
Zwanzig Jahre lang war die Schräglage einer dieser Orte, die das Stuttgarter Nachtleben nicht einfach begleitet, sondern mitgebaut haben. Erst gegenüber vom Breuninger inklusive der legendären Dachterrasse mitten über der City, später paar Meter weiter in der heutige Base in der Hirschstraße, wo Woche für Woche komplett eskaliert wurde und mehrere Generationen ihren Stuttgart-Nightlife-Start erlebt haben. Wer jung war, neu in die Stadt kam, landete früher oder später in der Schräglage. Manche nur für einen Abend, viele gleich für ein ganzes Kapitel ihres Lebens.
Jetzt geht diese Ära zu Ende. Die Betreiber haben vor einigen Wochen angekündigt, dass der komplette Juni zum Closing-Monat wird. Am 27. Juni 2026 ist endgültig Schluss.

Die Schräglage war über zwei Jahrzehnte einer der wichtigsten Hip-Hop-Spots der Stadt. Trettmann, Marteria, Haftbefehl, Deichkind, dazu unzählige nationale und internationale DJs, verschwitzte Nächte, komplett überfüllte Donnerstage, Freitage, Samstage und dieser ganz eigene Mix aus Youngstars, Studierenden, Nachtschwärmern, Stammgästen und Menschen, die eigentlich “nur kurz” vorbeischauen wollten. Stuttgart hat hier nicht selten bis morgens kollektiv die Kontrolle verloren, Moshpit-Kreis inklusive.

Vor allem aber war die Schräglage immer auch ein sozialer Magnet. Freundschaften entstanden an der Bar, WG-Castings wurden am Kicker entschieden, manche Liebesgeschichte begann auf dem Dancefloor (und später Hochzeit, tatsächlich passiert). Die Schräglage hatte nie dieses sterile Hochglanz-Clubding, sondern genau die richtige Mischung aus Abriss, Niederschwelligkeit und diese brutale Stuttgart-Energie.
Dass sich das Nachtleben verändert, spürt die komplette Branche seit Jahren. Große Clubstrukturen funktionieren anders als früher, einzelne kuratierte Events ziehen mittlerweile oft stärker als feste Wochenprogramme. Genau darauf reagiert jetzt auch die Schräglage GmbH. Aus dem Club wird künftig die Eventlocation „h14“.
Die Fläche in der Hirschstraße soll künftig für unterschiedlichste Formate geöffnet werden. Hip-Hop bleibt Teil der DNA, gleichzeitig sollen dort künftig auch elektronische Nächte, Konzerte, Business-Events oder private Veranstaltungen stattfinden. Nicht mehr die feste Clubmarke steht im Mittelpunkt, sondern das jeweilige Event.

Die Betreiber selbst sind ohnehin längst breiter aufgestellt. Neben der Schräglage verantwortet das Unternehmen unter anderem das VfB-Clubrestaurant inklusive der Bewirtung des Profikaders, das Catering der MHP Arena in Ludwigsburg sowie Beteiligungen wie das Brauhaus BROW in Leonberg. h14 ist deshalb weniger ein abruptes Ende als vielmehr die nächste Evolutionsstufe.

Ganz verschwinden soll die Schräglage ohnehin nicht. Für die Zukunft ist bereits ein neues „Schräglage-Headquarter“ geplant. Ein Ort, an dem die Hip-Hop-DNA der vergangenen zwanzig Jahre weiterlebt, nur anders gedacht. Vielleicht früher am Tag, vielleicht mit Kaffee statt Vodka Soda zum Einstieg, später dann wieder mit Beats bis tief in die Nacht.
Vorher wird im Juni aber erstmal noch ein letztes Mal komplett abgerissen. Vier Wochen Ausnahmezustand in der Hirschstraße. Ein letztes Kapitel für einen Club, der Stuttgart über zwei Jahrzehnte geprägt hat wie kaum ein anderer.
Schräglage Stuttgart
noch bis Ende Juni 2026
Hirschstraße 14
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