INVINCIBLE: Alexander Höller bringt seine Dämonen nach Stuttgart

Artist on a ladder painting bright, abstract murals in a cluttered art studio with paint cans on the floor
Alle Fotos: Felix M Stein

Es gibt Ausstellungen, die hängen Bilder an weiße Wände. Und es gibt diese Momente, in denen ein Raum plötzlich anfängt zu pulsieren. Die neue Soloshow von Alexander Höller in der BETTER GO SOUTH Gallery gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Am Freitag, 8. Mai, startet in der Rotebühlstraße die Ausstellung „INVINCIBLE“ – und damit die erste Soloausstellung des Münchner Künstlers in Stuttgart.
Für die Stadt ist das ein ziemlich spannender kultureller Aufschlag, denn Höller bewegt sich längst in jener internationalen Umlaufbahn zwischen München, Wien, Miami, London und Berlin, in der zeitgenössische Kunst zur eigenen Aufmerksamkeitsökonomie geworden ist.

Schon die ersten Motive der Serie „DEMONS“ wirken wie ein Farbrausch mit offenem Nervensystem. Gesichter zerfließen in geometrische Fragmente, Augen tauchen an Stellen auf, an denen man sie nicht erwartet, Münder kippen zwischen Grinsen und Grimasse. Diese Leinwände haben etwas Cartoonhaftes und zugleich etwas zutiefst Existenzielles. Ein psychedelisches Panoptikum aus Emotion, Kontrollverlust und Energie.

Two large abstract paintings in a white gallery: left pink piece with cartoonish faces, right bright, chaotic shapes and lines on neon colors.

Besonders die großformatigen Arbeiten in Pink, Neonorange, Türkis und giftigem Gelb entfalten eine beinahe körperliche Intensität. Die Figuren wirken wie Wesen aus einem digitalen Fiebertraum, irgendwo zwischen Basquiat-Resonanzraum, Popästhetik und innerem Echoraum. Man bleibt an ihnen hängen, weil sie nicht dekorativ funktionieren wollen. Sie ziehen einen hinein.

Auch die Atelieraufnahmen erzählen viel über Höllers Arbeitsweise. Der Boden voller Farbschlieren, Spraydosen, halb fertiger Leinwände und dieser eigentümlichen kreativen Entropie, die große Malerei oft begleitet. Höller liegt zwischen seinen Werken auf dem Boden, klettert auf Leitern, arbeitet direkt mit den Händen an den Oberflächen. Seine Bilder entstehen nicht geschniegelt im Elfenbeinturm, sondern mitten in einem vibrierenden Prozess aus Kontrollverlust und Präzession.

Person lying on a paint-splattered floor of a graffiti studio, surrounded by spray cans, a ladder, and colorful murals.

Genau dort setzt auch die Serie „DEMONS“ an. Entstanden ist sie während einer Phase persönlicher Selbstreflexion. Innere Konflikte, Zweifel und Ängste wurden zum Ausgangspunkt für jene Werkreihe, die nun in Stuttgart zu sehen ist. Interessant daran ist weniger die klassische Künstlererzählung vom Leid, sondern wie Höller daraus visuelle Kraft extrahiert. Die Dämonen erscheinen nicht bedrückend, sondern transformiert. Fast spielerisch. Fast überdreht. Als würden sie ihren eigenen Schrecken auffressen.

Dass Höller parallel an mehreren Leinwänden arbeitet und Bilder teilweise monatelang ruhen lässt, spürt man den Arbeiten an. Die Werke wirken nicht spontan hingeworfen, obwohl sie genau diese unmittelbare Energie transportieren. Unter den wilden Linien liegt eine hochpräzise Komposition aus Rhythmus, Wiederholung und Verdichtung.

Die BETTER GO SOUTH Gallery liefert mit „INVINCIBLE“ jedenfalls einen jener Abende, die Stuttgart kulturell richtig gut stehen. Keine sterile White-Cube-Inszenierung, sondern eine Ausstellung mit Temperatur, Reibung und einer Bildsprache, die sich tief ins Gedächtnis fräst.

Die Eröffnung findet am Freitag, 8. Mai 2026, von 18 bis 22 Uhr statt. Die Ausstellung läuft bis 22. Mai.
Homepage Better Go South Gallery

Black-and-white portrait of a tattooed man in a dark blazer, looking at the camera.
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