
Nach Jahren aus Bauzäunen, Baustellenlärm und viel Geduld wird’s konkret: Ende 2026 soll der neue Stuttgarter Hauptbahnhof an den Start gehen. Dann rollen endlich die ersten Fern- und Regionalzüge durch den neuen Durchgangsbahnhof. Parallel gehen auch der neue Flughafenbahnhof und das Abstellgleis in Untertürkheim in Betrieb.
Damit bekommt die Region nicht nur ein besser vernetztes Schienensystem, so die Verheißung, sondern auch ein Bauwerk, das schon lange auf seinen Auftritt wartet. Fast 30 Jahre ist es her, dass der Architektenwettbewerb zur neuen Bahnsteighalle ausgelobt wurde. In mehreren Phasen setzte sich damals ein junger Architekt durch, der gleich am Beginn seiner Karriere den großen Wurf wagte: Christoph Ingenhoven.
In Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Ingenieur Frei Otto schlug er ein Konzept vor, das aus allen anderen Entwürfen hervorstach. Die Bahnsteighalle sollte nicht als schwerer Körper in den Stadtraum gedrückt werden, sondern als leichte, offene Struktur quer durchs Tal wirken – im Einklang mit dem denkmalgeschützten Bonatzbau, als Fortsetzung des städtischen Raums. Die Jury erkannte das Potential des Entwurfs und gab am 4. November 1997 (!!!) den Zuschlag. Jetzt, Jahrzehnte später, wird das Konzept Realität.
Jetzt ist auch klar: Der alte Kopfbahnhof bleibt noch bis Mitte 2027 in Betrieb, bevor er dann endgültig vom Netz abgekoppelt wird – das ist zumindest der aktuelle Plan der Bahn. Bis dahin laufen die letzten Übergangsphasen, unter anderem für die Gäubahn und die Verlängerung der S-Bahn-Stammstrecke mit der neuen Station Mittnachtstraße.
Reisezeiten werden kürzer, Verbindungen besser
Was lange geplant war, soll jetzt wirklich spürbar werden, so zumindest die Theorie: kürzere Fahrzeiten, neue Direktverbindungen, schneller zum Flughafen oder nach Ulm, Reutlingen, Friedrichshafen, Heilbronn oder München. Beispiel gefällig? Stuttgart–Flughafen in sechs Minuten. Stuttgart–Ulm mit dem ICE in 28 Minuten. Das alles natürlich unter dem Vorbehalt, dass der Fahrplan 2027 das auch so hergibt.
Umbauen ohne ganz stillzustehen
Ganz ohne Sperrungen läuft die Phase natürlich nicht. Vor allem 2026 und 2027 wird es rund um Stuttgart zu Einschränkungen kommen. Die S-Bahn-Stammstrecke wird – logo – zeitweise dicht sein, ebenso Abschnitte in Bad Cannstatt oder Richtung Filderstadt. Die Bahn plant zusammen mit Stadt, Land und Verkehrsunternehmen eine Kombination aus Ersatzverkehr, Umsteigemöglichkeiten und digitalem Fahrplanmanagement, damit niemand komplett auf dem Gleis bleibt.
Endlich Entlastung nach Jahren voller Umwege
Für die tägliche Fahrcommunity ist diese Nachricht längst überfällig. Seit Jahren geht’s für viele Bahnreisende im Großraum Stuttgart nur noch über Umwege, Ersatzbusse, zu Fuß durchs Chaos, mit Orientierung zwischen Provisorien und gesperrten Gleisen. Der Alltag auf den Bahnsteigen war oft mehr Baustellen-Slalom als Pendlerroutine. Jetzt sieht’s danach aus, als könnte diese Strapazen-Zeit bald Geschichte sein.
Nach Jahrzehnten des Wartens steht Stuttgart 21 kurz vor dem Go-Live. Wenn alles klappt wie geplant, könnte der neue Bahnknoten nicht nur architektonisch, sondern auch verkehrstechnisch ein Gewinn für die Region werden. In Stuttgart sind wir ja schon froh, wenn überhaupt mal wieder etwas fertig wird. Ob’s dann läuft, sehen wir dann.
