
Vor einem Jahr flatterten bunte Wimpel über den Erwin-Schoettle-Platz. Eine kleine Bühne stand zwischen den Bäumen, Foodtrucks reihten sich am Rand des Platzes auf, Vereine präsentierten sich, Nachbarinnen und Nachbarn kamen ins Gespräch. Das Schoettle-Fest feierte 2025 seine Premiere und brachte genau jene Mischung auf den Platz, die im Stuttgarter Süden besonders gut funktioniert: Kultur, Begegnung und ein Stück Kiezgefühl.
2026 bleibt die Fläche dagegen leer.
Wer derzeit über den Erwin-Schoettle-Platz läuft, blickt nicht auf Bierbänke, Lichterketten und Musik, sondern auf Bauzäune, Rohre, Container und schweres Gerät. Dort, wo sich im vergangenen Sommer das Quartier zum Feiern traf, wird aktuell gebaut. Die laufenden Arbeiten machen eine Durchführung des Festes unmöglich. Die Veranstalter haben deshalb entschieden, das Schoettle-Fest in diesem Jahr auszusetzen, so das Statement auf der Homepage.

Die Absage trifft ein Format, das bei seiner Premiere überraschend viel Resonanz erzeugte. Vereine, Initiativen, Kulturschaffende und Nachbarschaftsgruppen nutzten das Fest als gemeinsame Bühne. Das Konzept ging auf. Die Stimmung stimmte, die Besucherzahlen ebenfalls. Dennoch kamen zur Baustellensituation steigende Kosten für Technik, Gastronomie und Organisation hinzu. Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Stadtteilfeste haben sich zuletzt deutlich verändert.

Besonders schade ist die Entwicklung deshalb, weil das Schoettle-Fest etwas geschafft hatte, das nicht selbstverständlich ist: Der Platz wurde für ein Wochenende zum Treffpunkt des Stadtteils. Zwischen Musik, Kulinarik und Kultur entstand ein lockerer Resonanzraum für Begegnungen, der weit über ein klassisches Straßenfest hinausging. Viele Besucher kamen nicht nur zum Feiern, sondern auch, um Vereine, Initiativen und Menschen aus der Nachbarschaft kennenzulernen.
Ganz verschwunden ist das Festivalgefühl am Schoettle-Platz allerdings nicht. Mitte Juli wird das Afrika-Festival trotz der aktuellen Situation am ESP stattfinden, und damit für einige Tage wieder Leben, Musik, Streetfood und kulturelle Vielfalt nach Heslach bringen. Zwischen Bauzäunen und Baumaschinen entsteht damit zumindest für ein Wochenende wieder jene Atmosphäre, die den Platz seit Jahren prägt.
Die Schoettle-Festler wollen dagegen nächstes Jahr wieder angreifen.

