
Stuttgart diskutiert seit Jahren über Hitze, versiegelte Plätze und den Mangel an Schatten. Nach den extrem warmen Wochen dieses Sommers bekommt die Debatte nun neuen Schwung. Mit dem BaumEntscheid Stuttgart formiert sich eine Initiative, die das Thema Stadtgrün nicht länger einzelnen Projekten überlassen möchte und stattdessen per Bürgerbewegung dauerhaft in der Stadt verankern will.
Vorbild ist Berlin. Dort wurde 2025 per Volksbegehren ein kommunales Klimaanpassungsgesetz auf den Weg gebracht. Stadtbäume stehen stärker unter Schutz, Grünflächen werden gesichert und die Kommune wird verpflichtet, Maßnahmen gegen die zunehmende Hitze umzusetzen. Genau dieser Ansatz soll nun auch nach Stuttgart kommen.
Das Thema trifft einen Nerv. Stuttgart zählt aufgrund seiner Kessellage zu den wärmsten Großstädten Deutschlands. Asphalt, Beton und dicht bebaute Straßenzüge speichern die Hitze bis tief in die Nacht. Gerade Plätze ohne größere Baumkronen entwickeln sich an heißen Tagen zu echten Wärmeinseln. Gleichzeitig geraten viele bestehende Stadtbäume durch Trockenheit und lange Dürreperioden unter Druck.
Am 7. Juli 2026 fand ein das Auftakttreffen des Baum-Entscheids Stuttgart in der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen in der Tübinger Straße statt. Eingeladen sind Bürgerinnen und Bürger, Fachleute aus Wissenschaft, Architektur, Wirtschaft sowie Vereine und Initiativen.
Nach einem Erfahrungsbericht über den Berliner BaumEntscheid soll diskutiert werden, ob Stuttgart denselben Weg einschlagen möchte und wie eine entsprechende Bürgerinitiative organisiert werden könnte.
Parallel dazu läuft bereits eine Petition. Ziel ist es, möglichst viele Menschen für ein grüneres und hitzeresistenteres Stuttgart zu gewinnen. Die Initiatoren sehen Bäume dabei nicht als gestalterisches Extra, sondern als Teil der städtischen Daseinsvorsorge. Schatten, kühlere Straßenräume, entsiegelte Flächen und mehr Grün sollen die Lebensqualität im Sommer spürbar verbessern.
Die Diskussion kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Hitzeschutz in Stuttgart ohnehin immer stärker in den Mittelpunkt rückt. Mobile Schattenspender auf dem Marienplatz, neue Begrünungsprojekte oder zusätzliche Maßnahmen bei Großveranstaltungen zeigen bereits, wie präsent das Thema inzwischen geworden ist. Der Baum-Entscheid geht allerdings deutlich weiter. Er möchte den Ausbau des Stadtgrüns dauerhaft politisch absichern und verbindliche Ziele schaffen.
Ob daraus tatsächlich ein Bürgerentscheid entsteht, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Klar ist schon jetzt: Kaum ein Thema bewegt die Stadt derzeit so stark wie die Frage, wie Stuttgart mit immer heißeren Sommern umgehen will.

Facts: BaumEntscheid Stuttgart
- Initiative: BaumEntscheid Stuttgart
- Ziel: Mehr Bäume, entsiegelte Flächen und verbindlicher Hitzeschutz
- Vorbild: Berliner BaumEntscheid mit kommunalem Klimaanpassungsgesetz
- Auftakttreffen: 7. Juli 2026
- Ort: Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), Tübinger Straße 43, Stuttgart
- Teilnehmer: Bürgerinnen und Bürger, Wissenschaft, Architektur, Wirtschaft, Vereine und Stadtgesellschaft
- Begleitend: Petition für mehr Stadtgrün und besseren Hitzeschutz
- Schwerpunkt: Schutz und Ausbau des Stadtgrüns als Anpassung an zunehmende Hitze in Stuttgart
- Perspektive: Prüfung eines Bürgerentscheids nach Berliner Vorbild zur langfristigen Sicherung von Klimaanpassungsmaßnahmen
