
Es ist immer noch kaum zu glauben, aber nach 17 Jahren endet eine Ära am Hans-im-Glück-Brunnen. Ein einzigartiger Ort verschwindet, und mit ihm auch ein Stück weit das Lebensgefühl einer ganzen Zeit, die über diesen Platz hinweg geflossen ist, zunächst geprägt von jenen Pionieren, wie eben dieser Laden, die Mitte und Ende der Nullerjahre aufpoppten. Das Kottan war (und ist es noch bis Ende September 2025) ein Fixpunkt des Stuttgarter Nachtlebens.
2008 öffnete Andreja Maros ihre erste eigene Bar, nachdem sie längst eine Instanz im Stuttgarter Nachtleben war. Ob im superkultigen Oblomow, dem legendär-mystischen Club Le Fonque am Wilhelmsplatz, die Bar im Westen, die Schräglage, all diese Stationen prägten ihren Rhythmus der Nacht und alle jene Erfahrungen bündelten sich an diesem Ort.
Mit dem Kottan wagte sie ihr eigenes Projekt, an einer Ecke, die damals noch weit davon entfernt war, ein AUSGEHVIERTEL zu sein, besser gesagt eine einzige PARTYZONE. Zuvor hieß der Spot Zotti, eher eine ruhige Geschichte, dann wurden diese wenigen Quadratmeter unter Andrejas Händen (sprichwörtlich) neu geboren. Der Name spielte augenzwinkernd auf die österreichische Serie Kottan ermittelt an.
Ursprünglich als entspanntes Wiener Café gedacht, wurde schnell SEHR viel mehr daraus. Die kleine Bar erlebte abends einen Run, die Leute blieben hängen, Musik vibrierte durch die Wände und hinaus auf den Platz. Die ursprünglich eingebaute Küche musste weichen, Essen gab es irgendwann nicht mehr, der Menta wurde dafür zum beliebtesten Nachtisch auf der Karte und so nahm diese einzigartige Geschichte ihren Lauf.

Das Kottan metamorphosierte auch zur Stuttgarter Version von „Cheers“, der legendären US-TV-Serie über eine Bar in Boston. Manche Gesichter sah man über Jahre hinweg, immer am selben Platz, angefangen bei einem prägenden Team, einzigartige Charaktere, die hier ihre Gastro-Karriere begannen – oder auch beendeten. Und bis heute, in ihrer Gastro-Rente, immer wieder den Weg ins Kottan fanden und finden. Rauchen, trinken, labern. RTL.
Dazu kamen immer wieder neue Leute, Zugezogene, die AM und IM Kottan ihre ersten Freundschaften in der Stadt schlossen, die bis heute innig sind – das passiert am Eingangsportal HiG einfach wirklich. Außerdem: Alte Stuttgarter, die ohne viel Federlesen einfach Platz nahmen. Und irgendwann verschwammen die Grenzen zwischen Stammgast und Neuling.
Wenn im Sommer die Fensterfronten aufgingen und DJs (meist) elektronische Musik auflegten, floss das Kottan in die Gassen des Hans-im-Glück-Brunnens hinaus. Wenn es Winter wurde, verwandelte es sich in eine warme Höhle. Divers und queer, bevor man in Stuttgart darüber sprach. Offen, bevor es Mode wurde. Ehrlich, als anderswo schon längst die Fassaden regierten.
Das Hans im Glück-Viertel, wie wir es heute kennen, hat seinen Aufschwung nicht zuletzt dem Kottan zu verdanken. Andreja und ihre standhaften Begleiter:innen vor und hinter dem Tresen haben mit dieser Bar den Takt vorgegeben. Sie hat fast zwei Jahrzehnte lang dafür gesorgt, dass dieser kleine Raum zu einem großen Treffpunkt wurde und hat dabei einer Pandemie und jahrelang einer Mega-Baustelle getrotzt. Ein Herzstück, das die Stadt geformt hat. Weiter geht’s. Bis jetzt.
Im Herbst beginnt ein neues Kapitel. Das Kottan, so wie es fast zwei Jahrzehnte existierte, schließt Ende September seine Türen. Danach übernimmt Uwe Wagner, ein alter Bekannter der Stuttgarter Gastro, der schon das Oblomow prägte und von Anfang an auch im Kottan mit im Spiel war – als Partner, Finanzier, Vertragshalter. Wie genau es nun zu dieser alleinigen Übergabe kommt, bleibt im Nebel.
Fest steht nur: Andrejas Vertrag läuft aus. Die Räume werden komplett neu gestaltet, ein anderes Konzept zieht ein. Künftig soll hier eine Nichtraucherbar entstehen.
Im September 2025 endet also diese Geschichte. Nach 17 Jahren, nach unzähligen Nächten, nach all dem Leben zwischen diesen Wänden. Das Kottan war klein, doch es war größer als viele andere. Weil es ein Zuhause war. Für Stuttgart, für die Nacht, für alle, die gekommen sind. Und weil über all dem die Hand von Andreja Maros stand, die diesen Ort mit Liebe, Hingabe und unerschütterlicher Energie zu dem gemacht hat, was er war.
Das Kottan hat noch bis Samstag, 27. September täglich bis auf sonntags geöffnet. Am 27.9. steigt auch die Abschiedsparty.






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