieren, lachen, schauen Richtung Westen und machen uns wieder auf den Weg nach unten, ein paar jüngere Menschen wuchten meanwhile ein Sixpack den Berg hoch, es geht ALSO los.
Weiter geht’s aufs Fahrrad, durch West, rüber bis zum Hölderlinplatz und die Eduard-Pfeiffer-Straße hoch. Immer die Sonne im Visier. Wie steht sie gerade, wo hat man gute Aussicht, wo sind EIGENTLICH die GANZEN Leute? Die Stadt wirkt in dieser (überwiegend sehr reichen) Gegend erstaunlich chillig, gar nicht nach DEM Ereignis 2026, Keine Menschen mit Brillen zu sehen, weiter geht’s.

Über die Panoramastraße rüber bis zur Weißenhofsiedlung und anschließend runterbrettern bis zur Löwentorbrücke, Blick Richtung Wartberg. Es ist gegen 18:50 Uhr, die Sonne grellt herum wie eine Eins am prächtigen FIRMAMENT und scheint noch nicht zu wissen, was mit ihr demnächst passiert.
Durch den Rosensteinpark, unter dem Schlossgarten hindurch und rein in den Villa-Berg-Park. Fahrrad, einfach herrlichstes Verkehrsmittel, das es gibt. An diesem Abend sowieso, weil man der Sonne quer durch die Stadt hinterherfahren und ständig neue Blickachsen checken kann.
Direkt um die Ecke vom Buschpilot positionieren sich ersten Menschen auf Decken, die berühmten Sonnenfinsternisbrillen werden ausgepackt, die ja wohl gefühlt überall ausverkauft waren. Immer mehr Leute strömen in den Park hinein, von der Hangwiese aus gibt es freie Sicht Richtung Nordwest auf das kommende Spektakel.
Eine Frau hat sich aus einem Schuhkarton und Alufolie ihre eigene Sichel-Sehhilfe gebaut. Solche Konstruktionen werden uns an diesem Abend noch häufiger begegnen.

Weiter geht’s, die Urachstraße hoch, Ecke Ameisenbergschule, die Kreuzung zur Sternwarte auf der Uhlandshöhe. Parkplatzsuche des Grauens, Autos starren sich gegenseitig an, natürlich sind die Neigfahra-People am Start, die Polizei ist da, versucht zu regulären, ein junger Cop fragt zwischendurch ob er sich kurz eine Spezialbrille ausleihen kann, mal kurz gucken.

Die Haußmannstraße wird zum Balkon der Stadt und ist voll mit SoFis. Jede freie Sicht Richtung Brennball wird genutzt, Decken am Wegrand, Gestell auf der Nase, Selbstgebasteltes in der Hand. Genau so haben wir uns das vorgestellt. Herrlich.
Jetzt die Big CHALLENGE: runter zum Eugensplatz. Wie KRASS wird der Sonnenfinsternis Andrang dort wohl sein?

Stark, aber gar nicht mal so krass wie vermutet. Der Platz ist voll, keine Frage, die Pinguin-Schlange noch etwas länger, aber nicht die Eskalation wie vermutet, die hat sich dann wohl doch in Richtung Sternwarte verschoben.
Jede neue Stadtbahn spuckt mehr Sonnis aus, die Blickrichtung ist gesetzt wie bei einem Festival, die Stimmung ist positiv excited, alle haben Bock, kollektivse Warten auf etwas, das ja so seit 19:19 Uhr begonnen hat und sich erst langsam zuspitzt.
Nochmals Ortswechsel, back to Haußmannstraße. Die Stadtbahnen und der 42er kriechen vorbei und erledigen ihren Beförderungsauftrag wie immer. Sonnenfinsternisfrei gibt’s ja leider noch nicht in Deutschland, danke Frieders Schmerzens.

Ein paar Fotos hinunter auf unsere geile Stadt in diesem einzigartigen Licht, das immer weiter abdimmt und den Kessel für kurze Zeit anders aussehen lässt, die beste Stadt der Welt fadet zwischen spätem Sommerabend und diesem einen astronomischen Moment.

Dann wieder zurück zum Eugensplatz. Alle warten gespannt auf den Maximum-Moment um 20:15 Uhr. Jubel brandet auf. Die Leute stehen dicht an dicht auf dem Platz und rund um den Galateabrunnen, überwiegend junge Menschen, Kinder, Familien, alle da. Brillen hoch, Blick nach Westen, die Sonne nur noch als Sichel am Himmel.

Für ein paar Minuten gehört die Aufmerksamkeit keinem Bildschirm (die meisten Handys versagen ja sowieso), keiner Baustelle, keinem Feierabendverkehr, sondern der Natur und diesem einzigartigen Licht auf die Stadt.
Ein bisschen Gemotze darf natürlich auch nicht fehlen. „Ach, das war’s jetzt schon?“ hört man irgendwo kurz nach dem Maximum.

Ab etwa 20:30 Uhr ziehen die ersten Leute wieder ab, einige bleiben noch und genießen den kompletten Sonnenuntergang. Wir heizen die Kernerstraße runter, links zur neuen Ballettschule, fangen noch ein bisschen von diesem letzten Licht ein und fahren über die Olgastraße Richtung Süd zurück nach West, noch ein Bild oberhalb des Schwabtunnels, na klar, Sonnenfinsternis gerne wieder 2051 oder so.

Sonnenfinsternis Profifotos von Markus Hoch, über Gerlingen, R5 / RF 500mm F40 5000/1 SEC mit Pol-Filter:



