
Im Museumsgarten des StadtPalais Stuttgart hat sich in diesen Tagen ein ungewöhnlicher Wald aus Holz ausgebreitet. Das Projekt Bois du Palais verwandelt die Fläche für den Sommer in eine begehbare Installation, die Architektur, Handwerk und Natur verwebt.
Schon aus der Entfernung wirkt die Konstruktion wie ein Geflecht aus Baumkronen, Ästen und Wegen. Erst beim Näherkommen zeigt sich, dass hier keine klassischen Pavillons stehen. Hunderte Holzbalken verschränken sich zu einer offenen Struktur, die Schatten spendet, zum Durchlaufen einlädt und ständig neue Perspektiven entstehen lässt. Je nach Sonnenstand verändert sich das Spiel aus Licht, Linien und Geometrie beinahe im Minutentakt.
Besonders beeindruckend ist, dass dieser hölzerne Hain nicht von einem Architekturbüro errichtet wurde, sondern von 217 Architekturstudierenden der Universität Stuttgart. Im Rahmen ihres Grundlagenstudiums entwickelten sie sogenannte Halbrahmen aus einfachen Holzquerschnitten, die sich vor Ort zu zwei großen Hainen zusammensetzen ließen.
Die Konstruktionen wurden vollständig verschraubt und gefügt. Auf Klebstoff wurde bewusst verzichtet. Dadurch lassen sich sämtliche Bauteile später wieder auseinandernehmen, sortenrein trennen und an anderer Stelle erneut verwenden.

Die Idee dahinter reicht weit über eine temporäre Installation hinaus. Holz dient hier nicht nur als Baumaterial, sondern als Ausgangspunkt für eine andere Vorstellung vom Bauen. Die Studierenden beschäftigten sich mit der Stuttgarter Baugeschichte, mit Konstruktion, Material und der sogenannten grauen Energie bestehender Gebäude. Aus dieser Auseinandersetzung entstand eine Architektursprache, die Ressourcen schont und gleichzeitig Räume schafft, die sich flexibel verändern und immer wieder neu zusammensetzen lassen.
Auch die Gestaltung erzählt ihre eigene Geschichte. Manche Konstruktionen erinnern an Bambusgerüste oder an die Formensprache japanischer Architektur, andere wirken wie abstrahierte Baumkronen. Trotz der Vielzahl einzelner Balken entsteht kein Durcheinander. Vielmehr entwickelt sich ein organisches Gesamtbild, das erstaunlich leicht erscheint und mit der klassizistischen Architektur des StadtPalais einen spannenden Kontrast bildet.
Die warmen Holztöne verleihen dem Museumsgarten eine völlig neue Atmosphäre. Zwischen den Konstruktionen stehen kleine Hocker, die zum Verweilen einladen. Aus einer freien Fläche wird ein Ort, an dem man hindurchgeht, innehält und den Stadtraum aus einer neuen Perspektive erlebt.
Bois du Palais bleibt über die Sommermonate bestehen und bietet Raum für Veranstaltungen, Begegnungen und Austausch. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie aus einfachen Holzelementen ein temporärer Stadtraum entstehen kann, der Gestaltung, Nachhaltigkeit und Architektur auf elegante Weise miteinander verbindet.
Facts: Bois du Palais
- Standort: Museumsgarten des StadtPalais Stuttgart
- Projektname: Bois du Palais
- Realisierung: Sommer 2026
- Mitwirkende: 217 Architekturstudierende der Universität Stuttgart
- Material: Holz, verschraubte Halbrahmen und textile Verschattungselemente
- Besonderheit: Komplett ohne Klebstoff konstruiert, wiederverwendbar und sortenrein zerlegbar
- Nutzung: Temporärer Aufenthaltsort für Veranstaltungen, Begegnungen und Erholung
- Konzept: Nachhaltige Holzarchitektur und experimenteller Stadtraum
- Förderung: Ideenwettbewerb „Glow up our Campus!“
- Kooperation: StadtPalais und Universität Stuttgart
