Red Bull Cerro Abajo: 90.000 Menschen und ein Wochenende, das Stadtgeschichte geschrieben hat

Stuttgart die Geilstadt! Red Bull Cerro Abajo hat die City zwei Tage lang in einen abartigen Eskalationszustand versetzt und dabei Bilder produziert, die sich tief ins Gedächtnis der Stadt und ihrer Bürger.innen schreiben dürften. Rund 90.000 Menschen kamen an die Strecke, etwa 30.000 bereits zum Training am Samstag, weitere 60.000 zum Finale am Sonntag. Erwartet hatte der Veranstalter im Vorfeld rund 25.000 Besucher.

Am Ende wurde aus einer großen Premiere ein Spektakel, das weit über den Sport hinausging und am Ende der eigentliche Gewinner hieß: THIS IS STUTTGART!

Vom Teehaus im Weißenburgpark führte der 1,2 Kilometer lange Kurs mit 130 Höhenmetern über Stäffele, Rampen, enge Straßen und markante Passagen bis hinunter zum Wilhelmsplatz. Die Fahrer schossen zwischen Häuserfassaden hindurch, sprangen über Straßen und Hindernisse, verschwanden hinter Bäumen und Mauern und tauchten Sekunden später an anderer Stelle wieder auf. Balkone wurden zu Logen, Vorgärten zu Aussichtspunkten, Mauern zu Tribünen, und auf den Stäffele setzte eine regelrechte Völkerwanderung ein.

Schon am Samstag zeigte sich am Wilhelmsplatz und entlang der unteren Strecke, dass diese Premiere eine andere Größenordnung annehmen würde. Selbst beim Training standen die Menschen dicht gedrängt an den Absperrungen, während sich die Wege nach oben Richtung Heusteigviertel, Bopser und Weißenburgpark füllten – Stäffele Völkerwanderung pur.

Am Sonntag komprimierte sich diese Szenerie nochmals deutlich und zog sich vom Zielbereich bis weit hinauf zum Teehaus. An vielen Stellen der Route war kaum noch ein freier Platz zu finden – oder einfach gar keiner. Die Menschen warteten freudig gepresst auf jene wenigen Sekunden, in denen ein Fahrer durch die Passage flog, und begleiteten jeden Run und Jump mit frenetischem Jubil, die selbst die Profis überraschte.

Rund um die großen Hindernisse verdichtete sich das Publikum zu einer beinahe geschlossenen Wand, während oben auf Balkonen und an Fenstern weitere Zuschauer standen und den Kurs aus einer Perspektive verfolgten, die man sonst nur aus den südamerikanischen Rennen kennt.

Gerade diese Nähe verlieh dem Wochenende seine besondere Intensität. Der Cerro Abajo raste mitten durch Stuttgart, entlang von Wohnhäusern, Kreuzungen, Parks und Stäffele, und erzeugte dadurch Szenen, die in ihrer Mischung aus Alltag und Ausnahme fast unwirklich wirkten. Mountainbikes standen mehrere Meter über einer Straße in der Luft, darunter drängten sich Menschen, dahinter die Fassaden des Heusteigviertels, darüber ein wolkenloser Spätsommerhimmel.

Die Fahrer selbst nahmen diese Euphorie sehr deutlich wahr. Sieger Alex Marin sprach nach seinem Lauf von einem unglaublichen Stuttgart, Nina Hoffmann zeigte sich überwältigt von der Masse und der Nähe des Publikums, und Johannes Fischbach stellte die Stimmung sogar in eine Reihe mit den legendären Rennen in Südamerika. Dass die Athleten nach ihren Runs immer wieder zuerst über die Zuschauer sprachen, erzählt viel über die Wucht dieses Wochenendes.

Sportlich gewann Alex Marin das Männerfinale in 1:44,033 Minuten vor Roger Vieira, der sich damit den Gesamtsieg der World Series sicherte. Johannes Fischbach kam bei seinem Heimrennen auf Rang sieben. Bei der erstmals bei einem offiziellen World-Series-Stopp ausgetragenen Frauenkonkurrenz gewann Paz Gallo aus Chile vor Nina Hoffmann.

Der größte Effekt lässt sich dennoch nicht Sekunden messen. Stuttgart zeigte sich vor einem internationalen Publikum mit genau jenen Eigenschaften, die diese Stadt unverwechselbar machen. Die Kessellage, die Stäffele, die Hanglagen, die engen Straßen und die dichte Bebauung wurden nicht geglättet oder kaschiert, sondern zum Zentrum des Ereignisses.

Und genau darin lag die besondere Qualität dieser Premiere. Red Bull Cerro Abajo hat Stuttgart nicht verfremdet, sondern verdichtet. Die Fahrer schufen aus der Topografie eine Rennlinie, das Publikum verwandelte die Route in eine kilometerlange Tribüne, und für zwei Tage entstand ein Stadtbild, das gleichermaßen archaisch, euphorisch und völlig neu wirkte.

90.000 Zuschauer bei einer Deutschlandpremiere, die im Vorfeld mit einem Bruchteil dieser Zahl kalkuliert war, sind eine klare Ansage. Stuttgart hat an diesem Wochenende gezeigt, wie groß die Wirkung sein kann, wenn ein internationales Format nicht über die Stadt gestülpt wird, sondern ihre Eigenheiten aufnimmt und verstärkt. Dieses Wochenende hat Stadtgeschichte geschrieben. Und einige dieser Bilder werden wir sehr lange nicht vergessen.

Foto: Julia Binder, Rechte: Stadt Stuttgart

Facts: Red Bull Cerro Abajo Stuttgart 2026

Event: Red Bull Cerro Abajo Stuttgart
Termin: 5. und 6. September 2026
Premiere: Erster Red Bull Cerro Abajo in Deutschland
Disziplin: Urban Downhill Mountainbike
Strecke: rund 1,2 Kilometer
Höhenunterschied: 130 Meter
Start: Weißenburgpark am Teehaus
Ziel: Wilhelmsplatz
Streckenverlauf: Weißenburgpark, Bopser, Heusteigviertel, Wilhelmsplatz
Besucher: rund 90.000 an beiden Tagen
Samstag: rund 30.000 Zuschauer beim Training
Sonntag: rund 60.000 Zuschauer bei Qualifikation und Finale
Ursprünglich erwartet: rund 25.000 Besucher
Sieger Männer: Alex Marin, Spanien
Siegerzeit: 1:44,033 Minuten
Zweiter: Roger Vieira, Brasilien
Gesamtsieger World Series: Roger Vieira
Johannes Fischbach: Platz 7 beim Stuttgarter Rennen
Siegerin Frauen: Paz Gallo, Chile
Zweite Frauen: Nina Hoffmann, Deutschland
Besonderheit: Erstmals wurde bei einem offiziellen Stopp der Cerro Abajo World Series eine Frauenkonkurrenz ausgetragen
Eintritt: frei
Fazit: 90.000 Menschen, volle Straßen und Stäffele und eine Stadt, deren Topografie selbst Teil des Rennens wurde. Red Bull Cerro Abajo hat bei seiner Deutschlandpremiere Stuttgarter Stadtgeschichte geschrieben.

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