Stuttgart-Doku: Die Kalte Platte – der Kleine Schlossplatz von 1968 – 2002

Immer noch sehr gut: der Dokumentarfilm „Die Kalte Platte – 1968 bis 2002 – Die Jahre des Kleinen Schlossplatzes Stuttgart“ Der Film erzählt ziemlich eindrücklich, was dieser eigentümliche Ort mitten in Stuttgart einmal war und warum er für viele bis heute hängen geblieben ist.

Die Neubebauung im Zuge des Kunstmuseums sorgte für reichlich Diskussionen. Dabei war der Kleine Schlossplatz lange alles andere als unumstritten. Die Architektur galt vielen als Fehlkonstruktion, der Platz selbst zeitweise als ziemlich heruntergekommene Ecke. Gleichzeitig entwickelte sich genau dort ein eigener Kosmos aus Treffpunkt, Nachtleben und Subkultur.

Vor dem Pauls standen bei halbwegs brauchbarem Wetter gerne einmal riesige Menschenmengen, mit Capri-Hosen, Abendkleidern und Schoßhündchen inklusive. Warum man sich dort teilweise so dicht gedrängt hat, war nicht immer ganz nachvollziehbar, gehörte aber offenbar zum Gesamtkunstwerk Kleiner Schlossplatz.

Historische Aufnahmen zeigen, dass der Platz schon deutlich früher ein angesagter Treffpunkt war. Im Hintergrund fuhr die Stadtbahn noch oberirdisch über die Königstraße, davor saß und stand Stuttgart auf der Platte.

Später kamen die berühmten Freitreppen dazu. Die waren Treffpunkt, Sitzplatz und gesellschaftliche Beobachtungsstation in einem. Wer daran vorbeilief, konnte sich ziemlich sicher sein, irgendwo Teil einer spontanen Analyse zu werden.

Auch innerhalb der internationalen Skaterszene brachte es der Kleine Schlossplatz zu einiger Bekanntheit. Unter dem Platz lag die sogenannte „Gaskammer“, auch als „Hall of Fame“ bekannt. Dort trafen sich Graffiti- und Skateszene, und selbst die Circa Tour mit Skateboard-Superstar Chad Muska machte Station.

Genau diese Mischung aus Beton, verschlungenen Wegen, Treppen, Kneipen und Szenen machte den Kleinen Schlossplatz aus. Man konnte ihn für hässlich halten, man konnte ihn lieben, wahrscheinlich ging auch beides gleichzeitig. Mit dem Kunstmuseum hat sich der Ort komplett verändert. Schlecht ist es dort heute ebenfalls nicht, aber die alte Platte bleibt ein ziemlich eigenes Kapitel Stuttgarter Stadtgeschichte.

11 replies on “Stuttgart-Doku: Die Kalte Platte – der Kleine Schlossplatz von 1968 – 2002”
  1. says: Jules Tschie

    ich kenn nur noch die Gaskammer, bedauere bis heute das der Platz neu bebaut wurde, war es doch ein Stück Stuttgart, an dem sich die Jugendlichen enfalten konnten … seis skaten oder sprühen… Gaskammer 4 ever 😉
    Bei der Circa Tour war ich auch da:) hab sogar von Muska ein Autogramm auf mein Deck bekommen :- ) …..war stolz wie ne Eins:)

    war ne geile Zeit…..

  2. says: näna

    war auch bei der circa tour. zu krass, was sich da abgespielt hat. wir waren damals aber zu cool um nach nem autogramm zu betteln 🙂
    lustig war auch, als sich dann stuttgarter jungs wie die circa-skater auf erhöhungen gestellt haben und den kiddies fleißig autogramme gegeben haben. da wusste zwar niemand wer das ist, aber der typ stand oben, also musste er ja jemand “besonderes” sein…
    ich muss zugeben, dass ich schon ne träne vergossen hab, als klar war, dass die gaskammer weg muss…

  3. says: Clemens

    Super beitrag so früh am Morgen! Ich muss aber sagen dass ich der Gaskammer nicht richtig hinterherweine, sie war einfach zu versifft. Auch wenn ich da mit Graffiti (und natürlich auch mit Skaten) begonnen habe, das war mir immer zu Ghetto.

  4. says: Patrice Grad

    Man, früher als Rollersakter war ich fast jeden Tag da. Die doofen Punker wollten uns immer verhauen und die alten Weiber aus dem Tickethäusle haben uns immer verjagt!

  5. says: alx

    Ich habe gleich mal ne Mail an die Jungs geschrieben, da ich den Film auch haben will 😉

    Lieber Alexander,

    in der Filmgalerie 451 kann man ihn ausleihen.
    Viel Spass beim schauen.

    besten gruss
    cem

    aber ihr wartet jetzt gefälligst, bis ich den gesehen habe, klar?

  6. cooler post!

    als kleiner junge war immer der adventsbrunch mit freunden meiner mum in dem mövenpick restaurant dort.

    war echt schön aber zu der zeit wars schon ziemlich um das ganze geschehen. kaum mehr läden, eigentlich nur noch der pick.

    Ich finde die umbaumassnahme ok denn es hat uns ja schliesslich die Waranga beschert :))

  7. says: alx

    naja das Switzerland vermisse ich schon mehr als das Pauls, aber das ist ja Geschmackssache, der Amesöder war jedenfalls schon immer ein witziger Kerl…

  8. says: Bernard

    Wir hatten doch soo einen schönen Kleinen Schlossplatz – warum wurde der abgerissen ???

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