Leerstehender Kaufhof: Stadtisten fordern Leben im Herzen der Innenstadt

Die Zukunft der ehemaligen Galeria Kaufhof an der Eberhardstraße bleibt eines der spannendsten Kapitel der Stuttgarter Stadtentwicklung. Kaum ein anderer Ort im Herzen der Innenstadt hat in den vergangenen Jahren einen vergleichbaren politischen Richtungswechsel erlebt.

2021 sollte das markante Gebäude einer neuen Zentrale der Deutschen Bundesbank weichen. Der damalige Kaufhof-Eigentümer René Benko konnte für dieses Vorhaben politische Mehrheiten gewinnen. Bekanntlich kam es anders. Nach der Insolvenz des Signa-Konzerns übernahm die Stadt Stuttgart die Immobilie für 58,5 Millionen Euro.

Es folgte die nächste Vision. 2024 sprach sich der Gemeinderat dafür aus, das Bestandsgebäude zu erhalten und als „Haus der Kulturen“ umzubauen. Auch die freie Tanz- und Theaterszene sollte dort eine neue Heimat finden. Die angespannte Haushaltslage setzte diesen Plänen jedoch ein Ende.

Nun steht die dritte große Weichenstellung bevor. Im Juli 2026 soll der Gemeinderat über die künftige Nutzung entscheiden. Derzeit zeichnet sich eine Mehrheit für einen Verwaltungsstandort der Stadt Stuttgart ab.

In die Debatte schalten sich nun auch die Stuttgarter Stadtisten ein. Für sie steht vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Welche Rolle soll dieser Ort künftig für die Stadtgesellschaft spielen? An einer der zentralsten Adressen Stuttgarts dürfe kein Gebäude entstehen, das nach Büroschluss seine Strahlkraft verliert und die Umgebung den Abendstunden überlässt.

Der Blick richtet sich dabei auf die unteren Ebenen des Gebäudes. Die beiden Erdgeschosse sowie die großzügigen Untergeschosse bieten Flächen, die weit über klassische Büronutzungen hinausreichen. Aus Sicht der Stadtisten braucht es dort Begegnungsorte, kulturelle Angebote, demokratische Beteiligungsformate und Nutzungen, die Menschen auch nach Feierabend in die Innenstadt ziehen.

Die Diskussion um den Kaufhof entwickelt sich damit zunehmend zu einer Grundsatzfrage: Wie kann ein Verwaltungsstandort gleichzeitig ein lebendiger Baustein der Innenstadt bleiben? Gerade an einem Ort, an dem täglich Tausende Menschen unterwegs sind, geht es um weit mehr als die Unterbringung von Arbeitsplätzen. Es geht um die Frage, welche Art von Innenstadt Stuttgart in den kommenden Jahrzehnten haben möchte.

Fest steht: Nach Bundesbank-Plänen, Kulturhaus-Konzept und Verwaltungslösung erlebt der Kaufhof bereits die dritte große Zukunftserzählung innerhalb weniger Jahre. Welche Version am Ende Realität wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen.

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