Probefahrten: S-Bahn Stuttgart testet den “AutomatedTrain”

Colorful passenger train at a station on a sunny day, blue sky with white clouds, platform fence in foreground and a sign reading Korntal.

Wer aktuell im S-Bahn-Netz Stuttgart unterwegs ist, könnte ihn bereits gesehen haben: den auffälligen „AutomatedTrain“. Der bunt gebrandete Zug sammelt derzeit im Raum Stuttgart Daten und absolviert Probefahrten für eines der spannendsten Bahnprojekte Deutschlands.

Die Deutsche Bahn InfraGO AG testet gemeinsam mit mehreren Technologie- und Industriepartnern den vollautomatisierten Bahnverkehr der nächsten Generation. Im Fokus stehen fahrerlose Bereitstellungs- und Abstellungsfahrten sowie das automatische Auf- und Abrüsten von Zügen.

Konkret bedeutet das: Züge sollen künftig selbstständig aus Abstellanlagen zur ersten Station fahren können. Sensorik erkennt dabei Hindernisse auf den Gleisen und reagiert eigenständig darauf. Das Prinzip erinnert an autonomes Fahren auf der Straße, nur eben auf Schienen.

Bis 2026 werden dafür zwei Prototypen ausgerüstet. Einer davon ist ein Siemens-Mireo-Testzug, der auf einem Testgelände in Wegberg-Wildenrath komplett automatisiert unterwegs sein soll. Der zweite Zug fährt bereits im Stuttgarter S-Bahn-Netz und sammelt im laufenden Betrieb Daten für die intelligente Hinderniserkennung. Dabei bleibt der Fahrer weiterhin verantwortlich, die Technik läuft aktuell im sogenannten Schattenmodus mit.

Besonders interessant: Beide Fahrzeuge nutzen nahezu identische Hardware, arbeiten aber mit unterschiedlichen Softwarelösungen für die Umfeld- und Hinderniserkennung. Die Systeme werden anschließend miteinander verglichen und ausgewertet.

Hinter dem Projekt steckt ein großes Konsortium aus Bahnbranche, Industrie und Forschung. Mit dabei sind unter anderem Siemens Mobility, Bosch, DB Regio, die TU Dresden sowie weitere Technologiepartner. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Projekt mit rund 42,6 Millionen Euro.

Technologisch geht es dabei um deutlich mehr als klassische Automatisierung. Eingesetzt werden Sensorik zur Umfeldwahrnehmung, digitale Fahrzeugdaten, cloudbasierte Plattformen sowie Systeme zur präzisen Lokalisierung der Züge. Ziel ist der sogenannte GoA4-Standard, also vollautomatisierter fahrerloser Betrieb.

Und genau deshalb wirken diese aktuellen Sichtungen im Stuttgarter Netz fast ein wenig surreal: Zwischen Alltagspendlern, den vielen S-Bahn-Alltagsproblemen (Sternzeichen Weichenstörung & Vollsperrung) und Kesselpanorama fährt plötzlich ein Zug durch die Region, der bereits einen Blick auf die nächste Evolutionsstufe des Bahnverkehrs liefert.

Stuttgart wird damit erneut zum Reallabor für die digitale Schiene der Zukunft – und ist sowieso jetzt schon lange ein ständiger Schienenversuch.

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Colorful passenger train at a railway platform with a blue sky and green trees in the background; station sign reads Korntal.
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