
Jetzt ist es offiziell: Nach dem Lenkungskreis am heutigen Freitag, 26. Juni, hat die Deutsche Bahn den neuen Zeitplan für Stuttgart 21 offiziell vorgestellt, der schon seit Wochen zirkuliert. Wie der SWR berichtet, soll der Tiefbahnhof erst im Dezember 2031 in Betrieb gehen. Gleichzeitig steigen die Kosten des Projekts erneut. Der neue Finanzierungsrahmen liegt nun bei 14,5 Milliarden Euro.
Für viele Menschen in Stuttgart ist das kein überraschender Kurswechsel, sondern die Bestätigung einer Entwicklung, die sich seit Jahren abgezeichnet hat. Aus einem Projekt, das einst als „Neues Herz Europas“ und als eines der bestgeplanten Infrastrukturvorhaben Deutschlands angekündigt wurde, ist eine Dauerbaustelle geworden, die inzwischen ganze Generationen von Pendlern begleitet.
Wie der SWR weiter berichtet, stellte Bahnchefin Evelyn Palla nach dem Lenkungskreis einen neuen Stufenplan für die Inbetriebnahme vor. Bereits ab Dezember 2027 soll der sanierte Bonatzbau schrittweise geöffnet werden. Damit soll auch der berüchtigte „Fernwanderweg“ zu den Gleisen deutlich verkürzt werden.
Ende 2030 soll der Flughafenbahnhof in Betrieb gehen. Der eigentliche Tiefbahnhof für den Fernverkehr und große Teile des Regionalverkehrs folgt nach aktuellem Stand erst mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2031. Der bisherige Kopfbahnhof soll im Sommer 2032 endgültig außer Betrieb gehen. Erst im Dezember 2033 soll die Gäubahn über den Pfaffensteigtunnel und den Flughafen wieder vollständig an Stuttgart 21 angebunden sein.

Mindestens ebenso brisant ist die erneute Kostensteigerung. Nach Angaben des SWR beziffert die Bahn den neuen Finanzierungsrahmen für Stuttgart 21 inzwischen auf 14,5 Milliarden Euro. Das sind nochmals drei Milliarden Euro mehr als zuletzt kalkuliert. Diese Mehrkosten will die Deutsche Bahn selbst tragen. Rechnet man die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm und weitere Folgeprojekte hinzu, belaufen sich die Gesamtkosten des neuen Bahnknotens laut SWR inzwischen auf mindestens 25,4 Milliarden Euro.
Auch die Ursachen werden inzwischen konkreter benannt. Wie der SWR berichtet, zeigte eine monatelange interne Revision erhebliche Versäumnisse bei Planung und Umsetzung. Genannt werden unter anderem kilometerweise falsch verlegte Kabel, Probleme bei der Notstromversorgung, Schwierigkeiten bei der Digitalisierung des Bahnknotens sowie Mängel an einem bereits fertiggestellten Technikgebäude.
Für Stuttgart reichen die Folgen weit über den Bahnbetrieb hinaus. Jede weitere Verschiebung verzögert auch die Entwicklung des Rosensteinquartiers. Die frei werdenden Gleisflächen bleiben noch viele Jahre Bahngelände. Wohnungen, Parks, Schulen und neue Quartiere rücken damit weiter in die Zukunft.
Die Geschichte von Stuttgart 21 ist inzwischen längst nicht mehr nur die Geschichte eines Bahnhofs. Sie erzählt von immer neuen Zeitplänen, immer höheren Kosten und immer neuen Erklärungen. Nach sechzehn Jahren Baustelle steht nun zumindest eines fest: Aus Stuttgart 21 ist endgültig Stuttgart 31 geworden – zumindest Stand Juni 2026.
Oder auch: Ein absolutes Katastrophendebakel, das sich schon vor über 15 Jahren angekündigt hat.
