Schuhhaus Häsler gibt Standort in der Stuttgarter City auf

Die gelben Plakate sind nicht zu übersehen. Totale Räumung wegen Geschäftsaufgabe. Das Schuhhaus Häsler verabschiedet sich aus der Eberhardstraße. Einer der sichtbarsten Standorte der Innenstadt verliert damit einen weiteren klassischen Einzelhändler. Der Abverkauf läuft, reduziert sind alle Schuhe zwischen 20 und 70 Prozent, auch bereits reduzierte Ware. Spätestens Ende 2026 ist Schluss. 

Schuhhaus Häsler wurde 1907 gegründet und gehört zu den traditionsreichen Namen im süddeutschen Schuhhandel. Der Stuttgarter Standort bestand seit rund neun Jahren, mitten zwischen Marktplatz und Rathaus. Eine Lage, um die viele Händler kämpfen würden. Und genau hier beginnt die differenzierte Betrachtung.

Natürlich spielen die bekannten Faktoren eine Rolle. Hohe Mieten, steigende Nebenkosten, Personalmangel im Einzelhandel, verändertes Kaufverhalten durch Onlinehandel und die Nachwirkungen der Pandemie. Dazu kommen jahrelange Baustellen rund um Marktplatz, Bohnenviertel und aktuell das Schwabenzentrum. Das alles ist real und belastend für jeden stationären Händler. 

Gleichzeitig wäre es zu einfach, die Verantwortung ausschließlich bei Stadt, den berühmten Baustellen, den noch berühmteren, angeblich fehlenden Parkplätzen oder den hohen Mieten (Fakt!) abzuladen. Die Eberhardstraße gehört weiterhin zu den am stärksten frequentierten Meilen in Stuttgart, viel Laufkundschaft, kurze Wege, Touristen, Büroangestellte, Studierende – genauer gesagt, die Fahrradstraße ist HOT.

Die Gastros sind belebt, wie z.B. die Marshall Bar quasi zu jeder Tages- und Jahreszeit, das Umami Ramen ist ohne Menschenschlange kaum mehr vorstellbar. Trotz aller Baustellen ist hier viel Bewegung. Andere Konzepte funktionieren in direkter Nachbarschaft, neue Läden reihen sich erfolgreich ein, wie zuletzt die vegane Fleischerei, die Straße lebt. 

Damit rückt auch die Frage nach dem eigenen Angebot in den Fokus. Sortimentsgestaltung, Preispolitik, Markenmix, Erlebnis im Laden, digitale Anbindung. Wer heute in der Innenstadt bestehen will, muss mehr liefern als solide Ware im Regal. Attraktivität entsteht nicht nur durch Lage, sondern durch Relevanz. Und die ist kein Selbstläufer, auch nicht mit langer Geschichte im Rücken.

Der Rückzug von Häsler aus Stuttgart ist deshalb kein reines Standortproblem, sondern Teil eines größeren Strukturwandels im Einzelhandel. Manche Händler passen sich an, andere entscheiden sich bewusst für kleinere Städte mit geringeren Kosten und treuerem Stammpublikum. Für Häsler scheint Stuttgart wirtschaftlich nicht mehr aufgegangen zu sein, während andere Filialen weiterlaufen.

Für die Eberhardstraße bleibt die Aufgabe, die frei werdenden Flächen sinnvoll zu besetzen. Die Voraussetzungen sind da. Zentrale Lage, hohe Frequenz, urbanes Umfeld. Der Einzelhandel verändert sich, aber diese Straße gehört weiterhin zu den stärksten Adressen der Stadt. Stuttgart City ist nicht am Ende, sie sortiert sich neu. Und das ist manchmal schmerzhaft, aber auch eine Chance.

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