OB Nopper will Tempo 40 in Stuttgart wieder abschaffen

Frank Nopper will das flächendeckende Tempo 40 in Stuttgart kippen. In einem Schreiben an die neue Landesregierung fordert der Oberbürgermeister, dass auf vielen Hauptstraßen wieder Tempo 50 gelten soll. Begründung: Die Luftgrenzwerte würden seit Jahren eingehalten, deshalb gebe es keinen Anlass mehr, an den bestehenden Regelungen festzuhalten.

Konkret geht es um die großen Verkehrsachsen im Kessel, darunter Cannstatter Straße oder Pischekstraße. Dort sei Tempo 50 laut Nopper die angemessene Regelgeschwindigkeit. Tempo 30 solle nur noch an besonderen Gefahrenstellen angeordnet werden. Tempo 40 bezeichnet der OB faktisch als Ausnahmezustand, der weder zeitgemäß noch sinnvoll sei.

Die Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Städte in Deutschland genau den entgegengesetzten Weg diskutieren. Bundesweit setzen sich inzwischen hunderte Kommunen für mehr Freiheiten bei Tempolimits ein. Das Ziel: weniger Verkehrslärm, geringere Emissionen, höhere Verkehrssicherheit und lebenswertere Straßenräume.

Auch das Umweltbundesamt empfiehlt seit Jahren Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit. Die Behörde verweist auf positive Effekte für Luftqualität, Gesundheit und Unfallprävention. Studien und Modellrechnungen zeigen deutliche Entlastungen beim Verkehrslärm sowie eine sinkende Belastung durch Schadstoffe.

In europäischen Städten wie Paris oder Helsinki wurden Tempolimits zuletzt sogar ausgeweitet. Helsinki gilt dabei häufig als Referenzprojekt: Dort wurde Tempo 30 großflächig eingeführt, parallel sank die Zahl tödlicher Unfälle im Stadtverkehr massiv.

Während also andere Städte darüber diskutieren, wie Innenstädte menschenfreundlicher organisiert werden können, fordert Stuttgart nun wieder mehr Geschwindigkeit auf Hauptachsen und deshalb wirkt die Debatte deshalb wie ein politischer Rückwärtsgang.

Der Kessel zählt weiterhin zu den am stärksten belasteten Städten Deutschlands, topografisch verdichtet, eng bebaut, mit permanentem Verkehrsfluss durch Wohngebiete. Dass geringere Geschwindigkeiten den Verkehrsraum entschärfen, gilt mittlerweile vielerorts als nachvollziehbare städtebauliche Logik. Weniger Tempo bedeutet kürzere Bremswege, geringere Aufprallenergie und eine entspanntere Dynamik im Straßenraum.

Hinzu kommt: Das bisherige Tempo-40-Netz betrifft lediglich rund neun Prozent der Stuttgarter Straßen. Eingeführt wurde es ursprünglich im Rahmen des Luftreinhalteplans. Für viele Autofahrer gehört es inzwischen längst zum Alltag im Kessel.

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