
Manchmal schreibt diese Stadt ihre Pointen selbst. Seit Juni sind in Stuttgart tatsächlich Müll-Sheriffs unterwegs. Sie tragen orangefarbene Arbeitskleidung, durchsuchen illegal abgestellte Abfälle nach verwertbaren Spuren und dokumentieren ihre Funde so, dass daraus ein Bußgeldverfahren entstehen kann. Das gibt es natürlich nur in Stuttgart. Wenn es hilft, gell.
Der offizielle Name klingt etwas nüchterner: Entsorgungsüberwachung der Abfallwirtschaft Stuttgart. Das aktuelle Team besteht aus einem Teamleiter und drei Mitarbeitenden, zum Jahreswechsel sollen fünf weitere Beschäftigte hinzukommen.
Oberbürgermeister Frank Nopper hat die Truppe bei einem Einsatz an der Rotenwaldstraße in Stuttgart West begleitet und dabei erlebt, wie aus einem Haufen Kartons, Tüten und Verpackungen ein möglicher Fall wird.
Die Müll-Sheriffs suchen wilde Ablagerungen, gehen Hinweisen aus der Bevölkerung nach und prüfen den Müll auf Adressen, Rechnungen oder andere Belege, die Rückschlüsse auf die Verursacher zulassen. Anschließend veranlassen sie die Beseitigung und übergeben rechtssicher dokumentierte Fälle an das Amt für Umweltschutz. Aufräumen müssen sie selbst nicht, dafür sind die Straßenreinigung und die Sperrmüllabholung der AWS zuständig.
Schon während der Einarbeitung wurden über 280 Fälle bearbeitet. Bei 47 Ablagerungen fanden sich Hinweise auf mögliche Verantwortliche, in 21 Fällen reichte das Material für die Einleitung eines Bußgeldverfahrens.
Illegale Müllentsorgung kann in Stuttgart mit bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Zwischen Bananenkarton, Versandtasche und altem Hausrat kann ein liegen gelassener Brief damit ziemlich teuer werden.
Erfasste Müllstellen werden mit rot weißem Band und Informationsblättern markiert. Das soll verhindern, dass verschiedene städtische Stellen denselben Haufen mehrfach melden. Gleichzeitig informieren die Mitarbeitenden über die richtige Entsorgung und suchen den Austausch mit Initiativen und Einrichtungen in den Stadtteilen.
Hintergrund ist eine deutliche Zunahme wilder Müllablagerungen seit der Corona-Pandemie. Matratzen an Glascontainern, Säcke neben Papierkörben und halbe Wohnungseinrichtungen auf dem Gehweg gehören inzwischen zum Stadtbild, obwohl Stuttgart für nahezu jeden Gegenstand einen geregelten Entsorgungsweg anbietet.
Wer illegal abgestellten Müll entdeckt, kann ihn unter hallo-aws@stuttgart.de melden. Ein genauer Standort und aussagekräftige Fotos helfen bei der Bearbeitung. Vielleicht lösen die Müll-Sheriffs das Problem nicht allein, aber sie erhöhen zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass die Rechnung am Ende dort landet, wo vorher schon der Müll gelandet ist.
Facts
Seit: Juni 2026
Team: Ein Teamleiter und drei Mitarbeitende
Geplante Verstärkung: Fünf weitere Beschäftigte zum Jahreswechsel
Aufgabe: Illegale Müllablagerungen prüfen, dokumentieren und mögliche Verursacher ermitteln
Bearbeitete Fälle: Über 280
Hinweise auf Verursacher: 47 Fälle
An Amt für Umweltschutz übergeben: 21 Fälle
Mögliches Bußgeld: Bis zu 10.000 Euro
Müll melden: hallo-aws@stuttgart.de
