Stuttgart hat eines der besten ÖPNV-Angebote Deutschlands

Bei der S-Bahn kann Stuttgart zuverlässig Stoff für Diskussionen liefern. Beim grundsätzlichen Angebot von Bus und Bahn sieht die Lage allerdings erstaunlich stark aus: Im neuen ÖV-Atlas 2026 gehört Stuttgart zu den am besten angebundenen Großstädten Deutschlands.

Die Untersuchung schaut nicht darauf, ob eine Bahn heute pünktlich kommt. Gemessen wird, wie gut Menschen an ihrem Wohnort grundsätzlich mit öffentlichem Verkehr versorgt sind. Entscheidend sind die Entfernung zur nächsten Haltestelle, der Takt und das jeweilige Verkehrsmittel. Daraus entstehen Güteklassen von A bis F.

Stuttgart erreicht einen Durchschnittswert von 1,4 und damit Güteklasse A. Unter allen deutschen Großstädten liegt die Stadt damit direkt hinter Frankfurt am Main und gemeinsam mit München in der absoluten Spitzengruppe.

Besonders stark ist die Abdeckung im Stadtgebiet: 92 Prozent der Stuttgarter Bevölkerung leben in Bereichen mit den beiden besten Güteklassen A oder B. Unterhalb der Klasse D liegt in Stuttgart praktisch niemand.

Das erklärt sich vor allem durch das dichte Schienennetz. Die Stadtbahn verbindet Innenstadt, äußere Stadtbezirke und Teile der Region mit engen Takten, dazu kommen S-Bahn, Busse und Regionalverkehr. Gerade im Vergleich mit Großstädten ohne eigenes städtisches Schienensystem zeigt sich, wie entscheidend diese Infrastruktur ist.

Auch die Region profitiert davon. Ostfildern gehört bundesweit zu den am besten versorgten Mittelstädten, Fellbach und Ludwigsburg landen ebenfalls weit vorne. Viele der bestplatzierten Mittelstädte haben eines gemeinsam: eine direkte S-Bahn- oder Stadtbahnanbindung an ein großes Zentrum.

Yellow and green tram at an urban station with passengers waiting on the platform and modern buildings in the background, under a cloudy sky.

Stuttgart stark, Deutschland sehr unterschiedlich

Bundesweit fällt die Bilanz deutlich gemischter aus. Rund 30 Millionen Menschen verfügen über eine gute oder sehr gute Anbindung der Klassen A oder B. Gleichzeitig leben etwa 21 Millionen Menschen ohne gutes Grundangebot.

Als solches gilt ungefähr eine Haltestelle in 250 Metern Entfernung, an der werktags alle 30 Minuten ein Bus fährt. Für 5,6 Millionen Menschen erreicht das Angebot nicht einmal die schwächste Güteklasse F. Besonders betroffen sind ländliche Regionen.

Baden-Württemberg gehört im Vergleich der Flächenländer insgesamt zur Spitzengruppe. Gleichzeitig bleibt auch hier der Unterschied zwischen Stadt und Land sichtbar. Stuttgart sitzt dabei ziemlich komfortabel am oberen Ende der Skala.

Eine Einschränkung sollte man beim Ranking allerdings nicht vergessen: Der Atlas wertet Soll-Fahrpläne aus. Verspätungen, Ausfälle, Baustellen und Signalstörungen tauchen in der Bewertung nicht auf. Stuttgart besitzt also eines der besten geplanten Nahverkehrsangebote Deutschlands. Wie dieser Fahrplan im Alltag performt, steht auf einem anderen Blatt.

Gerade deshalb ist das Ergebnis interessant. Die Infrastruktur ist da, das Netz ist dicht und die Stadtbahn liefert ein ziemlich starkes Fundament. Die große Aufgabe liegt weniger darin, Stuttgart grundsätzlich an Bus und Bahn anzuschließen, als dieses bereits sehr gute Angebot im täglichen Betrieb zuverlässig auf die Straße und auf die Schiene zu bringen.

Stuttgart im ÖV-Atlas 2026

Deutschland-Ranking Großstädte: Platz 2
Durchschnittliche ÖV-Güte: 1,4
Güteklasse: A
Bevölkerung mit Klasse A oder B: 92 Prozent
Platz 1: Frankfurt am Main mit 1,3
Starke Städte der Region: Ostfildern, Fellbach und Ludwigsburg

Alle detaillierten Daten und mehr Infos

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