Kletti im Übergang: Sanftes Facelift für die Arnulf-Klett-Passage

Die Arnulf-Klett-Passage gehört zu den Orten in Stuttgart, die man nicht bewusst ansteuert und dennoch ständig durchquert. Unter dem Hauptbahnhof bündelt sich hier der gesamte Energiestrom der Stadt, ein dicht getaktetes Netzwerk aus S-Bahn, Stadtbahn, Bus und Innenstadtzugang. Fünfzig Jahre nach ihrer Eröffnung steht die Passage nun vor einer behutsamen Überarbeitung.

Die Kletti, wie sie von den Ultra-Fans genannt wird, bewegt sich dabei seit jeher in einer eigentümlichen Ambivalenz. Viele lieben ihn als unverzichtbare Abkürzung im urbanen Alltag, andere lesen ihn als Unort, als Durchgang ohne Aufenthaltsqualität. Kaum ein Platz in der Stadt erzeugt so konstante Dissonanzen in der Wahrnehmung. Und als wäre das nicht schon Teil des kollektiven Denkmusters, verschwindet nun auch noch der Crobag-Bäcker aus dem Gefüge, ein weiterer kleiner Marker im Alltag vieler Pendler.

Die SSB hat Anfang 2026 die Verantwortung für die Ladenflächen und die technische Infrastruktur übernommen und richtet den Blick auf eine schrittweise Weiterentwicklung. Im Zentrum steht kein umfassender Umbau, sondern ein sanftes Facelift mit klar definierten Prioritäten. Funktionalität, Sicherheit, Sauberkeit und eine nachvollziehbare Wegeführung bilden die Leitplanke für alle Maßnahmen.

Täglich passieren rund 100.000 Menschen allein den Stadtbahnbereich. Die Passage ist damit eines der zentralen Gravitationszentren der Stadt. Entsprechend liegt der Fokus darauf, Abläufe zu ordnen und die Orientierung zu verbessern. Sichtachsen werden geöffnet, Strukturen entzerrt, Übergänge klarer markiert.

Ein prägnanter Eingriff betrifft die ehemalige BW-Bank-Filiale im Zentrum der Passage. Die seit Jahren leerstehende Fläche wird zurückgebaut. Ziel ist mehr Offenheit, mehr Übersicht, weniger Rückzugsräume in den Randzonen. Die Passage gewinnt an Transparenz, Wegebeziehungen werden unmittelbarer lesbar.

Parallel dazu wird die Präsenz der Stadtreinigung verstärkt. Ein eigener Stützpunkt vor Ort sorgt dafür, dass Sauberkeit als kontinuierlicher Prozess organisiert wird. Ergänzt wird das durch Anpassungen im Nutzungsmix der Ladenflächen, die stärker auf die Bedürfnisse der täglichen Passantenströme ausgerichtet werden.

Die aktuelle Phase ist als Interim angelegt. Eine grundlegende Neugestaltung hängt von übergeordneten Entwicklungen ab, insbesondere vom Fortschritt bei Stuttgart 21 und der künftigen Gestaltung des Arnulf-Klett-Platzes. Erst wenn sich die Strukturen an der Oberfläche neu ordnen, kann auch unterirdisch umfassender umgebaut werden.

Ab 2028 sind zudem Maßnahmen zur Brandschutzertüchtigung in den Stadtbahnbereichen vorgesehen. In diesem Zuge werden auch zusätzliche Aufzüge eingebaut, was die Erreichbarkeit der Bahnsteige verbessert und die Passage funktional weiter stärkt.

Die Kletti bleibt damit ein hochfrequentierter Durchgangsraum, ein Ort zwischen Notwendigkeit und Gewöhnung, zwischen Ablehnung und täglicher Nutzung. Stuttgart verdichtet sich hier unter der Erde in seiner ganzen Widersprüchlichkeit, und genau dort setzt dieses Facelift an, nicht als große Inszenierung, sondern als konsequente Weiterentwicklung eines Raums, der jeden Tag performt.

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