Seilbahn Stuttgart: Trasse vom Pragsattel zum Krankenhaus im Fokus

Visualisierungen: Agentur bttrbrt

Wenn in Stuttgart über neue Verkehrsideen gesprochen wird, landet ein Thema seit Jahren immer wieder auf dem Tisch: die Seilbahn Stuttgart. In einer Stadt mit rund 350 Metern Höhenunterschied, engen Talkesseln und steilen Hängen klingt sie weniger nach Touristenattraktion als nach einer durchaus durchaus logischen Ergänzung des Nahverkehrs. Jetzt bekommt das Thema neuen Rückenwind.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik hat beschlossen, die Seilbahnverbindung vom Pragsattel zum Robert-Bosch-Krankenhaus detailliert untersuchen zu lassen. Gleichzeitig sollen mögliche Verlängerungen zum Burgholzhof, zur künftigen S-Bahn-Station Rosenstein und nach Stuttgart-Ost mitgeprüft werden.

Cable car gondolas travel above a city street, with a large white Mahle building on the right and trees lining the road.

Die Diskussion begleitet Stuttgart bereits seit fast zehn Jahren. Ursprünglich standen mehrere Trassen im Raum. Nun kristallisiert sich erstmals eine klare Favoritin heraus. Hintergrund ist auch eine Machbarkeitsstudie, die das Robert-Bosch-Krankenhaus auf eigene Kosten in Auftrag gegeben hat. Experten aus Österreich und Südtirol haben verschiedene Varianten untersucht, wie der Klinikcampus künftig deutlich besser an den Nahverkehr angebunden werden könnte.

Der Bedarf ist offensichtlich. Zwischen Pragsattel und Burgholzhof staut sich der Verkehr auf der Auerbachstraße regelmäßig. Davon betroffen sind nicht nur Autofahrer, sondern auch die Buslinie 57, die häufig wertvolle Zeit im gleichen Stau verliert. Eine Seilbahn könnte genau hier ihre Stärke ausspielen und den Höhenunterschied unabhängig vom Straßenverkehr überwinden.

Nach den bisherigen Überlegungen wäre die Strecke rund 500 Meter lang. Vierzehn Kabinen würden die Verbindung in etwa 100 Sekunden zurücklegen, während alle 24 Sekunden eine neue Gondel startet. Die Kosten der Anlage werden derzeit auf rund 16 Millionen Euro geschätzt. Für ein Infrastrukturprojekt dieser Größenordnung wirkt das vergleichsweise überschaubar.

Gleichzeitig verabschiedet sich Stuttgart von einem anderen Projekt. Die lange favorisierte Pilottrasse zwischen dem Bahnhof Vaihingen und dem Eiermann-Areal wird nicht weiterverfolgt. Trotz verschiedener Optimierungen ließ sich dort kein positiver Nutzen-Kosten-Faktor erreichen. Die Stadt konzentriert ihre weiteren Planungen deshalb auf die Verbindung zwischen Pragsattel, Robert-Bosch-Krankenhaus und möglicherweise dem Burgholzhof.

Eigentlich passt kaum ein Verkehrsmittel besser nach Stuttgart als eine Seilbahn. Die Stadt kämpft seit Jahrzehnten mit ihren Höhenlagen, engen Straßen und den natürlichen Grenzen des Kessels. Während Busse und Stadtbahnen oft weite Schleifen fahren müssen, würden Gondeln Täler, Straßen und Hänge direkt überqueren. Was vielerorts noch futuristisch klingt, erscheint im Stuttgarter Stadtbild fast schon überraschend logisch.

Ob tatsächlich eines Tages Gondeln über den Pragsattel schweben, ist noch offen. Nach Jahren voller Machbarkeitsstudien, Diskussionen und verworfener Ideen rückt das Thema jetzt jedoch so nah an die Realität wie nie zuvor. Für Stuttgart könnte genau diese ungewöhnliche Verbindung eines der spannendsten Nahverkehrsprojekte der kommenden Jahre werden.

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