
Mitten in Stuttgart-Ost ist die Werderstraße abgesackt. Unter der Asphaltdecke hat sich ein trichterförmiger Hohlraum gebildet, ausgelöst durch einen beschädigten Entwässerungskanal. Die Straße bleibt zwischen Hackstraße und dem Kreisverkehr an der Heilandskirche voraussichtlich rund vier Wochen gesperrt.
Entdeckt wurde das Loch von einem Anwohner. Die Polizei sicherte die Stelle zunächst ab, kurz darauf übernahm das Tiefbauamt und sperrte den Abschnitt großflächig. Eine Kamerafahrt durch den Kanal brachte anschließend die Ursache ans Licht.
Ein Kanal von 1914
Unter der Werderstraße verläuft in rund sieben Metern Tiefe ein gemauerter Entwässerungskanal im sogenannten Ei-Profil. Er stammt aus dem Jahr 1914. An einer Schadstelle hatte der Zement zwischen den Mauersteinen über die Jahre seine Bindung verloren. Bei starkem Regen lösten sich schließlich einzelne Steine, Erdreich wurde ausgespült und durch den Kanal abtransportiert.
So entstand nach und nach der Hohlraum unter der Straße. Er ist trichterförmig, an seinem tiefsten Punkt rund einen Meter breit und weitet sich direkt unter der Asphaltdecke auf etwa vier Meter Durchmesser aus. Am Ende hielt nur noch die Straßendecke.
Die Stuttgart betont ausdrücklich: Der Schaden hat nichts mit Anhydrit oder Gipskeuper zu tun. Ursache ist der defekte Kanal und das dadurch ausgespülte Erdreich.

Neues Betonrohr, vier Wochen Sperrung
Der beschädigte Bereich wird nun geöffnet und saniert. Im Bereich der Schadstelle soll ein neues Ei-Profil-Rohr aus Beton eingesetzt werden. Die Arbeiten dauern nach aktueller Planung etwa vier Wochen.
Währenddessen bleibt die Werderstraße zwischen Hackstraße und Kreisverkehr gesperrt. Eine örtliche Umleitung wird noch abgestimmt.
Unter Stuttgart arbeitet ein riesiges Netz aus alten und neuen Kanälen, viele davon seit weit über hundert Jahren. In der Werderstraße ist eines dieser unterirdischen Kapitel jetzt ziemlich sichtbar an der Oberfläche angekommen.
