Maßnahme gegen Stau: Stuttgart erlaubt Autos auf Stadtbahngleisen

Busy elevated road with cars on both sides and a yellow tram traveling on tracks in the center, skyline in the distance under a blue, cloudy sky.

Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Die Landeshauptstadt Stuttgart geht nach eigenen Angaben neue Wege im Kampf gegen Staus und überlastete Straßen. Ab sofort dürfen Autofahrerinnen und Autofahrer auch die Stadtbahngleise nutzen. Das zumindest verkündete die Stadt am Donnerstag im Rahmen eines ambitionierten Mobilitätskonzepts.

Der Gedanke dahinter klingt ebenso einfach wie revolutionär: Während sich auf den Straßen der Verkehr meterweise durch die Stadt schiebt, liegen die Stadtbahngleise oft minutenlang ungenutzt zwischen den Haltestellen. Dieses bislang brachliegende Potenzial soll nun erschlossen werden.

„Wir müssen endlich out of the box thinken“, erklärt ein Sprecher der Stadt. „Die Gleise werden einfach viel zu wenig genutzt. Da fährt alle paar Minuten eine Bahn durch und dazwischen passiert praktisch nichts. Das ist wertvoller Verkehrsraum.“

So funktioniert das neue Konzept

Die Anwendung sei denkbar einfach. Autofahrer suchen sich zunächst eine geeignete Stelle, um auf die Gleise zu gelangen. Empfohlen werden Bahnübergänge, Haltestellen oder andere Stellen entlang des Stadtbahnnetzes.

Anschließend gilt es, kurz abzuwarten, bis eine Stadtbahn vorbeigefahren ist. Danach könne man sich laut Konzept direkt hinter die Bahn einordnen und die freie Trasse nutzen.

„Die Stadtbahn kennt den Weg bereits. Warum also nicht einfach hinterherfahren?“, heißt es aus dem Rathaus.

Besonders auf bekannten Stauachsen wie der Heilbronner Straße, der B14 oder rund um den Charlottenplatz verspricht sich die Verwaltung erhebliche Zeitgewinne.

Pilotprojekt am Pragsattel sorgt für Begeisterung

Erste Testfahrten sollen laut Stadt bereits erfolgreich verlaufen sein. Ein Teilnehmer berichtet von einer Fahrt vom Pragsattel bis zum Hauptbahnhof ohne einen einzigen klassischen Stau.

„Die Stadtbahn vor mir hat zwar mehrfach angehalten, aber immerhin stand ich nicht im Berufsverkehr“, erklärt der Mann zufrieden.

Auch die Parkplatzsuche könnte künftig vereinfacht werden. Denkbar sei langfristig ein sogenanntes „Park & Rail“-System, bei dem Fahrzeuge direkt zwischen den Schienen abgestellt werden.

SSB prüft Ergänzungen

Bei der SSB denkt man offenbar bereits weiter. Diskutiert werde unter anderem die Einführung einer gemeinsamen Spur für Stadtbahnen, Autos, Fahrräder, E-Scooter, Lieferdienste und gelegentlich auch Reisebusse. „Multimodale Flächennutzung ist die Zukunft“, heißt es aus dem Umfeld des Projekts.

Kritiker verweisen allerdings darauf, dass Stadtbahnen auf den Gleisen weiterhin Vorfahrt hätten. Die Stadt sieht darin kein Problem. „Wer regelmäßig in Stuttgart Auto fährt, ist kreative Verkehrsführungen ohnehin gewohnt.“

Startschuss fällt sofort

Die neue Regelung soll nach Angaben der Stadt unmittelbar gelten. Autofahrer werden gebeten, sich bei Begegnungen mit Stadtbahnen kooperativ zu verhalten und gegebenenfalls kurz auf die Straße auszuweichen.

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