
Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt. Jahrzehntelang waberte die Identität von Banksy durch die globale Aufmerksamkeitsökonomie wie ein gut gesetztes Stencil im Nebel. Ein Phantom mit politischer Schlagseite, ein Zeremonienmeister der urbanen Chiffren, dessen Arbeiten zwischen London, Bethlehem und New York zirkulierten. Und Stuttgart? Saß im Resonanzraum, schaute zu, vielleicht mit einem leichten Grinsen.
Jetzt kippt die Erzählung.
Banksy soll kein Brite sein. Kein Bristol-Mythos, kein UK-Underground. Sondern ein Produkt des Kessels. Genauer: Bohnenviertel. Ein Habitat, das ohnehin gern zwischen Kunst, Nacht und leichten Dissonanzen mäandert.
Der Auslöser liest sich wie ein Kunstkrimi mit leichtem Ideenkitsch. Ein zurückgelassener Plotter, irgendwo zwischen Hinterhof und Werkstatt. Kein kleines Gadget, sondern ein ausgewachsenes Vehikel der Bildproduktion. Die Stuttgarter Forensik stößt auf Farbreste, deren Signatur verdächtig vertraut wirkt. Die Spur verdichtet sich.
Weitere Analysen führen zu einem Muster, das sich durch internationale Arbeiten zieht. Dieser Plotter reist, so die These, um die Welt, gespeist von einem mobilen Mini-Atomkraftwerk. Klingt nach Science-Fiction, fühlt sich aber im Panoptikum dieser Story fast schon folgerichtig an.
Alle Linien laufen im Bohnenviertel zusammen. Dort soll, abgeschirmt vom flanierenden Publikum, eine Werkstatt existieren, in der jene Motive entstehen, die später als globale Ikonen Wände kapern. Die Ermittlungen verdichten sich weiter. Spürhunde schlagen an. Namen tauchen auf. Keine Aliase, keine Masken mehr.
Bernd Ankermeier und Birgit Ansinger.
Ein Duo. Stuttgart. Banksy.
Man muss sich das kurz auf der Zunge zergehen lassen. Während „Love is in the Bin“, das geschredderte Ballonmädchen, einst als Artefakt in der Staatsgalerie hing und der Kunstmarkt kollektiv Schnappatmung bekam, lief parallel im Kessel womöglich eine ganz eigene Produktion.

Was bleibt, ist ein Moment zwischen Fassungslosigkeit und leiser Euphorie. Stuttgart als möglicher Ursprung eines der einflussreichsten Streetart-Phänomene unserer Zeit. Wie belastbar diese Geschichte ist, wird sich zeigen. Die Diskurslage hat jedenfalls ein neues Gravitationszentrum und das liegt, ganz unscheinbar, zwischen Kopfsteinpflaster und Hinterhof im Bohnenviertel.
Wir bleiben dran.
