
Wer in diesen Tagen den Parkplatz direkt am Stuttgarter Fernsehturm überquert, läuft unweigerlich über ein kleines Stück Turmgeschichte. Seit Februar 2026 zieht sich dort ein ungewöhnlicher Zebrastreifen über den Asphalt. Aus der richtigen Perspektive wird aus den weißen Markierungen die Silhouette des Stuttgarter Fernsehturms.
Die Installation trägt den Titel „ZebraTower“ und entstand anlässlich des 70. Jubiläums des Fernsehturms. Gestaltet wurde das Werk vom Stuttgarter Künstler OA Krimmel, der schon seit vielen Jahren als großer Fernsehturm-Fan gilt. Kaum ein anderer Kreativer hat sich so intensiv mit dem Wahrzeichen beschäftigt. Bücher, Grafiken, Objekte und immer wieder neue Ideen kreisen bei ihm um den ersten Fernsehturm der Welt.

Das Konzept ist ebenso einfach wie charmant. Die weißen Streifen eines klassischen Zebrastreifens werden Teil der Architektur. Von vorne betrachtet entsteht die Kontur des Fernsehturms, der sich gleichzeitig als echtes Bauwerk direkt dahinter in den Himmel erhebt. Kunstwerk und Original verschmelzen für einen Moment zu einer einzigen Perspektive.
Mit einer Länge von rund 14 Metern und einer Breite von fünf Metern nutzt die Arbeit den öffentlichen Raum als Leinwand. Wer über den Parkplatz läuft, wird Teil der Inszenierung. Viele Besucher bleiben kurz stehen, zücken ihr Smartphone oder suchen den perfekten Blickwinkel für ein Foto.
Dass die Idee ausgerechnet von OA Krimmel stammt, überrascht in Stuttgart kaum. Der Konzeptkünstler bewegt sich seit Jahrzehnten zwischen Kunst, Design und Stadtkultur. Seine Arbeiten greifen immer wieder Themen auf, die eng mit Stuttgart verbunden sind.
Erst im vergangenen Jahr wurde er bei der Fellbacher Triennale mit dem renommierten Ludwig-Gies-Preis für Kleinplastik ausgezeichnet. Der Preis zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen für Skulptur und plastische Kunst in Deutschland.
Der Fernsehturm selbst bleibt die eigentliche Hauptfigur. Als erster Fernsehturm der Welt aus Stahlbeton hat er Stuttgart weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht. Siebzig Jahre nach seiner Eröffnung zeigt der „ZebraTower“, wie stark dieses Bauwerk bis heute in der Identität der Stadt verankert ist.
Es sind oft die kleinen Ideen, die besonders lange im Gedächtnis bleiben. Ein Zebrastreifen, ein Turm und ein Perspektivwechsel reichen hier vollkommen aus.

