Stuttgarter Leonhardsplatz wird autofrei und bekommt deutlich mehr Grün

Yellow church with a tall clock tower on a roundabout, blue sky overhead and street barriers in front.

Der Leonhardsplatz Stuttgart steht vor einer grundlegenden Neuordnung. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik hat die Umgestaltung des Areals rund um die Leonhardskirche, das Gustav Siegle Haus und das künftige Stuttgart Moving Image Center beschlossen. Aus dem heute von Straßen, Stellplätzen und einzelnen Restflächen zerschnittenen Stadtraum soll ein zusammenhängender Quartiersplatz entstehen.

Die Leonhardskirche bildet seit Jahrhunderten das Gravitationszentrum des Viertels, bleibt im gegenwärtigen Straßenraum jedoch eigentümlich isoliert. Fahrbahnen führen eng an ihren Mauern vorbei, Absperrgitter, Verkehrsschilder und Baustellenelemente bestimmen vielerorts das Bild. Die historische Architektur ist präsent, doch der Platz um sie herum besitzt bislang kaum eine erkennbare Ordnung.

Genau dort setzt die geplante Umgestaltung an. Der Leonhardsplatz soll zur Fußgängerzone werden und die bisher getrennten Bereiche miteinander verbinden. Die Verbindung zwischen Leonhardstraße und Esslinger Straße erhält dabei eine zentrale Rolle. Statt mehrerer kleiner Verkehrsinseln soll eine großzügige Platzfläche entstehen, die Wege bündelt und den Raum rund um die Kirche wieder als Ganzes erfahrbar macht.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Klimaanpassung. Vorgesehen sind entsiegelte Flächen, über die Regenwasser nach dem Prinzip der Schwammstadt versickern kann. Der vorhandene Baumbestand soll erhalten und ergänzt werden. Weitere Bepflanzungen sollen Schatten schaffen und die aufgeheizten Steinflächen im Quartier reduzieren. Damit verändert sich nicht allein das Erscheinungsbild des Leonhardsplatzes, sondern auch seine Funktion innerhalb der dicht bebauten Innenstadt.

Auch der Autoverkehr wird neu geordnet. Die bestehenden Stellplätze sollen vom Platz verschwinden. Ersatz ist im geplanten Breuninger Park vorgesehen, der derzeit wenige Meter entfernt entsteht. Rund um die Leonhardskirche soll dadurch ein weitgehend autofreier Bereich wachsen, der den Stadtraum stärker für Fußgängerinnen und Fußgänger öffnet.

Die Umsetzung erfolgt in zwei Etappen. Zunächst wird der etwa 4.500 Quadratmeter große Abschnitt zwischen Leonhardskirche, Esslinger Straße und dem künftigen Stuttgart Moving Image Center bearbeitet. Dieser Bereich soll bis zur Eröffnung des SMIC im Jahr 2029 fertiggestellt sein.

Anschließend folgt der rund 5.500 Quadratmeter große zweite Abschnitt rund um die Kirche und das Gustav Siegle Haus. Für dessen vollständige Realisierung ist ein Zeitraum von bis zu zehn Jahren vorgesehen.

Im Herbst 2026 startet ein europaweites Vergabeverfahren, über das ein Planungsbüro ausgewählt wird. Die Planungskosten für den ersten Bauabschnitt werden auf etwa 600.000 Euro geschätzt. Da der Leonhardsplatz Teil des Sanierungsgebiets Stuttgart 33 Katharinenplatz ist, können Fördermittel von bis zu 250 Euro pro Quadratmeter eingesetzt werden. Ein Stadtteilmanagement und eine Bürgerbeteiligung begleiten das Projekt. Einzelne Elemente sollen zunächst zeitlich begrenzt erprobt werden.

Der Beschluss markiert den Auftakt für einen langen Umbauprozess. Bis der gesamte Leonhardsplatz seine neue Gestalt erhält, werden einige Jahre vergehen. Die Richtung ist jedoch gesetzt: weniger Asphalt, weniger parkende Autos, mehr Grün und ein Platz, der die Leonhardskirche, die umliegenden Kulturorte und das Quartier räumlich miteinander verbindet.

Yellow stone church with a tall clock tower and red-tiled roof on a sunny day, with trees and a city street nearby.

Facts

Ort: Leonhardsplatz, Stuttgart Mitte
Fläche: insgesamt rund 10.000 Quadratmeter
Erster Bauabschnitt: rund 4.500 Quadratmeter
Fertigstellung erster Abschnitt: geplant bis 2029
Zweiter Bauabschnitt: rund 5.500 Quadratmeter
Planungskosten: rund 600.000 Euro
Geplant: Fußgängerzone, Entsiegelung, neue Bäume, Begrünung, Schwammstadt Prinzip
Planungsstart: europaweites Vergabeverfahren ab Herbst 2026

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