
Es gibt diese Tage im September, an denen Stuttgart seine Farben neu sortiert. Der Sommer liegt noch in der Luft, die Sonne steht bereits tiefer, und über den Bärenseen beginnt am späten Nachmittag dieses warme Gold zu liegen, das Wasser, Wald und Himmel für ein paar Minuten miteinander verschmelzen lässt.
Gerade jetzt zeigt sich einer der schönsten Orte der Stadt in einer besonderen Verfassung. Die Bärenseen im Stuttgarter Westen gehören ohnehin zu diesen Flecken, die sich jeder urbanen Eile entziehen. Drei Seen, eingebettet in den Rotwildpark, umgeben von dichtem Wald, alten Bäumen und Wegen, die sich durch eines der großen Naherholungsgebiete Stuttgarts ziehen.
Im September verändert sich die Szenerie fast täglich. Das Grün trägt erste gelbe und rostfarbene Einschlüsse, morgens liegt mitunter feiner Dunst über dem Wasser, abends fällt die Sonne flach durch die Baumkronen. Auf der Oberfläche ziehen Enten ihre Bahnen, Lichtreflexe wandern über den See, Blätter treiben am Ufer entlang. Stuttgart kann an solchen Abenden erstaunlich weit weg wirken.

Die drei Bärenseen, Bärensee, Neuer See und Pfaffensee, liegen mitten im Stuttgarter Stadtgebiet und erzählen zugleich von einer Zeit, in der Wasser hier vor allem Versorgung bedeutete. Die Seen wurden zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert angelegt und dienten einst als Reservoir für die Stadt. Heute bilden sie zusammen mit dem umgebenden Wald eine Landschaft, die längst zum festen Stuttgart Inventar gehört.
Besonders im Herbst beginnt hier eine kleine Metamorphose. Aus dem satten Sommergrün werden Gelb, Kupfer, Braun und Rot, das Licht fällt tiefer zwischen die Stämme, und auf dem Wasser spiegeln sich die Baumkronen beinahe grafisch. Wer früh am Morgen oder gegen Sonnenuntergang unterwegs ist, erlebt die Seen mitunter in einer fast unwirklichen Kulisse.
Dabei braucht es hier kein großes Programm. Eine Runde um den Bärensee, weiter Richtung Neuer See, vielleicht ein Abstecher zum Bärenschlössle, danach wieder hinein in den Wald. Je nach Route lassen sich wenige Kilometer oder ein ausgedehnter Spaziergang daraus bauen. Jogger, Spaziergänger, Familien, Hunde und Fahrräder teilen sich die Wege, während nur wenige Kilometer entfernt der Stuttgarter Alltag weiterläuft.

Das Bärenschlössle bildet dabei seit Generationen einen vertrauten Fixpunkt über dem Wasser. Von dort öffnet sich der Blick über den See und in die bewaldeten Hänge. Im Herbst bekommt selbst dieser bestens bekannte Stuttgart Klassiker noch einmal eine andere Ästhetik, wenn die Sonne zwischen den Ästen steht und der Wald langsam seine Palette wechselt.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Qualität der Bärenseen. Sie brauchen keine Inszenierung, weil Jahreszeit, Wasser und Wald das Bild ständig selbst neu komponieren. Im September beginnt dieses Schauspiel noch im warmen Licht des ausgehenden Sommers, wenige Wochen später liegt Laub auf den Wegen und die Landschaft ist vollständig im Herbst angekommen.
Und dann gibt es diese Abende wie auf unseren Bildern: Die Sonne sinkt hinter den Wald, das Wasser wird zu flüssigem Gold, winzige Partikel glitzern in der Luft und eine einzelne Ente zieht durch die Spiegelung.
Mitten in Stuttgart.
Und ziemlich einzigartig schön.
