
Der Grüne Heiner gehört zu diesen Orten im Norden der Stadt, die längst Teil der Stuttgarter und regionalen Identität sind – zumindest für viele Weilimdorfer:innen, Ditzinger:innen und natürlich Korntaler:innen.
Ein knapp hundert Meter hoher Hügel aus Bauschutt zwischen Weilimdorf und Korntal-Münchingen, oben ein Panorama über Felder, Autobahnlinien und die industrielle Landschaft der Region. Seit dem Jahr 2000 dreht sich hier Stuttgarts einziges Windrad. Ein technisches Artefakt, das zum festen Bestandteil dieser Area geworden ist.
Wer oben steht, kennt die Mischung. Mountainbikes im Gras, Spaziergänge, Sonnenuntergänge über der Autobahn. Manchmal ein Feierabendbier, manchmal ein Joint, manchmal zwei Menschen, die sich im Wind näherkommen. Auf dem Grünen Heiner wird gekifft, geknutscht, geredet und einfach in die Weite geschaut.
Jetzt steht eine wortwörtlich große Veränderung an. Die bestehende Windenergieanlage soll ersetzt werden. Repowering nennt sich das Projekt, das die Stadtwerke Stuttgart gemeinsam mit der Gedea Windkraft Grüner Heiner umsetzen wollen. Das bisherige Windrad mit rund 66 Metern Höhe soll durch eine deutlich größere Anlage ersetzt werden. Geplant ist eine Gesamthöhe von etwa 150 Metern.
Der Hintergrund: Die aktuelle Anlage liefert rund 600 Kilowatt Leistung und erzeugt Strom für etwa 270 Haushalte im Jahr. Die neue Anlage soll rund 4,2 Megawatt erreichen. Damit würde sich der Stromertrag fast verneunfachen. Rein rechnerisch könnten künftig mehr als 2.500 Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgt werden.
Der Planungsprozess läuft bereits. Verschiedene Gutachten zu Natur- und Artenschutz, Schallentwicklung, Schattenwurf und technischer Sicherheit wurden erstellt. Anfang 2026 wurde der Genehmigungsantrag gestellt. Wenn das Verfahren ohne größere Verzögerungen verläuft, könnte die neue Anlage im Jahr 2028 ans Netz gehen.
Wie so oft bei Windenergieprojekten bleibt auch dieses Vorhaben nicht frei von Diskussionen.
Der Grüne Heiner ist eben nicht nur ein technischer Standort, sondern ein Freizeitort mit besonderer Bedeutung für den Norden der Stadt. Viele nutzen den Hügel als Aussichtspunkt, Treffpunkt oder kurze Auszeit über der Region – oder eben zum kiffen und knutschen.
Für die neue Anlage müssen Bauarbeiten am Gipfel durchgeführt werden. Teile der Kuppe werden angepasst, damit die Anlage errichtet und später gewartet werden kann. Auch die bestehende Aussichtsplattform wird während der Bauphase verschwinden und erst später wieder aufgebaut.
Das zukünftige Windrad wird deutlich höher sein als das heutige. Gleichzeitig werden sich die Rotorblätter näher über dem Gelände bewegen als bisher. Für Besucher bedeutet das, dass die Anlage künftig stärker wahrnehmbar sein wird.
Hinzu kommen die üblichen Fragen, die fast jedes neue Windrad begleiten. Wie stark sind Geräusche bei bestimmten Wetterlagen? Welche Auswirkungen hat der Schattenwurf bei tief stehender Sonne? Nach Angaben der Betreiber werden die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten und die Anlage wird automatisch reguliert, wenn bestimmte Werte erreicht werden.
Fest steht: Der Grüne Heiner bleibt einer der eigenwilligsten Orte im Norden der Stadt. Ein Aussichtshügel mit Weitblick, Treffpunkt für Spaziergänger, Radfahrer und Nachtschwärmer und gleichzeitig Standort für Stuttgarts einziges Windrad. Bald (geplant ab 2028) dreht sich hier eine neue Anlage über dem Kessel. Größer, leistungsstärker und mit deutlich mehr Strom für die Region.
