
Manche Läden erklären sich über ihr Sortiment, andere über ihre Auswahl. SD Schöne Dinge in der Vogelsangstraße gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Auf rund 60 Quadratmetern versammelt Stephan Demmrich Kunst, Design und Einzelstücke aus mehreren Jahrhunderten zu einem sehr persönlichen Panorama schöner Dinge.
Seit diesem Frühjahr ist der Shop im Stuttgarter Westen geöffnet. Hinter dem großen Schaufenster stehen Keramik neben Grafik, Designklassiker neben Fundstücken, Möbel neben Kunst und Objekte mit bisweilen ziemlich eigenwilliger Erscheinung.
Ein Eisbär aus den 1920er oder 1930er Jahren trifft auf einen Kupferstich von 1646, Art déco auf zeitgenössische Arbeiten, eine alte Lufthansa Dose auf farbige Beistelltische. Die zeitliche Spanne reicht vom 17. Jahrhundert bis heute, mit einem Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert.

Dabei wirkt SD Schöne Dinge weder wie ein Antiquitätengeschäft noch wie jene Concept Stores, deren Auswahl sich bereits an der Eingangstür komplett entschlüsseln lässt. Demmrich arrangiert seine Stücke eher wie eine Wohnung, in der über Jahre einiges zusammengekommen ist und trotzdem nichts zufällig an seinem Platz steht.
Die beiden großen Sessel, Kunst an den Wänden, Sideboards, Leuchten und kleinere Objekte geben dem Raum tatsächlich etwas Wohnliches. Man kann schauen, entdecken, sitzen bleiben und bei Kaffee, Tee oder einem Glas Sekt ins Gespräch kommen.
Dass hinter dieser Auswahl ein geübtes Auge steckt, ist wenig überraschend. Demmrich beschäftigt sich seit seiner Jugend mit Kunst und Antiquitäten, studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Geschichte, promovierte über Silbergestaltung im 20. Jahrhundert und arbeitete unter anderem für ein Auktionshaus sowie die SWR Sendung „echt antik“.
Vor allem prägte er über ein Vierteljahrhundert den Designjournalismus. Von 2002 bis 2025 war er Chefredakteur von WOHN!DESIGN, später GOODLIFE, zuvor arbeitete er unter anderem für Architectural Digest.

Nach 25 Jahren zwischen Magazinen, Architektur, Interiors und Kunst ist aus der redaktionellen Auswahl nun ein physischer Raum geworden. Was zuvor auf Seiten komponiert wurde, steht jetzt in der Vogelsangstraße auf Sockeln, Sideboards und kleinen Tischen. Die Objekte dürfen verschiedene Epochen, Materialien und Preisklassen miteinander verbinden, solange die Gesamtkomposition stimmt.
Gerade diese persönliche Kuratierung macht den Laden interessant. Demmrich versteht seine Auswahl ausdrücklich als Angebot und nicht als Geschmacksdiktat. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine Rolle, allerdings ohne programmatischen Überbau. Viele Stücke haben bereits ein Leben hinter sich, besitzen Patina, Geschichte und eine Herkunft, die sich nicht über eine Saison erledigt.
Für Stuttgart ist SD Schöne Dinge auch deshalb eine schöne Ergänzung, weil solche inhabergeführten Spezialisten inzwischen rar geworden sind. Ein Laden, der nicht versucht, möglichst vieles für möglichst viele Menschen bereitzuhalten, sondern eine erkennbare Auswahl kultiviert.
Dazu passt der Standort im Westen: Die Vogelsangstraße mit ihren Altbauten, dem Kopfsteinpflaster und den kleinen Gewerberäumen liefert dafür fast beiläufig die passende Kulisse.
Wer nicht nur kaufen möchte, darf ebenfalls vorbeischauen. Kunstfrühstücke und andere kleine Formate gehören zum Konzept. Vielleicht ist das die angenehmste Beschreibung dieses Ortes: ein Laden, in dem man etwas entdecken kann, ohne permanent das Gefühl zu bekommen, etwas entdecken zu müssen.

Facts
SD Schöne Dinge
Vogelsangstraße 22
70176 Stuttgart West
Donnerstag, Freitag und Samstag: 11 bis 18 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Kunst, Design, Einzelstücke und Lebensart
Homepage
