
Kaum ein Thema im öffentlichen Nahverkehr wird so emotional diskutiert wie das Schwarzfahren. Seit Jahren wird in Deutschland darüber gestritten, ob Menschen ohne gültigen Fahrschein zu hart bestraft werden und ob das Erschleichen einer Fahrt tatsächlich strafrechtlich verfolgt werden sollte. Für die einen ist Schwarzfahren ein Bagatelldelikt, für die anderen ein Angriff auf die Finanzierung des Nahverkehrs. Mitten in diese Debatte fällt nun eine groß angelegte Kontrollaktion im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart.
Am vergangenen Freitag hieß es zeitgleich in S-Bahnen, Stadtbahnen und regionalen Bussen: „Die Fahrausweise bitte“. Prüfteams von SSB, DB Regio und den regionalen Busunternehmen waren im gesamten VVS-Gebiet unterwegs, um Fahrscheine zu kontrollieren und auf die Folgen des Fahrens ohne Ticket aufmerksam zu machen.
Die Bilanz der Aktion: Insgesamt wurden 4.923 Fahrgäste überprüft. 128 Personen waren ohne gültigen Fahrschein unterwegs. Das entspricht einem Anteil von 2,6 Prozent und damit exakt jener Quote, die bereits für das Jahr 2025 im gesamten Verbundgebiet ermittelt wurde. Mehr als 900.000 Fahrgäste waren damals ohne gültiges Ticket unterwegs.
Für die Verkehrsunternehmen geht es dabei um erhebliche Summen. Nach Angaben des VVS entgehen den Betreibern durch Schwarzfahren jährlich mehr als 15 Millionen Euro an Fahrgeldeinnahmen. Dieses Geld fehlt letztlich beim Betrieb und Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Regelmäßige Kontrollen sollen deshalb dazu beitragen, die Finanzierung des Systems zu sichern und die Fairness gegenüber den zahlenden Fahrgästen zu gewährleisten.
Ganz ohne Zwischenfälle verlief die Aktion nicht. In fünf Fällen musste die Polizei hinzugezogen werden. Zudem kam es bei der S-Bahn Stuttgart zu zwei Übergriffen auf Kontrollpersonal. Die Vorfälle zeigen, dass Fahrausweisprüfungen für die Mitarbeitenden häufig kein einfacher Einsatz sind.
Der VVS macht deutlich, dass Schwarzfahren in Stuttgart aus seiner Sicht kein Kavaliersdelikt ist. Neben dem erhöhten Beförderungsentgelt von 60 Euro können je nach Einzelfall auch strafrechtliche Konsequenzen drohen. Das Erschleichen von Leistungen kann mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr geahndet werden.
Die Stuttgarter Kontrollaktion liefert damit auch einen aktuellen Einblick in eine bundesweite Debatte. Während über eine Entkriminalisierung des Schwarzfahrens diskutiert wird, setzen die Verkehrsunternehmen weiterhin auf konsequente Kontrollen. Aus ihrer Sicht geht es nicht nur um Regeln, sondern auch um die Frage, wie ein Nahverkehrssystem finanziert wird, das jedes Jahr Millionen Menschen durch Stuttgart und die Region bringt.
