
Stuttgart West, die Hood mit Gründerzeitfassaden, Cafés, Bars, Second-Hand-Läden und einer der härtesten Disziplinen überhaupt: Parkplatzsuche – parken in West ist einfach Horror! Wer hier wohnt oder auch nur mal für ein Feierabendbier vorbeikommt, kennt das Game. Runden drehen um den Block, Hoffnung auf ein freies Eck, Frust wenn der Mini quer in der Lücke steht.
Gleichzeitig stellt sich längst die Frage: Braucht man im Westen überhaupt noch ein eigenes Auto? Straßenbahnen, Busse und Leihräder sind überall, Carsharing-Karren stehen an fast jeder Ecke. Viele Stuttgarter:innen haben das Thema längst abgehakt und leben im Westen ohne Karre – leichter für den Alltag, leichter fürs Nervenkostüm.
Und doch: Menschen mit Kind, Jobpendler:innen oder Handwerker:innen können nicht einfach verzichten. Für sie wird Parken zum täglichen Endgegner. Genau da setzt ein junges Stuttgarter Startup an: Die Parkerei.
Die Idee: ungenutzte Flächen werden digital verfügbar gemacht. Tiefgaragen, Supermarkt-Parkplätze, Grundstücke, die leer rumstehen. Mit smarter Technik und QR-Code-System werden diese Spots kurzfristig buchbar, ohne Schranken, ohne Ticketautomaten.
In der Praxis bedeutet das: weniger sinnloser Suchverkehr, entspannteres Viertel, und auch die Immobilienbesitzer:innen freuen sich über Einnahmen statt Leerstand.
Am Feuersee läuft bereits ein Pilot. Eine Fläche, die jahrelang brach lag, ist jetzt Stellplatz für Anwohner:innen und Besucher:innen. Ein kleines Stück Entlastung in einem Viertel, wo jeder Quadratmeter Asphalt umkämpft ist.
Ob das reicht, um den West-Stau aus Autos dauerhaft aufzulösen? Fraglich. Aber es zeigt: Parken kann neu gedacht werden. Und vielleicht ist die eigentliche Frage nicht, ob man im Westen noch ein Auto braucht, sondern ob man sich den Stress überhaupt noch geben will.
