
Am Stöckach war über Jahre dieses eigentümliche Stuttgarter Vakuum zu spüren. Ein Verkehrsknoten mit Dauerstrom aus Stadtbahnen, Autos und Menschen, dazu ein in die Jahre gekommener Gebäuderiegel, der den Platz eher abschirmte als öffnete. Viele liefen einfach durch. Jetzt steht dort ein neues Wohnquartier, das dem Ort erstmals wieder eine klare räumliche Struktur gibt.
Die neuen Gebäude am Stöckachplatz wirken dabei erstaunlich selbstverständlich, fast so, als hätten sie schon immer dort gestanden. Helle, fein gekörnte Fassaden, tiefe Fensterrahmungen und vier unterschiedlich hohe Baukörper greifen die Hanglage des Areals auf und ordnen den Platz neu. Zwischen Neckarstraße, Hackstraße und Landhausstraße entsteht dadurch eine neue Verbindung innerhalb des Quartiers.

Besonders prägend wirkt die breite Freitreppe zwischen den Häusern. Wo früher eher eine unübersichtliche Passage lag, zieht sich nun eine offene Treppenlandschaft nach oben Richtung Landhausstraße. Menschen sitzen auf den Holzauflagen, trinken Kaffee, warten auf die Stadtbahn oder beobachten das Geschehen rund um den Stöckachplatz. Der Ort hat dadurch eine neue Aufenthaltsqualität bekommen, ohne seine Dynamik als Verkehrsknoten zu verlieren.
Auch architektonisch steckt in dem Ensemble deutlich mehr Präzision, als es auf den ersten Blick scheint. Die gleichmäßig gerahmten Fenster bringen Rhythmus in die großen Fassadenflächen, während die versetzten Baukörper kleine Höfe, Durchgänge und halböffentliche Räume entstehen lassen. Gerade diese Übergänge zwischen öffentlichem Stadtraum und den geschützteren Innenbereichen verleihen dem Quartier eine angenehme Balance.

Hinzu kommt die typische Stuttgarter Topografie. Das Projekt arbeitet permanent mit Ebenen, Blickachsen und Höhenunterschieden. Von oben öffnet sich der Blick über den Platz und die Stadtbahngleise, unten rahmen die Gebäude den gesamten Bereich neu und geben dem Stöckach eine Präsenz, die dort lange gefehlt hat.
Im Inneren des Quartiers verbindet das Ensemble verschiedene Nutzungen miteinander. Entstanden sind Mietwohnungen, barrierefreie Einheiten, eine Kindertagesstätte, ein Stadtteil- und Familienzentrum mit Café sowie ein großer Supermarkt im Erdgeschoss. Dadurch entsteht kein abgeschlossenes Wohnprojekt, sondern ein neuer Baustein innerhalb des Viertels.

Bemerkenswert ist dabei weniger die reine Zahl der Wohnungen als die städtebauliche Reparatur, die hier gelungen ist. Der Stöckachplatz war lange ein Ort des Durchfahrens. Jetzt entstehen wieder Wege, kleine Aufenthaltsflächen, Innenhöfe und Verbindungen, die dem gesamten Bereich eine neue Lesbarkeit geben.

Noch ist nicht alles eingewachsen. Manche Grünflächen wirken fast zu sauber, einige Bereiche müssen ihre eigene Dynamik erst noch entwickeln. Aber genau darin liegt gerade die besondere Stimmung dieses Ortes. Der Stöckach befindet sich mitten in seiner eigenen Metamorphose.
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