
Wer Stuttgart verstehen will, landet früher oder später am Marienplatz und im Galão Stuttgart. Zwischen Stadtbahn, Tübinger Straße und dem ständigen Kommen und Gehen gibt es einen Ort, der sich seit Jahren jeder Schnelllebigkeit entzieht und trotzdem immer mitten im Puls der Stadt liegt: das Galão.
An warmen Sommerabenden reicht die Terrasse bis fast an den Radstreifen. Menschen sitzen dicht beieinander, trinken Wein, Bier oder einen portugiesischen Galão, während wenige Meter weiter Fahrräder, Straßenbahnen und der Feierabendverkehr vorbeiziehen. Genau dieser Kontrast macht den Reiz aus. Kaum ein anderer Ort verbindet die urbane Energie der Tübinger Straße so selbstverständlich mit einer Atmosphäre, in der jeder seinen Platz findet.
Das Galão wurde 2009 gegründet. Nach kurzer Zeit stieg Reiner Bocka als Mitinhaber ein und prägt seitdem gemeinsam mit Marci Brucker den Charakter der Bar. Die Geschichte verlief nie geradlinig. 2014 stand das Galão kurz vor dem Aus, nachdem das Gebäude verkauft wurde. Innerhalb weniger Wochen gelang es durch Spenden und private Darlehen zahlreicher Unterstützer, das Haus zu übernehmen und den Betrieb dauerhaft zu sichern. Diese Geschichte gehört bis heute zur DNA des Hauses.
Wer das Galão nur als Bar kennt, unterschätzt die Küche. Auf der Karte treffen schwäbische Kässpätzle auf ostafrikanische Gemüseplatten, Thai Curry, Antipasti und kleine Schnitten. Dahinter stehen Köchinnen und Köche aus unterschiedlichen Ländern, deren Handschriften bis heute Teil des Konzepts geblieben sind. Dazu kommen eine beachtliche Auswahl an Gin und Whiskey sowie natürlich der portugiesische Milchkaffee, der dem Café seinen Namen gibt.
Mindestens genauso wichtig wie Essen und Getränke ist die Musik. Dienstags und mittwochs verwandelt sich das Galão in einen kleinen Konzertclub. Internationale Musikerinnen und Musiker legen auf ihren Tourneen einen Stopp am Marienplatz ein. Coverbands sucht man bewusst vergeblich. Seit der Eröffnung fanden weit über 1.500 Konzerte statt. Wer neugierig auf neue Sounds ist, findet hier seit Jahren eine Bühne, die in Stuttgart ihresgleichen sucht.

Aus dieser Konzertkultur entstand schließlich auch das Marienplatzfest. Seit 2012 bringt das Team nationale und internationale Künstler auf eine größere Bühne und schafft jedes Jahr ein kostenloses Festival mitten im Stuttgarter Süden. Die Idee dahinter blieb immer dieselbe: Musik zugänglich machen und Kultur dorthin bringen, wo Menschen ohnehin zusammenkommen.
Auffällig ist die Mischung der Gäste. Studierende sitzen neben Familien, Kreative neben Handwerkerinnen, Nachbarn neben Touristen. Niemand scheint sich erklären zu müssen. Das Galão lebt seit Jahren von dieser Offenheit. Rund 40 Mitarbeitende tragen den Betrieb, viele parallel zu Studium, Ausbildung oder anderen Berufen. Das Café versteht sich bewusst als Ort, an dem unterschiedliche Lebenswege nebeneinander Platz haben.
Gerade an Sommerabenden zeigt sich, warum das Galão längst Kultstatus besitzt. Die Terrasse gehört zu den begehrtesten Plätzen der Stadt. Kaum wird es dunkel, füllen sich die Tische, Stimmen vermischen sich mit Musik aus dem Innenraum und dem Rhythmus der Tübinger Straße. Drinnen wechseln sich Live-Konzerte, DJ-Abende und spontane Begegnungen ab, draußen entsteht dieses typische Marienplatzgefühl, das viele längst mit dem Stuttgarter Süden verbinden.
Für viele ist das Galão längst die Seele der Tübinger Straße. Ein Ort, der Menschen zusammenbringt, ohne sich ständig neu erfinden zu müssen. Zwischen Espresso am Nachmittag, langen Sommernächten auf der Terrasse und Konzerten aus aller Welt hat sich hier über Jahre eine Institution entwickelt, die den Charakter des Marienplatzes entscheidend mitprägt.

Facts
- Eröffnung: 2009
- Standort: Tübinger Straße 90, Stuttgart Süd
- Mitinhaber: Marci Brucker und Reiner Bocka
- Rund 40 Mitarbeitende
- Live-Konzerte jeden Dienstag und Mittwoch
- Über 1.500 Konzerte seit der Eröffnung
- Veranstalter des Marienplatzfests seit 2012
- Internationale Küche von Kässpätzle bis Thai Curry
- Große Terrasse direkt am Marienplatz
- Einer der bekanntesten Treffpunkte im Stuttgarter Süden
