
Es gibt Bauwerke in Stuttgart, die niemand ernsthaft vermisst und die trotzdem fest zum Stadtbild gehören. Die Fußgängerbrücke über der Friedrichstraße ist genau so ein Kandidat. Jahrzehntelang spannte sich der massive Steg zwischen Lautenschlagerstraße und Unigegend über eine der meistbefahrenen Achsen der Innenstadt. Dunkle Treppenaufgänge, reichlich Beton, null Barrierefreiheit und eine Atmosphäre, die wir schon mal irgendwo zwischen „Dark“, „Saw“ und „Blair Witch Project“ einsortiert hatten.
Jetzt ist Schluss. Die Vorarbeiten zum Abriss laufen bereits, die Glasüberdachung wird Stück für Stück entfernt und die Zugänge sind gesperrt. Am kommenden Wochenende verschwindet schließlich die eigentliche Brückenkonstruktion. Dafür wird die Theo-Heuss und Friedrich-Straße von Freitag, 18. September, 22 Uhr, bis Montag, 21. September, voraussichtlich 5 Uhr vollständig gesperrt. Läuft alles nach Plan und spielt das Wetter mit, könnte der Steg bereits in der Nacht auf Sonntag ausgehoben sein.

Damit endet ein ziemlich spezielles Kapitel Stuttgarter Fußgängerinfrastruktur. Wer aus der Lautenschlagerstraße kam, verschwand neben dem Cavos zunächst in einem schmalen Treppenaufgang, arbeitete sich nach oben und überquerte anschließend die Friedrichstraße auf einer Konstruktion, die gefühlt für eine andere Epoche gebaut worden war. Breiter Brückenweg, schummrige Zugänge und eine Wegeführung, die im Jahr 2026 endgültig aus der Zeit gefallen ist.
Der Abriss hängt mit dem geplanten Neubauprojekt KarLa zusammen. Auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Grundstück sollen bis 2030 neue Flächen für Gewerbe, Gastronomie, Handel und Wohnen entstehen. Dafür verschwinden später auch die bestehenden Gebäude an der Lautenschlagerstraße 20 und Friedrichstraße 15. Deren Abriss ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Das Cavos zieht ins SI Zentrum nach Möhringen.
Mit KarLa verändert sich außerdem die Wegeführung an dieser Stelle grundlegend. Statt Treppen, Brückenkopf und Hochweg ist künftig eine ebenerdige Verbindung durch den Neubau und über die Friedrichstraße vorgesehen. Damit verschwindet auch jener düstere Durchgang, der den Weg von der Lautenschlagerstraße zur Brücke bislang einleitete.

Für Autofahrer bedeutet das Abrisswochenende größere Umwege. Zwischen Arnulf Klett Platz und Rotebühlplatz wird der Verkehr in beiden Richtungen über Kriegsbergstraße, Holzgartenstraße, Schlossstraße und Fritz Elsaß Straße geführt. Auch aus Richtung Charlottenplatz wird über Schlossstraße, Holzgartenstraße und Kriegsbergstraße zum Hauptbahnhof umgeleitet.
Und dann ist sie weg, diese eigenartige Stuttgarter Betonchiffre über der Friedrichstraße. Noch im Februar haben wir uns gefragt, was zuerst da war, der Brückenkopf oder die Commerzbank. Die Antwort spielt bald keine Rolle mehr. Stuttgart baut weiter, die Stadt verändert sich, und diesmal erwischt es ein Stück Infrastruktur, das zwar kaum jemand geliebt hat, aber ziemlich viele sofort erkennen würden.

Facts: Fußgängerbrücke Friedrichstraße Stuttgart
Abriss: Wochenende 18. bis 21. September 2026
Vollsperrung Theo-Heuss & Friedrichstraße: Freitag, 18. September, 22 Uhr bis Montag, 21. September, voraussichtlich 5 Uhr
Bauwerk: Fußgängersteg über der Friedrichstraße
Verbindung: Lautenschlagerstraße Richtung Universität
Besonderheit: nicht barrierefrei, Zugang ausschließlich über Treppen
Grund für den Abriss: Neubauprojekt KarLa
Grundstück: rund 5000 Quadratmeter
Geplante Nutzung: Gewerbe, Gastronomie, Handel und Wohnen
Geplante Fertigstellung KarLa: bis 2030
Weitere Abrisse: Lautenschlagerstraße 20 und Friedrichstraße 15, geplant für das erste Quartal 2027
Neue Wegeführung: künftig ebenerdig durch den Neubau und über die Friedrichstraße
Umleitung: über Kriegsbergstraße, Holzgartenstraße, Schlossstraße und Fritz Elsaß Straße
