Neuer Abo-Rekord: Über ein Drittel der Stuttgarter nutzt Deutschlandticket

Stuttgart diskutiert täglich über Signalstörungen, Baustellenfahrpläne und die Frage, ob die nächste S-Bahn wirklich einfährt. Zwischen Schwabstraße und Flughafen, zwischen Waiblingen und Herrenberg gehört das kollektive Stirnrunzeln fast zum Ritual.

Und doch erzählen die Zahlen eine andere Geschichte: Das Deutschlandticket hat in der Region eine Dynamik entfaltet, die deutlich über das Tagesärgernis hinausweist.

Mehr als ein Drittel der Stuttgarter ist dabei

Zum Jahresende 2025 zählt der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart knapp 620.000 Abonnentinnen und Abonnenten. Seit Einführung des Deutschlandtickets im April 2023 haben sich die Abozahlen nahezu verdoppelt.

In Stuttgart nutzen 38 Prozent der Menschen das Deutschlandticket. In Esslingen und Ludwigsburg liegt der Anteil bei jeweils 27 Prozent, in Waiblingen bei rund 20 Prozent. Das Ticket ist damit kein Randprodukt, sondern Teil der urbanen Alltagslogik.

377 Millionen Fahrten im Jahr

2025 wurden rund 377,4 Millionen Fahrten mit Bus und Bahn im VVS-Gebiet gezählt. Rund 85 Prozent davon entfallen auf das Deutschlandticket oder das D-Ticket JugendBW. Besonders der Ausbildungsverkehr legte zu, ebenso die klassischen Zeitkarten.

Auch wirtschaftlich zieht das System an: Die Einnahmen stiegen auf 752 Millionen Euro, ein Plus von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der ÖPNV ist damit nicht nur Mobilitätsangebot, sondern relevanter Wirtschaftsfaktor in der Region.

Ausbau trotz Kostendruck

Parallel wächst das Angebot. Mit der Reaktivierung der Hermann-Hesse-Bahn rückt Calw näher an Stuttgart heran. Die Wieslauftalbahn ist wieder vollständig in Betrieb, die Stadtbahnlinie U1 wird perspektivisch mit längeren Zügen unterwegs sein.

Im Busverkehr gehen neue Linienbündel an den Start, vom Strohgäu bis in den Raum Göppingen. Das On-Demand-Angebot VVS-Rider kommt ebenfalls voran, zehntausende Nutzerinnen und Nutzer greifen inzwischen darauf zurück.

Gleichzeitig stehen die Verkehrsunternehmen unter Druck. Personal-, Energie- und Betriebskosten steigen um mehr als 6 Prozent. Die Tarifanpassungen der vergangenen Jahre konnten das nur teilweise auffangen. Nutzerinnen und Nutzer des Deutschlandtickets bleiben davon jedoch unberührt.

Zwischen Reibung und Realität

Die S-Bahn Stuttgart liefert Gesprächsstoff. Verspätungen, Bauphasen, technische Störungen. Der Ärger ist FUCKING real und brutal nervig, wenn man auf die Bahn angewiesen ist.

Ebenso real ist aber die positiv Entwicklung: Mehr als ein Drittel der Stuttgarterinnen und Stuttgarter setzt auf das Deutschlandticket. In einer Region mit hoher Pendlerdichte und eng verzahntem Arbeitsmarkt entsteht so ein neues Mobilitätsmuster.

Der ÖPNV bleibt Baustelle und zugleich Rückgrat. Das Deutschlandticket wirkt dabei wie ein Magnet im Netzwerk der Region. Trotz täglicher Reibung wächst die Akzeptanz. Und genau das ist die eigentliche Nachricht aus dem Kessel.

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