
Die Idee urbaner Seilbahnen ist in Stuttgart wieder präsent. Nicht als Gedankenspiel, sondern als konkreter Prüfauftrag an die Stadtverwaltung. Mehrere Fraktionen des Gemeinderats haben Ende Januar 2026 gemeinsam einen Antrag eingebracht, der Bewegung in ein Thema bringt, das lange in Studien und Konzeptpapieren verharrte.
Breite politische Unterstützung
Getragen wird der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und Volt sowie den Freien Wählern. Diese ungewöhnlich breite Allianz zeigt, dass es hier nicht um ein Einzelinteresse geht, sondern um eine strategische Frage der künftigen Mobilität in Stuttgart. Die Verwaltung soll noch vor den Osterferien 2026 im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik berichten, wie weit die Planungen möglicher Seilbahnen tatsächlich sind.
Die zentrale Trasse im Fokus
Im Mittelpunkt steht eine Verbindung, die bereits in früheren Machbarkeitsstudien untersucht wurde. Vorgesehen ist eine Seilbahn vom Ostendplatz über die Mineralbäder und die Mittnachtstraße weiter zum Nordbahnhof und zum Pragsattel. Diese Achse verbindet mehrere Stadtteile, die bislang nur umwegig miteinander verknüpft sind, und eröffnet zahlreiche Umsteigemöglichkeiten in das bestehende Stadtbahn und S Bahn Netz.
Neu ist die konkrete Prüfung einer Verlängerung über das Robert Bosch Krankenhaus hinaus bis zum Burgholzhof. Gerade dieser Abschnitt rückt zunehmend in den Mittelpunkt der Diskussion.
Impulse aus der Praxis
Auslöser für die neue Dynamik ist eine Machbarkeitsstudie, die das Robert Bosch Krankenhaus in Auftrag gegeben hat. Hintergrund sind die hohen Verkehrsbelastungen rund um den Klinikstandort auf dem Burgholzhof. Die Untersuchung zeigt, dass eine Seilbahnverbindung technisch umsetzbar ist und verkehrlich einen deutlichen Mehrwert bieten kann.
Im Gemeinderat wird nun geprüft, ob dieser Abschnitt aufgrund der örtlichen Gegebenheiten und möglicher Unterstützung durch das Krankenhaus sogar als erster Bauabschnitt geeignet wäre. Der Gedanke eines schrittweisen Einstiegs gewinnt damit an Kontur.
Ein Baustein für neue Verbindungen
Die vorgeschlagene Strecke hätte mehrere Effekte. Sie würde Ost, Nord und den Nordwesten der Stadt enger zusammenführen, neue Querverbindungen schaffen und wichtige Knotenpunkte miteinander vernetzen. Auch das künftige Rosensteinquartier ließe sich direkt anbinden. Mit einer Fahrzeit von rund 15 Minuten über mehrere Stadtteile hinweg entstünde eine attraktive Alternative zu bestehenden Wegen durch die Innenstadt.
Realismus und Perspektive
Allen Beteiligten ist bewusst, dass die finanzielle Lage der Stadt keine schnellen Umsetzungen erlaubt. Dennoch setzt der Antrag ein klares Signal. Zukunftsfähige Mobilität entsteht nicht über Nacht. Sie braucht Planung, politische Klarheit und den Willen, neue Systeme ernsthaft zu prüfen. Auch mögliche Förderungen durch das Land werden in diesem Zusammenhang ausdrücklich mitgedacht.
Blick nach vorn
Andere Seilbahnprojekte wie die Verbindung von Vaihingen zum Eiermann Campus spielen aktuell eine untergeordnete Rolle, da dort zentrale Rahmenbedingungen noch offen sind. Umso stärker richtet sich der Fokus nun auf die Ost Nord Trasse, die fachlich gut vorbereitet ist und politisch breit getragen wird.
Stuttgart öffnet damit den Raum für ein Mobilitätskonzept, das Topografie nicht als Hindernis versteht, sondern als Ausgangspunkt für neue Lösungen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie konkret diese Perspektive wird. Sicher ist schon jetzt, dass die Stadt das Thema Seilbahn wieder ernsthaft denkt und weiterentwickelt.
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